Aus der Amazon.de-Redaktion
Clausewitz berühmtes Postulat vom "Krieg als bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" ist längst zum Gemeinplatz mutiert; viel gelesen, oft zitiert, aber selten verstanden.
Clausewitz hat das Primat der Politik theoretisch begründet; hat Ziel, Mittel und Zweck des Krieges als Instrument der Politik definiert: "Der Krieg ist ein Akt der Gewalt um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen". Es gilt, "den Gegner niederzuwerfen und dadurch zu jedem fernern Widerstand unfähig zu machen".
Eine Politik, die sich dem Mittel des Krieges verweigert, kann folglich nicht erfolgreich sein, da sie erpreßbar ist. Aber der Krieg sollte immer die Ultima ratio der Politik sein. Denn -- so Clausewitz -- er ist eine grausame und blutige Angelegenheit, und ein Erfolg setzt den unbedingten Willen zum Sieg voraus.
"Nun könnten menschenfreundliche Seelen sich leicht denken, es gäbe ein künstliches Niederwerfen des Gegners ohne zu viel Wunden zu verursachen. Wie gut sich das auch ausnimmt, so muß man doch diesen Irrtum zerstören, denn in so gefährlichen Dingen, wie der Krieg eins ist, sind die Irrtümmer, welche aus Gutmütigkeit entstehen, grade die schlimmste". Einen "sauberen Krieg" gibt es nur in den Hirnen der PR-Strategen. --Stephan Fingerle -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Buch der 1000 Bücher
Vom Kriege
DE 183237 Form SachbuchBereich Kriegswissenschaft, Politologie
Vom Kriege gilt neben dem Kompendium des chinesischen Philosophen Sun Tzu (3. Jh. v. Chr.) als das einflussreichste Werk über die Theorie der Strategie. Es führt den Krieg und die Kriegsführung auf ihre einfachsten Elemente zurück. Aus diesem Grund ist das Buch noch heute interessant nicht nur für Soldaten, sondern auch für Politik- und Wirtschaftswissenschaftler oder für Mathematiker, die komplexe Systeme untersuchen.
Entstehung: Die von seiner Witwe Marie von Clausewitz herausgegebenen Hinterlassenen Werke über Krieg und Kriegsführung (10 Bde., 183237) hatte Clausewitz während seiner Zeit als Direktor der Allgemeinen Kriegsschule in Berlin nur für den eigenen Gebrauch niedergeschrieben und erst kurz vor seinem Tod begonnen, einen Teil davon für eine spätere Veröffentlichung vorzubereiten. Die Bände 4 bis 10 umfassen historische Studien von Kriegen und Feldzügen der Neuzeit (etwa ab 1618), auf deren Analyse die philosophischen Betrachtungen über das Wesen des Kriegs in den ersten drei Bänden aufbaut. Diese Bände erschienen 1853 in leicht überarbeiteter Form unter dem Titel Vom Kriege. Auf dieser Ausgabe beruhen die meisten späteren Auflagen und Nachdrucke.
Inhalt: Das Buch analysiert, wie der ursprüngliche Titel besagt, Krieg und Kriegsführung, und zwar als ein allgemeines Phänomen. Zwar erkennt auch Clausewitz an, dass der Krieg ein »Akt der Gewalt [ist], um unseren Gegner zu zwingen, unseren Willen zu tun«, aber sieht ihn immer als einen Teil der Politik.
Clausewitz liefert mit seinem Werk keine einfachen strategischen Regeln zur sofortigen Anwendung, sondern formuliert allgemeine Erkenntnisse, die den Leser zu eigenen Schlüssen und Einsichten führen sollen. Darüber hinaus betont er bei der Darstellung der Strategie immer das psychologische Moment und den unvorhersehbaren Einfluss des Zufalls, die beide zwangsläufig dazu führen, dass Kriegsführung oder Strategie im Allgemeinen keine exakte Wissenschaft sein kann. Schon wegen solcher Einsichten nähert er sich dem Problem weit vielschichtiger an, als dies das bekannteste Zitat aus dem Werk vermuten lässt, nach dem der Krieg bloß die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sei.
Wirkung: Seit seinem ersten Erscheinen wurde das Werk in jede der großen Weltsprachen übersetzt und übt bis heute einen starken Einfluss auf alle aus, die sich mit Strategie beschäftigen. Wegen seiner Komplexität wurde und wird es jedoch häufig nur in Teilen rezipiert, was nicht selten zu Fehlurteilen führte. P. B. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .