Die folgende Rezension beruht auf einem subjektiven Standpunkt; ich meine allerdings, niemanden zu Unrecht zu kritisieren.
Vor dem Kauf sei jedem, der diesem Text als philosophischer Dilettant gegenübersteht, sich also eine sowohl inhaltlich wie auch formal zur Einführung geeignete Schrift erwartet, angeraten, sich eingehender über die zahllosen Schriften zu informieren, die denselben Zweck verfolgen, um schließlich bestenfalls aufgrund der Ratschläge von Philosophiebewanderten eine solche auszuwählen, die diesen Erwartungen tatsächlich gerecht wird.
Liessmann ist, unglücklicherweise entsprechend nicht ausschließlich der gegenwärtigen Generation von Professoren der Philosophie, jemand, der Publikationen im Hinblick auf Menge und Wert der täglichen Notdurft vergleichbar ausscheidet (bereits Hubert Markl prägte für einen solchen Drang, bereits Veröffentlichtes kaum aktualisiert, geschweige denn verändert unter neuem Namen erneut zu veröffentlichen, den Begriff "Graphorrhoe"). Dies führt nun auch zu Büchern wie diesem, welches im Rahmen einer von Liessmann regelmäßig abgehaltenen Vorlesung entstanden ist und seitdem von ihm als notwendige Begleitliteratur unverhohlen angepriesen wird (um [gewesenen] Studenten einen Einblick zu ermöglichen: Skriptum gibt es keines).
"Was berechtigt diesen Wappler zu einer solchen Kritik?" höre ich den empörten Wiener Liessmannfreund jetzt fragen. Selbstverständlich darf ein solcher Angriff nicht unfundiert bleiben: Aufgrund ermüdender Redundanz und augenscheinlicher Inkohärenz bleibt die Suche nach einem Hauptmotiv, das der Text verfolgt, erfolglos, Lesefluss kommt gar nicht erst zustande.
Das größte formale Defizit besteht jedoch eindeutig in Liessmanns Stil, der den Leser beständig aus der Illusion, mit dem Erwerb des Buches ein Stück Text erhalten zu haben, das nicht bloß abgetippte Tonbandmitschnitte, die in beinahe kindlicher Unbefangenheit meist kapitelweise mit jeweils denselben Fremdwörtern durchsetzt wurden, enthält. Im Hinblick auf den Inhalt verhält es sich mit Liessmanns Buch ähnlich wie mit anderen Einführungen, einzig die Ausführung der selektiv aneinandergereihten Geschichtsbrocken ist zu wenig umfangreich. Ein weiteres Mal muss hier betont werden, dass zumindest letztere Mängel in der Sache selbst begründet liegen; ich meine damit, dass es unsinnig wäre, die Geschichte der Philosophie binnen eines Semesters in befriedigendem Ausmaß behandeln zu wollen - leider bleibt aber ansonsten nicht viel übrig, was den Einsteiger als Vertreter des Zielpublikums einer jeden Einführung zum Kauf bewegen könnte, da sich auch die vom Autor eingangs versprochene kritische Betrachtung der auseinanderzusetzenden philosophischen Konzeptionen in sporadischen mokanten Bemerkungen erschöpft, die zudem argumentative Begründung vermissen lassen, was die Forderung nach Seriosität der Kritik natürlich ohnehin ungerechtfertigt erscheinen lassen muss.
Dankenswert ist freilich, dass Liessmann den Versuch einer Einführung in die Philosophie, die sich nicht hauptsächlich an der Ausführung der historischen Inhalte orientiert, gewagt hat: Künftige Autoren bekommen durch die Lektüre ein mahnendes Beispiel dafür vorgestellt, wie es nicht gemacht werden darf.