Immer wieder stellt Norbert Hering die Grundprinzipien der menschlichen und technischen Informationsverarbeitung gegenüber. So entscheidet der Mensch unter anderem aufgrund zur Verfügung stehender Heuristiken, während die Maschine streng logisch ihre Algorithmen abarbeitet. Menschliches Wissen, zu dem Assoziationen ebenso gehören wie Emotionen, in Algorithmen zu überführen, ist nur durch gewaltige Vereinfachung möglich. Eine Aufgabe, an der vielerorts gearbeitet wird, ist darum der Versuch, Computer zu verbessern und menschlicher zu machen. Zu diesen menschlichen Eigenschaften gehören dann auch eine gewisse Unschärfe in der Entscheidungsfindung und eine intuitive Auswahl des nötigen Wissens aufgrund heuristischer Regeln. Auch die Fähigkeiten, Neues zu erlernen oder sich an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen, gehören dazu. Zudem wird an Maschinen gearbeitet, die sich selbst fortpflanzen können, solange genug Bauelemente zur Verfügung stehen. Auch über die Nanotechnologie spricht Hering in seinem Buch.
Auffallend an Herings Ausführung ist das immer spürbare Damoklesschwert, das über uns technikverliebten und allzu unkritischen Menschen schwebt. Denn neben dem Wunsch zu informieren, möchte Hering auch zu einer kritischen Auseinanderzusetzung mit dem technischen Fortschritt animieren. Das ist an sich lobenswert, in der tatsächlichen Ausführung aber hin und wieder sehr düster zu lesen, wenn vielleicht auch nicht weniger wahr. Trotzdem hat man das Gefühl, dass neben den vielen Risiken und Gefahren die positiven Aspekte der Technik beziehungsweise die positiven Ausblicke in die Zukunft manchmal zu kurz kommen. Allerdings scheint das eben auch Programm zu sein. Ansonsten ist der ganzheitliche Anspruch durchaus zu erkennen, wenn vom Philosophen René Descartes über den Neurowissenschaftler Wolf Singer bis zum Robotik-Professor Hans Moravec allerlei Leute zitiert werden.
Wenn zitiert wird, werden zwar die entsprechenden Literaturverweise angegeben, aber die vielen anderen Informationen, die er zusammenträgt und zum Teil als gesicherte und konsensbehaftete Erkenntnisse darstellt, werden keinen Quellen zugeordnet. Dabei wird einiges durchaus in den Fachgebieten kontrovers diskutiert und entsprechende Literaturverweise wären auch hier angebracht gewesen. Die ganzheitliche Herangehensweise ermöglicht es zwar einen weiten Kreis um das Thema des menschlichen und maschinellen Denkens zu ziehen, nicht jedoch wirklich tief darin einzudringen. Das ist dann auch der größte Kritikpunkt an Herings Buch. Manches ist allzu klar und offensichtlich. Hier werden die Informationen zwar nochmal geordnet, aber an sich bergen sie zum Teil keinen allzu großen Erkenntnisgewinn.
Wer in das Thema einsteigt und einen sortierten und interdisziplinären Überblick über das Denken in seiner menschlichen und maschinellen Form sowie der Interaktion beider Formen sucht, wird hier auf durchaus angenehme Art und Weise eingeführt. Auch Fachleute können aus diesem Buch, besonders auch wegen der interdisziplinären Herangehensweise, Neues ziehen. Allerdings zeigt die angegebene Literatur, die sich vor allem aus populärwissenschaftlichen Artikeln zusammensetzt, den auch eher populärwissenschaftlichen Anspruch des Buches.