3.0 von 5 Sternen
societas diaboli contra civitas Dei, 5. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Vom Gottesstaat, 2 Bde. (Taschenbuch)
Augustinus hat die Ideen seiner Wert- und Glücksphilosophie dem konkreten Leben praktisch nutzbar gemacht in seiner Sozial- und Geschichtsphilosophie, die er in seinem Gottesstaat vorträgt. Er weiß um die Naturhaftigkeit des Staates, kennt die Psychologie der Massen und trägt schon in seiner Definition des Volkes aber auch den »gewillkürten« Faktoren in aller sozialen Entwicklung Rechnung. »Volk ist die Masse vernünftiger Wesen, die zusammengehalten wird durch die einträchtige Einheit im Wollen seiner Ziele« (De civ. Dei XIX, 24). Aber auch hier ist er wieder gegen den subjektiven Willkür- oder Machtwillen und baut seine Sozial- und Geschichtsphilosophie auf dem Ordnungsgedanken. Der Machtstaat, der der Gerechtigkeit den Abschied gegeben hat, ist von einer Räuberbande nicht mehr verschieden (a. a. O. IV, 4). Menschen und Staaten sind für Augustin Wille, aber sie müssen genormter Wille werden.
Diesen Gesichtspunkt dehnt Augustus auf das Gesamt der Weltgeschichte überhaupt aus. Ihre Sozialgebilde können sein: Gottesstaat oder Erdenstaat.
Diese Gegenüberstellung fällt nicht zusammen mit Kirche und weltlichen Staaten, sondern meint die Gemeinschaften nach dem Willen Gottes oder gegen ihn, Gemeinschaften der Ordnung oder des Chaos, der Idealität oder der Begierlichkeit. Die Kirche kann auf dieser oder jener Seite stehen, je nachdem; ebenso der weltliche Staat. Der Erdenstaat (civitas terrena) mag also vielleicht auf irgendeiner menschlichen Ordnung aufgebaut sein, er mag eine großartige Organisation darstellen, mag vieles leisten, wenn aber sein ganzes Wesen bei den Gütern dieser Erde stehenbleibt und sie selbst schon genießt, statt sie nur zu gebrauchen zu einem höheren Ziel jenseits nur menschlicher Begehrlichkeiten, zu einem Ziel, das in Gott liegt, dann ist er auch nur von dieser Erde, ist im Grunde Unordnung und seine Werte sind in Wirklichkeit nur Blendwerk. Der Gottesstaat dagegen besteht aus Menschen, die sich der ewigen Ordnung Gottes fügen. Sie liefern sich nicht den äußeren Dingen aus, um sie oder sich selbst zu genießen, sondern leben in und aus Gott eine ideale Ordnung, durch die die Welt und der Mensch zum Frieden findet und zur Sabbatruhe Gottes.
Es ist der Sinn der Weltgeschichte, dass diese beiden Staaten miteinander in Widerstreit liegen. In geistreichen Ausführungen zeigt Augustinus an den ihm bekannten Beispielen der Weltgeschichte des alten Bundes und des griechischen und römischen Reiches, wie die Macht des Guten ständig kämpfen muss mit den Mächten des Bösen. Er betätigt dabei eine hellsichtige Kritik, die sich nicht blenden lässt von dem äußeren Schein vieler Werke der alten Kultur, sondern sie häufig als glänzende Laster zu enthüllen weiß. Wie immer aber auch die Stadien der Auseinandersetzung zwischen Licht und Dunkel in der Weltgeschichte sich im einzelnen gestalten mögen, die societas terrena oder diaboli wird untergehen und siegen wird die civitas Dei. »Denn unsterblich ist das Gute und der Sieg muss Gottes bleiben.«
Es ist bekannt, dass Augustins Ideen stark die Römische Kirche beeinflussten. Sie haben die Stellung der Kirche zur weltlichen Macht bestimmt und sie zu einer Position verholfen, die entgegengesetzt zur Lehre des Begründer des Christentums ist. Und vermutlich auch entgegengesetzt zu dem was Augustin beabsichtigt hätte.
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8 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein Rhetoriker, der alles verkaufen kann..., 31. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Vom Gottesstaat, 2 Bde. (Taschenbuch)
Immer wieder stellt man mir die Frage, ob ich an Gott glaube. Die Frage ist höchst komplex, und ich kann nicht immer einfach mit "ja" oder "nein" antworten. Die 1300 Seiten Gottesstaat von Augustinus machen mich eher daran zweifeln. Über weite Passagen sind sie von einer Überzeugungskraft, die beängstigend wirkt. Er hätte wohl jeder seiner Ansichten verkaufen können...
Unser europäisches Mittelalter ist in hohem Maße von den Ansätzen Augustinus' geprägt, und ich habe den Eindruck, es ist in hohem Maße Zufall, dass er sich gerade dem Christentum zugewandt hat.
Der Gottesstaat unternimmt einen Versuch, das Christentum gegen andere Strömungen, zunächst hauptsächlich gegen den heidnischen Vielgötterglauben zu verteidigen bzw zu emanzipieren. Der Vielgötterglaube wird dabei auf eine Art und Weise lächerlich gemacht, dass man sich nur fragen kann, wie überhaupt je irgendjemand an so einen Unsinn glauben konnte.
Wer Vernichtungsreden schreiben will, kann sich daran ein Beispiel nehmen...
Augustinus war von einer Wirkung, dass Gesamtausgaben (um 1900 gedruckt) über 20.000 Seiten haben; jedes seiner Worte schien wichtig und erhaltenswert
Heute können wir ihn mit größerem Abstand sehen, wir haben auch Alternativansätze zu seinen Vorstellungen.
Stephen King liest sich deutlich spannender, aber wer eine gewisse Zähigkeit aufweist und sich für unseren geistig-kulturelle Heimathafen interessiert, sollte das Buch wohl lesen.
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