Ein Leben voller gescheiterter Beziehungen und Leistungsdruck, frei von Sinn und Werten, davor flieht eine junge Frau aus der Kleinstadt. Was sie findet, sind im Grunde die gleichen hohlen Fassaden und leeren Floskeln, denen sie entkommen wollte. Verzweifelt sucht sie das Wahre, das Echte, das gelingende Leben.
Mit Hilfe dieses Buches wollte ich das Lebensgefühl einer Generation verstehen, die gerade reihenweise in psychiatrischer Behandlung landet, weil sie ihren Platz im Leben nicht findet, zwar jede Menge Spaß und facebook-Freunde haben kann, sich aber nicht erwünscht, nicht unabhängig von ihrer Leistung gesehen und angenommen, sich ohne sinnvolle Aufgabe fühlt.
Ich muß gestehen, in einer Buchhandlung hätte ich das Buch schon nach der Einleitung weggelegt, zu obszön, zu widerlich. Warum sollt man sich so eine Lektüre antun?
Dann beginnt Kapitel 1 mit der Beschreibung der Ehe ihrer Eltern, und ich war sofort gefesselt. Das ist es! Mein Sohn, der zu eben dieser Generation gehört, bestätigte, dass es genau deren Erleben wiedergibt.Die Sprache ist ungewöhnlich, die Autorin spielt damit, zerpflückt sie, setzt sie zu neuen, ausdrucksvollen Gebilden zusammen. Sprache ist aber nicht Selbstzweck, sondern präzisiert ihre Gedanken und Analysen. Anfangs zweifelte ich noch, ob ich diesen Stil wirklich über die Länge des Buches durchhalten würde, ob er nicht doch irgendwann eintönig und anstrengend würde, aber je mehr ich mich einlas, desto amüsanter und treffender fand ich ihn. Während ich am Anfang noch eine Aneinanderreihung diverser Lamentos befürchtete, schaffte es das Buch tatsächlich, sich zu steigern und einen gewissen Spannungsbogen reinzubringen.
Allerdings gibt es zwei Gründe, warum ich einen Stern abgezogen habe: zum einen stößt der Leser immer wieder auf widerlich gewalttätige Phantasien. Ein kleiner Amoklauf im weißen, hellerleuchteten Flur eines Bürohauses mag noch ganz lustig sein, in allen Einzelheiten ausgemalte Szenen mit abgeschnittenen Geschlechtsteilen und geplatzten Augäpfeln überschreiten meinen Bespaßungsbedarf bei weitem. Zum anderen finde ich das Buch schön für jemanden, der schlicht angenervt ist von dem, wie sich im Moment die Arbeitswelt, menschliche Beziehungen, die Gesellschaft im allgemeinen entwickeln. Man hat das Gefühl, Dinge werden endlich mal teils drastisch ausgesprochen, man fühlt sich nicht alleine und verrückt in seiner Wahrnehmung, erkennt Muster und ihre Ursachen. Jemand, der allerdings schon jenseits von angenervt wirklich psychisch instabil, deprimiert, negativ ist, sollte besser die Finger von diesem Buch lassen. Die Autorin liefert kein Gegenmodell zu ihrer wenig lebenswerten Welt, wer dieses nicht in sich selbst trägt, läuft Gefahr, wirklich in tiefste Abgründe hinuntergezogen zu werden und bei dem Lebensgefühl des Titels zu enden.