Benjamin Bühler und Stefan Rieger beschäftigen sich in diesem Buch mit der Rolle des Tiers in der (meistens) angewandten Wissenschaft. Es geht um eine Geschichte des Wissens, das durch die Figur des Tiers erzeugt wird. An vielen Beispielen belegen sie wie Tiere für die Konstruktion der menschlichen Identität benutzt wurden und werden. Meistens beziehen sie ihre Beispiele aus der Naturwissenschaft, man lernt viel über die Fortpflanzung von Molchen, über Experimente an Seeigel DNA und natürlich auch viel über Galvanis Frösche.
In diesem Buch sind die berühmtesten Experimente an Tieren dargestellt (Pawlow. Lorenz, Singer, etc.) und gedeutet im Bezug auf den Menschen. Von den Versuchen an Laborratten hin zu den Versuchen am kleinen Albert "Albert wird buchstäblich zur Laborratte". Die Erkenntnisse die die Autoren gewinnen sind oftmals überaschend, manchmal auch wirklich komisch. Am Beispiel des deutschen Schäferhundes z.B. wird gezeigt wie der "Arier" konstruiert werden sollte. Vieles war einleuchtend und gut erarbeitet , der Sinn mancher Kapitel blieb mir allerdings verschlossen, bzw. interessierte mich nur peripher. Denn in diesem Buch wird eine riesige Bandbreite der Wissenschaften geboten von Mathematik und Kybernetik bis hin zur Systemtheorie und Behaviorismus. Dadurch gewinnt das Buch aber auch an Resonanz, für jeden ist etwas dabei, für Natur- sowie Kulturwissenschaftler.
Auch der Aufbau des Buches hat mir sehr gefallen. Es ist eingeteilt in 23 Kapitel die sich jeweils mit einem Leittier beschäftigen. Diese beruhen inhaltlich zum Teil aufeinander sind aber auch getrennt lesbar, komplexe Thematiken werden klein portioniert besser verstehbar.
Alles in allem kann man sagen, dieses Buch ist eine Klasse für sich. Ein Bestiarium des Wissens verteilt über alle Wissenschaftsgebiete. Durch die große Bandbreite bietet es für jeden Leser etwas, enthält aber auch notwendigerweise manch schwierigen Stellen. Durch die Länge der Kapitel kommt allerdings nie das Gefühl auf sich "durchquälen" zu müssen. Zusätzlich beinhaltet das Buch viele Bebilderungen, die meist illustrierend wirken, oftmals aber auch einfach nur verwirren, weil ohne weitere Erklärungen (Z.B. Die Skizze eines elektrischen Schaltkreises).
Benjamin Bühler und Stefan Rieger haben mit diesem Bestiarium des Wissens ein einzigartiges Buch vorgelegt und man bekommt sofort Lust darauf, auch den zweiten Teil ihrer Tetralogie, das "Florilegium des Wissens" zu lesen.