"Die Geschichte wird nur von starken Persönlichkeiten
ertragen, die schwachen löscht sie vollends aus."
(Friedrich Nietzsche)
Über Geschichte zu schreiben, Geschichte zu betrachten und zu überliefern ist eine lange Tradition. Mit Herodot stoßen wir auf die erste Überlieferung, die noch den "göttlichen" Anteil der griechischen Geschichte bedachte. In Jüngers "An der Zeitmauer" wird sehr deutlich, wie Geschichte einzustufen ist. Mit Burckhardt und Friedell finden wir zwei weitere belesene und besonnene "Geschichtenerzähler" und als letzten sollte man H.G. Wells mit seiner "Geschichte unserer Welt" nicht vergessen.
Was sagt uns all dieses in Bezug auf Nietzsche? Nun, neben den Abrissen zur Geschichte zeigen o.a. Schriften eine sehr eloquente Art, Zusammenhänge zu erkennen und für die Gegenwart tauglich darzustellen. Nietzsche nun geht einen anderen Weg, in dem er die Frage stellt, welchen Nachteil bzw. Vorteil Geschichte hat für das Leben an sich. Mit einem Mal sind wir in der persönlichen Beziehung zu unserer Geschichte und dem spürbaren Impetus, aus ihr zu lernen oder sie zu vernichten, um aus ihr zu lernen. Für Nietzsche sind es jene drei Beziehungen zum Leben, die von Bedeutung sind: die monumentale, die antiquarische und die kritische. In 10 Kapiteln zu dieser Frage entwickelt er in bravouröser Weise die Abhängigkeiten, die Beeinflussungen und die notwendige Distanz, um selbst Neues zu erzeugen. Es wird klar, dass Geschichte eine Bestimmung für den Menschen hat, es wird aber auch klar, dass es gilt, sich aus der Geschichte zu befreien, um Neues gestalten zu können.
Nietzsche in dieser Weise und insbesondere in diesen Unzeitgemäßen Betrachtungen erneut und dediziert zu begegnen, ist eine Freude und entstanden ist sie aus dem Lesevergnügen mit Henrik Ibsens "Hedda Gabler". Denn dort wird deutlich, dass die Besinnung auf Vergangenes auch bedeutet, Neues und Innovatives außer Acht zu lassen. Mit Ibsen wird gezeigt, welche Bedeutung die Historie fürs Leben hat und vor allem, in welcher Weise, in welcher Bedeutung man Geschichte für sich zu betrachten hat.
Mit Nietzsche gesprochen heißt es, aufzubrechen zu neuen Ufern, die möglichen Küsten zu erkennen und zu erfahren, dass in diesem Blick mehr Hoffnung liegt als im rückwärtigen, mit dem man auf die Skepsis der Vergangenheit zurück taumelt.
~~