Spanische Frauen wie die rassige Raimunda (Penelope Cruz) müssen schon eine ganz besondere Spezies sein: mit drei verschiedenen Jobs am Rande der Vollauslastung, der Mann arbeitslos, die Tochter gerade in der Pubertät und Schwester Sole (Blanca Portillo) betreibt illegal einen Friseursalon im eigenen Bad zwischen Toilette und Badewanne. Zu allem Überfluss fällt schließlich der gestressten Senora auch noch eine Leiche in die Hände, die ordnungsgemäß aus Platzmangel in einem Kühlschrank deponiert werden muss. Und auch Mutter Irene (Carmen Maura), zu der die temperamentvolle Dame kein gutes Verhältnis hatte, verabschiedet sich ins Jenseits. Das heißt nicht so ganz, denn es gibt noch ein ungelöstes Familiengeheimnis, das für einigen Trubel sorgt. So kehrt die rüstige Dame als Geist in Form einer russischen Aushilfe für das Friseurgewerbe noch einmal zu ihren beiden Töchtern zurück, um sich mit ihnen zu versöhnen. Ein unbändiger Lebenswille und heißblütiges spanisches Temperament, das sich selbst dem Tod nicht fügt: So sind sie eben, die Frauen aus La Mancha.
Wohlgeformte und üppige Weiblichkeit, leckeres Essen, spanische Folklore und eine sehr komplexe Geschichte voller magischer Einfälle über drei Frauengenerationen, die finstere Schatten ihrer Vergangenheit aufarbeiten: Pedro Almodovar führt den Zuschauer in dieser pechschwarzen und bitterbösen Tragikomödie in seine Heimat, in die von dunklem Aberglauben und mystischen Geistergeschichten geprägte La Mancha südlich von Madrid, zu seinen Wurzeln zurück. Mit Respekt und Witz schildert er in melancholisch-irrationaler Atmosphäre die Traditionen, Sitten und Gebräuche der Menschen dieser Region. Es ist ein Film über Liebe und Tod sowie die etwas "andere" Familie, die auf sich allein gestellt nur aus femininer Grazie besteht. Eine schrille und extrovertierte Hommage an die Schönheit der Frauen, mit all ihren Temperament, Verständnis, Geheimnissen und Abgründen, die sie in sich bergen und die Solidarität, die sie füreinander empfinden. Almodovar zeichnet jede einzelne Frauenfigur individuell verschieden, aber jede von ihnen erscheint trotz der verborgenen moralischen Abgründe sympathisch und voller pulsierender, unbesiegbarer Lebensfreude. Während er einst noch "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruches" bebilderte, haben diese illustren Damen des 21. Jahrhunderts alles im Griff. Egal was das Schicksal auch bereithält. Der Lidstrich und die wilde Turmfrisur sitzen immer, wenn sie aktiv werden. Sie entwickeln stets eine unbändige emanzipatorische Kraft, ob dass nun im Job beim Putzen, beim frenetischen Wuseln auf dem Dorffriedhof, beim Kleintransporter fahren, beim Servieren im Restaurant oder beim Leichenrecycling inklusive Kühlschrank mit Spitzhacke und Spaten nächtens im Wald ist. Männer als Protagonisten werden in dieser Welt Almodovars zu kleinen Abstechern degradiert bzw. werden vor vollendete Tatsachen gestellt, laufen im wahrsten Sinne des Wortes ins offene Messer, erfahren nebenbei am Telefon, dass ihr Restaurant gekapert wurde und reichen allenfalls noch für einen kleinen Flirt an der Durchreiche aus. In Volver sieht man die Frauen vor dem maskulinen Machismo nur so flüchten. Auffallend ist dabei wie Almodovar seine sinnliche Muse Cruz, die genau wie die vorzüglich spielende Carmen Maura erstmals nach Jahren der Abstinenz zu ihm vor die Kamera zurückkehrte, mit applausträchtigen Einstellungen ihres sensationellen Dekolletees (das dann auch schon mal aus der Vogelperspektive beim Abwasch abgefilmt wird), ihrer sanften Augen und den femininen Rundungen in figurbetonter Mode überzeichnend in Szene setzt. Weiblichkeit als Pracht in allen Farben, die in unmissverständlichen Dialogen mit klaren Worten ohne Euphemismen auskommt. Aber auch nuancierte Interieurs kommen nicht zu kurz. Es ist ein leicht-lockerer Film mit einer geschlossenen Ensembleleistung zwischen schmunzelnder Ironie und flamboyantem Melodram, mit subtil gesetzten Pointen, grotesken Übertreibungen und einigen Klischees, der ziemlich direkt und schonungslos ist und dennoch einige tiefergehende moralisierende Momente entfaltet. Gegensätzliche Extreme scheinen sich einander zu bedingen. Unter dem metaphysischen Übersinnlichen schimmert die Sehnsucht nach Bindung ans Irdische durch. Mit der Erkenntnis, dass eine Frau ohne eine intakte Beziehung zu ihre Mutter unvollkommen ist. Passend untermalt wird das Ganze von einem verspielten stimmigen Soundtrack von Alberto Iglesias.