Das Buch "Vom Kriege", ein hinterlassenes und 1832 nach seinem Tode veröffentlichtes Werk des preußischen Generals von Clausewitz, ist eines der bedeutendsten und für das preußische und später das deutsche Heer grundlegendsten strategischen Bücher der Geschichte.
Es geht in diesem Buch, das sich in drei Teile unterteilt, zunächst einmal um eine philosophische Betrachtung über das Wesen des Krieges, die auch heute noch gültig ist. Anschließend widmet der Autor sich zunächst der grundlegenden Frage, wie eine "Theorie des Krieges" auszusehen habe, ob man feste und allgemeingültige Regeln und Grundsätze für die Kriegführung überhaupt aufstellen könne, und wenn ja, in welchem Umfange und auf welche Weise sie zu verifizieren seien.
Clausewitz beginnt nun, seine Theorie des Krieges zu entwickeln. Von allgemeinen Überlegungen zur Strategie geht er über in Abhandlungen immer spezieller werdender Situationen, und am Ende seines Buches schließlich faßt er diese seine umfangreichen Überlegungen zusammen im "Kriegsplan".
Der Autor, GenLt Carl von Clausewitz, arbeitete lange Zeit kontinuirlich am vorliegenden Werk. Die napoleonischen Kriege hatten in der Strategie und Taktik einiges umgewälzt, und bereits vorhandene Bücher über Kriegstheorien konnten den erfahrenen Generalstabsoffizier nicht befriedigen. Begann er zunächst mit kurzen Aufzeichnungen seiner Ansichten, die mehr für ihn selbst als für andere gedacht waren, so überarbeitete er später ständig sein Werk und machte es zu einem allgemeinverständlichen und umfangreichen Lehrbuch. Er starb noch bevor er die letzte angestrebte Überarbeitung ganz vollenden konnte, weshalb das letzte Buch manchmal eher Skizzencharakter besitzt. Dies tut ihm jedoch keinen Abbruch, da Clausewitzens Gedanken hier auch ohne ganz so ausschweifende Erklärungen verständlich sind.
Vieles hat in diesem Buch auch heute noch Gültigkeit; ein Blick in die Taktikvorschriften und -lehrhilfen der Bundeswehr, in denen Clausewitz zum Teil sogar zitiert wird, macht dies deutlich. Doch lesenswert ist dieses Buch allein schon wegen seiner großen historischen Bedeutung: Dieses Werk schuf letztenendes die Grundlagen für die Generalstabsausbildung des Großen Generalstabes, des kaiserlichen Heeres, ja auch noch der Wehrmacht und wirkt bis in die heutige Zeit hinein. GenO Guderian, der Schöpfer der deutschen Panzerwaffe, schreibt in seinen "Erinnerungen eines Soldaten" dazu folgendes: "In dieser Zeit [nach den napoleonischen Befreiungskriegen] entstand eines der bedeutendsten Werke der Militärliteratur, das Buch "Vom Kriege" des Direktors der Preußischen Kriegsakademie Carl von Clausewitz. Dieses Buch, von wenigen gelesen, von vielen kritisiert, enthält den ersten Versuch einer Philosophie vom Kriege, einer Analyse seiner Eigentümlichkeiten von einem neutralen, erhabenen Standpunkte aus. Es hatte großen Anteil an der Bildung des Geistes von Generationen deutscher Generalstabsoffiziere. Aus ihm erwuchs jenes Streben nach sachlich nüchterner Betrachtung der Menschen und Dinge, durch die sich die hervorragendsten deutschen Generalstabsoffiziere ausgezeichnet haben." Erst kürzlich reihte Prof. Lothar Rühl, ehemals Staatssekretär im BMVg, das Buch in einem Artikel in der Loyal (Zeitschrift des Verbandes der Reservisten der deutschen Bundeswehr) als eines von neunzehn Büchern in seinen "Titelkanon strategischer Literatur" ein.
Wer die deutschen Befreiungskriege, wer die Feldzüge GFM Helmuth Graf von Moltkes und das Wirken des Deutschen Generalstabes bis in den Zweiten Weltkrieg hinein verstehen will, der sollte dieses Buch gelesen haben.