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5.0 von 5 Sternen
Grenzüberschreitend & ergreifend, 23. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Vom Reichtum des einfachen Lebens: Auf den Spuren Jesu Alternativen entdecken (Broschiert)
Mit Freunden zusammen sein. Reden und zuhören. Gemeinsam feiern und lachen. Sich an Kleinigkeiten erfreuen, die den Alltag verschönern. Aus dem Erlebten der Vergangenheit Trost und Kraft schöpfen: Was wirklich wichtig ist, reicht einem das Leben oft als kostenloses Geschenk. Momente im Leben Jesu bezeugen das eindrücklich und Georg Magirius erzählt sie neu, um zu verdeutlichen, dass der "Glanz der Einfachheit" (Zitat Magirius) auch in unserer modernen Welt sinnstiftend sein kann.
Doch keinesfalls sollte man diesem Buch den Stempel "Theologischer Ratgeber" aufdrücken; spielerisch überschreitet es Genre-Grenzen und lässt sich nicht in eine eindeutige "Literatur-Schublade" stecken. Der Autor betont im ersten Kapitel bescheiden, seine Anmerkungen seien keinesfalls als gesellschafts-politischer Entwurf zu verstehen. Tatsächlich zeichnet Magirius, der vom Alter her zur Generation Golf zählt, eine scharfsinnige gesellschaftskritische Analyse seiner Umgebung. Beispielsweise beleuchtet er die zum Ideal erhobene konservierte Alterslosigkeit, den Verfall der Gesprächskultur und die Schnelllebigkeit der Informationsgesellschaft. Er hinterfragt, ob die um sich greifende "All-you-can-eat"-Mentalität nicht die Genussfreude tötet und ob eine kuschelige Eigenheim-Idylle oder minutiös durchgeplante Urlaubsreisen tatsächlich dauerhaft glücklich machen.
Einen besonders lebendigen Erzählfluss erzeugt Magirius durch das Einstreuen vieler biographischer Skizzen. Vielleicht ist dies sein bislang persönlichstes Buch, denn er rollt episodenweise einen Großteil seiner Lebensgeschichte auf, beschreibt seinen Balanceakt zwischen Theologie, schriftstellerischer Tätigkeit und Arbeit als Hörfunkjournalist, zwischen lustvollem Fabulieren und informativem journalistischen Schreiben. Der Autor referiert niemals mit erhobenem Zeigefinger oder käme auf die Idee, dem Leser vermeintlich kluge Ratschläge für die perfekte Lebensführung aufzudrängen. Im Gegenteil; er betont Umbrüche und Widersprüchlichkeiten im eigenen Leben, was ihn außerordentlich sympathisch erscheinen lässt. Magirius ist kein Gesellschaftsverweigerer oder Rebell, aber jemand, der seinen ganz persönlichen Weg auch abseits "allgemeingültiger" Normen geht. Wie schon in seinen Vorgängerwerken gelingt es ihm, Mut zur eigenen Meinung zu vermitteln.
Magirius ist erneut ein inhaltlich und stilistisch anspruchvolles Werk gelungen. Bei diesem Buch besticht besonders der persönliche Tonfall, der den Leser wirklich berührt, "mitnimmt" und zum Nachdenken anregt.
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