In meinen Augen ist Krishnamurti deshalb ein genialer Denker, weil er kein System anbietet, an dem sich der Suchende festhalten kann. Im Gegenteil: K zerstört die vielen Illusionen, an denen sich der Mensch festhält. Mit einer stilistischen Klarheit, die ihresgleichen sucht, legt er die Widersprüche frei, die dem menschlichen Denken immanent sind. Beim ersten Lesen könnte man verzweifeln: Vergebens sucht man nach einem Anhaltspunkt oder einem Wegweiser. K ist kein angenehmer Denker, schließlich zwingt er den aufmerksamen Leser, alle Denk- und Glaubenskonstrukte aufzugeben. Doch anders ist Freiheit nicht möglich, und letztendlich geht es nicht darum, Hoffnungen zu zerstören, sondern dem Menschen zu seinen eigentlichen Möglichkeiten zu verhelfen.
Nun zu dieser Ausgabe: Ich glaube, dass sie für Einsteiger nicht ganz geeignet ist. Ich konnte mit den gesammelten Aufsätzen am Anfang nicht viel anfangen. Es gibt andere Bücher, zum Beispiel "Freedom from the known" (Einbruch in die Freiheit, glaube ich, auf deutsch), die den Kern seiner Lehre klarer vermitteln. Deshalb nur vier Sterne. Doch der Band bietet eine breite Auswahl an Aufsätzen und Reden an. Fazit: Empfehlenswert, aber nicht als erster Überblick geeignet.