Ich habe eine Freundin, die zwei Dinge hasst: Wenn man beim Fernsehen über Witze lacht und wenn man beim Lesen über Witziges lacht. Beim Lesen dieses Buches habe ich Prügel bezogen...
In seinen Kolumnen, die er im Buch „Vom Leben gezeichnet – Tagebuch eines Endverbrauchers“ zusammengefasst hat, beleuchtet H. Martenstein alle möglichen und unmöglichen Situationen, in denen man sich befinden kann. Von „Alkohol“ über „Kirchentage“ bis hin zu „Wochenendhäusern“ lässt er nichts aus, natürlich darf auch das Thema „Sex“ nicht fehlen.
Dabei ist nicht etwa politische Korrektheit sein höchstes Gebot, sondern Ehrlichkeit. So macht er zum Beispiel einige sehr plausible Hiltlervergleiche mit Prominenten. Er kämpft gegen sein rebellisches sozialdemokratische Kind und entlarvt Unsinnigkeiten bei den Behörden (z.B. bei der BfA oder Berlins Grünflächenamt).
Das meiste, was Martenstein hier schreibt, ist sehr, sehr witzig, einiges skurril, manches zynisch. An einigen Stellen verliert er aber den roten Faden und man kann ihm nicht bei jedem Gedankengang folgen (entweder gibt es auch für Kolumnisten schlechte Tage zum schreiben oder es liegt an mir).
Das erste Kapitel „übers Kolumnenschreiben“, eine Art Vorwort, ist eine pure Beweihräucherung seines Metiers (darüber kann man ohne schlechtes Gewissen hinwegblättern), danach geht es in seinen zwei- bis dreiseitigen Kolumnen ans Eingemachte. Diese sind aber nicht etwa nach Themen gruppiert, sondern in alphabetischer Reihenfolge sortiert. Man hat also im Grunde keinen Anhaltspunkt, was als nächstes kommt, man kann also auch das Buch von hinten nach vorn lesen oder mittendrin anfangen.
Fazit: Ein gutes Buch, ein witziges Buch. Aufgrund der Länge der „Kapitel“ (sind ja eigenständige Kolumnen) eignet es sich ideal als Klolektüre. Zum lesen im Bus dagegen ist es nicht geeignet, denn wenn jemand wie meine Freundin neben Ihnen sitzt, werden sie Prügel beziehen...