Bei hoher Einschaltquote sah ich gespannt und aufmerksam den Zweiteiler einer wahren Begebenheit aus dem zweiten Weltkrieg. Ein Tatsachenereignis zusammengetragen als Zeitzeuge, Familienmitglied und als Buchautor von Uwe-Karsten Heye. Über den Film hinaus, wollte ich durch das Buch die unterschiedlichen Gefühlsebenen der einzelnen Familienmitglieder und der drei Familiengenerationen empathisch nachempfinden. Vor allem, was heute für die Hinterbliebenen ihre Erfahrungen bedeuten.
Durch die begrenzte Sendezeit des Films konnte der Zuschauer die beeindruckende Fluchtbeschreibung, den Krieg der letztendlich das Familienglück beendet, nachvollziehbar nur komprimiert erreichen. Beides, Film (mit Starbesetzung) und Buch sind wirklich beeindruckend, wobei die Grundlage zweifelsfrei das Buch ist.
Die anfängliche Vorkriegs-Familienidylle führt nicht zu einem ersehnten Happyend. Nein, was bleibt sind viele offene Fragen die heute wohl nicht mehr vollständig beantwortet werden können. Gerade hier ergeben sich bewegende Ansätze, was mag die Familie wohl auszuhalten gehabt haben, vielleicht auch heute noch. Zu viele Menschen und Existenzen hat das Kriegsgeschehen weltweit beraubt, so analog zum Buch. Um manche Verhaltensweisen bzw. innerseelische Beweggründe von Familienmitgliedern besser deuten zu können - also nicht durch Erfahrung begründbare Aspekte - blieb dem Autor und seiner Schwester zum Teil nur die Möglichkeit der bewussten und unbewussten freien Assoziation. Aus einfachem Grund, denn die bereits verstorbenen Familienmitglieder und Freunde der Familie Heye können uns heute den offenen Fragen nicht mehr beiwohnen. Herr Heye schildert beeindruckend, über die Liebesbeziehung zwischen Mutter und Vater, die damaligen Kriegsverhältnisse und darüber hinaus bringt der Autor interessanterweise nach dem Krieg den nicht ganz einfachen Demokratiewandel mit ein. Begleitet wird dieses Buch von einigen sehr warmherzigen und zugleich romantischen Eingebungen die sich zwischen den liebenden Eltern zugetragen haben. Einige wenige erhaltene Bilder sprechen für sich. Wünschen wir uns nicht manchmal ähnliches? Nur an einer kleinen Stelle im Buch musste ich schmunzeln. Vielleicht ergeht es Ihnen als Leser auch so. Dieses kleine erfreuen tut gut, denn die familiäre Gegebenheit ist nunmal traurig.
Das Buch verdeutlicht wie wichtig Mitteilung und Interkommunikation zwischenmenschlicher Beziehung ist und das ein nonverbales Verhalten auch etwas zum Ausdruck bringt, sozusagen ein nicht Nichtkommunizieren sei nicht möglich. Deshalb auch die Möglichkeit der freien Assoziation.
Die Tragik dieser Familiengeschichte verdeutlicht das Ausmaß des Krieges und seine Folgen. Das Buch und der Film mahnen zugleich und rufen uns wieder in Erinnerung, nie wieder darf sich so etwas wiederholen. Auch die Demokratie scheint nicht das Optimum des menschlichen Friedens zu werden, doch ist es derzeit die noch beste Alternative um Frieden in der Welt weitgehend zu wahren. Heute findet sich der Mensch vornehmlich als Kostenfaktor, weniger als ein bereicherndes Individuum mit zahlreichen Fassetten seiner persönlichen Eigenschaften die uns die Natur mitgegeben hat. Ein neuer Kampf um Arbeitsplätze, dem gegenüber nicht selten Repressalien von Arbeitgebern, hat längst begonnen. Letzteres brachte das Buch durch die politischen Bedingungen bis heute näher. Wofür das alles? "Gesicht zeigen" heißt es im Buch, das gilt auch in der Gegenwart, dort wo Unrecht geschieht, bedarf es jenen Mund der das Ausspricht was es zu beklagen gilt. In den Arbeitsstätten treffen Sie auf beängstigte Menschen die um ihre Existenz bangen und sich nicht selten erniedrigen lassen. Das wurde auch im Buch deutlich und mit einer fatalen Konsequenz... die Scheidung der Eltern. Die Scheidung wurde im weiteren Leben zu einem merklichen Problem.
Dieses Buch hat mir erneut bewusst gemacht, wo jeder von uns seinen Platz finden kann und das es sich lohnt für mehr Lebensqualität und für mehr Gerechtigkeit sich engagiert für unsere Mitmenschen einzusetzen. Nicht wegsehen, "Gesicht zeigen" und eine gesellschaftliche Verantwortung erkennen.
Ich würde dieses Buch wieder lesen und deshalb wieder kaufen. Einen besonderen Platz zur Aufbewahrung bekommt es auch. Die Wahrheitsgeschichte von Familie Heye ist für mich damit aber nicht abgelegt. Immer wieder werde ich gerne darüber nachdenken, auch über so manch offene Fragen, eigene und Fragen die sich die Hinterbliebenen der Familie Heye wohl stellen mögen.
Ich danke Herrn Heye und seiner Schwester, dass sie uns diese wahre Lebensgeschichte zugänglich gemacht haben und bedauere zu tiefst, was die Familie Heye erfahren musste. Ein trauriges Ende einer wahren Gegebenheit mit berechtigter Hoffnung, dass uns allen besseres Widerfahren würde. Haben Sie und Ihre Schwester mit Ihren Familien noch ein langes, friedvolles und glückliches Leben vor sich! Es dankt T.G.K. grafonola(ät)web.de