Gerne würde ich diesem schönen Buch sieben Sterne verpassen, auch um den schlechten Eindruck wett zu machen, den die Zwei-Sterne-Besprechung vielleicht hinterlässt. Aber so ist es eben: die Geschmäcker sind verschieden.
Ich habe Marc Bekoffs Buch gelesen, weil ich durch Zitate in Handelmans "Hundeverhalten" auf ihn aufmerksam geworden bin, z. B. auf S. 109 über evolutionäre Kontinuität: "Die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Tieren(einschließlich des Menschen)sind eher Nuancen von Grau, als ein scharfer Schwarz- Weiß- Kontrast." Bekoff forscht seit langer Zeit zum "Gefühlsleben" von Tieren und dieser Begriff klingt merkwürdig und ist natürlich ein wenig schwammig, genau wie der Begriff Manieren oder Moral. Er hat unzählige Bücher geschrieben, Vorträge gehalten und sich für Tiere engagiert. Er kümmert sich um Themen wie Spielverhalten, Schutz und Rechte der Tiere (hierzu hat er ein Manifest und eine Enzyklopädie verfasst!), Tugend und Leidenschaft im Tierreich, differenzierte Untersuchungen der Aspekte der Mensch- Tierbeziehung, und ist als Tierschützer UND Wissenschaftler trotzdem herzlich und humorvoll! Dieser Humor, die Herzlichkeit, der Forschergeist und natürlich auch das Fachwissen des Autors haben mir beim Lesen ein solches Vergnügen bereitet, dass ich meine Begeisterung hier gerne teilen möchte. Ich finde, Bekoff und Pierce bringen ein schwieriges Thema immer wieder auf den Punkt- und das gefällt mir!
In sieben Kapiteln nähern sich die Autoren dem Thema, das in der Tat auch philosophisch ist (Ko- Autorin Pierce ist Philosophin). Die Frage, ob Grausamkeit ein menschliches Privileg ist, wird ebenso geklärt, wie die Frage nach den Auswirkungen von Traumata. Besonders drei Verhaltensweisen werden in drei Kapiteln des Herzstücks dieses Buches untersucht: Kooperation, Emphatie und Gerechtigkeit. Es werden natürlich auch Forschungsergebnisse und Beobachtungen wiedergegeben und dabei viele Geschichten erzählt, wie zum Beispiel die der Fledermaus, die einer anderen Fledermaus beim Gebären half ( S. 196). Für mich war es immer wieder schön, dass auf eine fundierte und dennoch warmherzige Art und Weise auf die Gemeinsamkeiten von menschlichen und tierischen Gefühlen wie zum Beispiel der Dankbarkeit (S. 93) eingegangen wird.
Mir hilft dieses schöne Buch beim Staunen und auch dabei, unsere eigene Spezies besser zu verstehen. Und ich hoffe, damit nicht allein zu stehen...:-)