Die Schrift "Lob der Disziplin" des pensionierten Internatsrektors Bernhard Bueb hat im deutschsprachigen Raum eine hitzige pädagogische Debatte entfacht. Man war gespannt auf die "Antworten der Wissenschaft" auf die von Bueb aufgestellten, aus jahrelanger erzieherischer Praxis entstandenen, aber doch eher unwissenschaftlichen Thesen. Und man erwartete daher einen wissenschaftlichen Umgang mit der Materie.
Spätestens nach dem zweiten Beitrag des vorliegenden Aufsatzbandes jedoch, glaubt man seinen Augen nicht zu trauen. Was da im Beitrag von Wolfgang Bergmann an Primitivität auf Buchseiten gedruckt worden ist, hat man noch selten in einem Fachbuch gelesen. An Stelle einer sachlichen und inhaltlichen Auseinandersetzung mit Buebs Thesen, zielt die Kritik durchwegs auf die Person Bernhard Buebs und meist knapp unter die Gürtellinie.
Sowohl das Vorwort des Herausgebers wie auch der Beitrag von Bermann machen die Strategie des Buches klar: Bernhard Bueb und alle, die seinen Thesen zustimmen, sind dumme, lächerliche, reaktionäre, gar nazi-nahe, unwissenschaftliche, also im Grossen und Ganzen nicht ernst zu nehmende Personen. Um diese Aussage unter die Leute zu bringen, hätte es nun wirklich nicht eines Buches mit rund 250 Seiten gebraucht.
Der Rezensierende kämpfte sich dennoch durch alle Buchseiten. Und siehe da: fast etwas verschämt, ganz hinten im Buch versteckt, finden sich endlich die Artikel, die man sich gewünscht hat. Nicht unkritische, aber faire und geistreiche Auseinandersetzungen mit dem "Lob der Disziplin". Manfred Spitzers Hinweise auf neurobiologische Erkenntnisse bei Lernprozessen und Frank-Olaf Radtkes geschichtlicher Rückblick zum Thema "Disziplin und Erziehung" helfen bei der Einordnung von Buebs Schrift und verhelfen zu neuen Sichtweisen des "Lobes der Disziplin". Ebenfalls lesenswert ist der Beitrag von Claus Koch zur Erziehung im Nationalsozialismus und nach 1968.
Nur: für drei lesenswerte Beiträge gleich ein ganzes Buch kaufen? Und damit erst noch dem Verlag und dem Herausgeber ein falsches Zeichen setzen?
Fazit: Ganz sicher die falsche Antwort auf die Thesen von Bernhard Bueb und stellenweise ein Armutszeugnis für die Erziehungswissenschaft.