Ein durch die Hirnwäsche in der Hitlerjugend verblendeter junger Mann meldet sich als Kriegsfreiwilliger und tritt 1943 in die Wehrmacht ein. Nach einigen relativ angenehmen Monaten als deutscher Besatzer in Frankreich erlebt er die Landung der Alliierten in der Normandie mit, Berge von toten GIs am Strand und dann die schrecklichen Verluste der Deutschen, den sinnlosen Widerstand gegen eine um ein Vielfaches stärkere und besser ausgerüstete Armee. Keller erkennt angesichts dieses unbeschreiblichen Horrors die Sinnlosigkeit des Kriegs und die Verlogenheit des Hitler-Regimes. Aufgrund einer unbedachten Äußerung droht ihm das Militärgericht, worauf er Fahnenflucht begeht. Er wird gefasst und in ein Bewährungsbataillon an der Ostfront geschickt - als Kanonenfutter. Keller ist unter den wenigen, die überleben und in sowjetische Gefangenschaft geraten. In einem überfüllten Viehwaggon tritt er die grauenvolle 7.000-km-Reise in ein sibirisches Arbeitslager an. Vor der lebensgefährlichen Arbeit und dem drohenden Hungertod flieht er auf Güterzügen Richtung Westen, landet aber nach 3.500 km in einem anderen Arbeitslager. Dort bleibt er bis 1949 unter unsäglichen Bedingungen, stets vom Tod durch Unterernährung bedroht.
Keller beschreibt ohne Sentimentalität und Hass die Schrecknisse, die er erlebt hat, angefangen mit dem Gemetzel in der Normandie über den Gefangenentransport und die Flucht bis zum Alltag im Lager von Magnitogorsk. Der Alltag dort, geprägt von härtester Arbeit unter primitiven Bedingungen trotz spärlichster Verpflegung, mangelhafter Bekleidung und Schikanen, wird durch die Lektüre dieses Buchs ganz plastisch erfahrbar. Und trotz der vielen Grausamkeiten, der ständig präsenten Angst ums Überleben gerade im sibirischen Winter, fehlen die kleinen positiven Erinnerungen im zwischenmenschlichen Bereich nicht: die Kameradschaft unter den Kriegsgefangenen, lebensrettende Unterstützung durch eine Lagerärztin und einen Aufseher; einfache sibirische Bauern, die ihn, obwohl ihnen seine Nationalität bewusst ist, mit Lebensmitteln versorgen.
Zahlreiche erschütternde Fotos ergänzen den Text. Der schlichte, nüchterne Stil des Erzählers, sachlich und ohne Pathos, macht die dargestellten Erlebnisse gut nachvollziehbar - so weit das für Außenstehende überhaupt möglich ist. Etwas störend sind nur die nicht gerade seltenen sprachlichen Fehler.
Kurt Kellers Buch leistet auf jeden Fall einen wichtigen Beitrag zu einem umfassenden Bild der Geschichte der Mitte des 20. Jahrhunderts.