Habe das Buch in Rekordgeschwindigkeit gelesen, es zieht einen wirklich in seinen Bann. Genau wie die Protagonistin Lále die Menschen in ihren Bann zieht, mit denen sie sich in kurze, realitätsferne Beziehungen verwickelt, um ihr quälendes Bedürfnis nach Intensität und Nähe zu stillen, was ihr jedoch immer nur kurzfristig gelingt, um dann mit regelmäßiger Gesetzmäßigkeit in schiere Katastrophen zu führen, die wiederum neue Katastrophen nach sich ziehen. Glück verhindert eben neues Glück, wie die Protagonistin an einer Stelle sagt. Ihr fragwürdiger Versuch, nach dem Ende einer Affäre mit einem verheirateten Mann selbst ein "normales" Leben mit Mann, Kind und Einfamilienhaus zu führen, scheitert, da die laue Nestwärme des Familienalltags bald bedrohlich abkühlt und in offene Feindseligkeit seitens der Familie ihres Mannes umkippt. Als Ungarin in Ostdeutschland wird sie nicht warm mit dieser brandenburgischen Familie, in die sie eingeheiratet hat und der sie wie ein unbegreiflicher Fremdkörper erscheint. Was Lále auch unternimmt, Glück bleibt aus, entzieht sich, stirbt vor ihren Augen, wird ihr einfach verwehrt. Kein Zugang für sie. Faszinierend ist die Spannung zwischen der ersehnten Nähe und dem immer drohenden Unheil, der gesetzmäßigen Kälte, die sich letztlich über alles stülpt. Lange habe ich das vielzitierte Wechselbad der Gefühle nicht so eindringlich beschrieben gefunden wie hier, tatsächlich physisch spürbar! Lále ist eine interessante Figur - irgendwie nicht gerade zimperlich mit sich selbst und anderen und dennoch tief verletzbar, haltlos, suchend. Dazu eine absolut treffsichere, durchdringende und dennoch genussvoll leichte Sprache - unbedingt lesen!