Kurzbeschreibung
Lewis Mumford war einer der bedeutendsten Sozial- und Kulturkritiker des 20sten Jahrhunderts. Sein Hauptinteresse galt der Stadt als der wesentlichen Form des menschlichen Zusammenlebens dieser Epoche. In Deutschland wurde er mit seinem Erstlingswerk, das in Amerika unter dem Titel >Sticks and Stones< im Jahre 1924 veröffentlicht wurde, bekannt. Die deutsche Ausgabe seines Buches erschien noch im selben Jahr bei Bruno Cassirer in Berlin und dürfte die noch junge Diskussion über die künftige Gestalt der Stadt ganz wesentlich beeinflußt haben. Das Interesse der Leser galt vor allem der Kritik des amerikanischen Hochhausbaus, einem Bautypus, der seit den Jahren vor dem ersten Weltkrieg in den amerikanischen Städten eine weite Verbreitung erfuhr. Obwohl das Buch keine Spezialpublikation zu diesem Thema ist, sondern eine >Studie der amerikanischen Architektur und Zivilisation< vorstellt, so charakterisiert es den Hochhausbau dennoch grundlegend unter den für Mumford typischen Aspekten einer gesellschaftlichen Analyse Diese Form der Kritik erhält dem Buch seine Bedeutung, zumal nach den nicht realisierten Entwürfen der 20er und 30er Jahre in der Folge der Amerikanisierung der europäischen Städte nach dem Zweiten Weltkrieg die Diskussion dieses Bautypus heute neue Aktualität erlangt hat. Obwohl die Hauptwerke Lewis Mumfords, eines über die Stadt und eines über die Maschine, in den 60er Jahren in deutschen Übersetzungen erschienen sind, kommt seinem Erstlingswerk eine besondere Bedeutung bei: In den Aufbruchjahren der Moderne entstanden, verstand es sich als humanes Korrektiv einer auf Spekulation gegründeten blinden Fortschrittsgläubigkeit, eine Haltung, die heute aktueller als zum Zeitpunkt ihrer Entstehung ist.