Michael Moore ist es gelungen mit seinem neuen Werk einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere zu setzen. Der Titel ist leider unglaublich schlecht ins Deutsche übersetzt und erweckt den Eindruck dass es sich nur um einen Aufguss von Stupid White Men handelt - vollkommen falsch. Das in seinem unverwechselbaren, beinahe britisch anmutenden, Stil geschriebene Werk ist ein Schlachtruf für Liberalismus und Gerechtigkeit und gegen politische Unmoral.
Detailliert zitiert er beispielsweise öffentlich zugängliche Quellen die über Verbindungen der Bushs zum Bin Laden Clan berichten, oder faßt die Statements der Regierungsmannschaft über irakische Massenvernichtungswaffen im Zeitraffer zusammen. Sämtliche Aussagen sind mit genauer Quellenangabe zitiert und im Anhang erläutert. Fassungslos ob der unglaublichen Dreistigkeit dieser offensichtlichen Lügen starrt der Leser auf die Zeilen des Buches, selbst wenn er bereits vorher nicht gerade das beste Bild der derzeitigen amerikanischen Administration hatte.
Den größten Teil des Buches widmet Moore allerdings der Frage warum die liberale Mehrheit des Landes regelmäßig konservativ wählt obwohl sie in vielen Punkten eine andere Gesinnung haben. Nein, ich stehe nicht unter Drogeneinfluß und jawohl, sie haben richtig gelesen! Michael Moore beweist dem Leser, daß die Amerikaner mehrheitlich liberal sind, obwohl sie den Begriff selbst verabscheuen. Warum in aller Welt also sind dann die Republikaner an der Regierung?
4) Weil die Demokraten jede konservative Partei in Europa rechts überholen würden. Liberal gesinnte Politiker stehen in den USA laut Moore nicht zu seiner Gesinnung, daher gelten sie als Feiglinge und die Bürger wählen das kleinere Übel, also konservativ. In seiner gewohnt flapsigen Art schreibt der Autor daß er kotzen könnte wenn er daran denkt daß Nixon der letzte liberale Politiker der USA war. Warum er das so sieht ist im Buch zu erfahren.
5) Konservative Kreise in den USA verbreiten Angst und Schrecken unter der Bevölkerung um sie davon abzuhalten ihren eigenen Interessen gemäß zu handeln. Im Schatten von 9/11 und ständiger Berichterstattung über Verbrechen in den Medien (bei rückläufigen Verbrechenszahlen) wurden zum Beispiel die Bürgerrechte massiv eingeschränkt und Steuererleichterungen für die Superreichen durchgesetzt.
6) Weil sie hoffen auch einmal in den Club der Reichen zu gehören. Im Kapitel „Horatio Alger must die" versucht Moore die Legende vom amerikanischen Traum zu zerstören und die Leser zum Kampf für ihre Rechte HEUTE zu ermutigen.
Am Ende gibt Moore noch Tips wie man mit einem konservativen Schwager sprechen sollte um ihn davon zu überzeugen daß mehr soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz auch in seinem Interesse wären. Und er appelliert an jeden einzelnen zu seiner Überzeugung zu stehen und politisch aktiv zu werden.
Ob man Michaels Moores politische Einstellung teilt oder nicht, dieses Buch ist in jedem Fall lesenswert. Die hervorragend recherchierten Fakten helfen die wahre Mentalität der Amerikaner und die derzeitige politische Situation im Lande besser zu verstehen. Ist das Buch politisch ausgewogen und kommen beide Seiten gleichwertig zu Wort? Selbstverständlich nicht! Moore ist ein Grüner und macht aus seiner politischen Einstellung keinen Hehl. Dennoch ist das Buch kein Pamphlet sondern ein pointierter Weckruf an den gesunden Menschenverstand seiner Mitbürger und beinhaltet den sehnsüchtigen Wunsch amerikanische Ideale wie Mitgefühl, Freiheitsliebe und Offenheit zu leben.
Dude where's my country erfüllt darüber hinaus eine wahrhaft patriotische Mission. Nämlich den Lesern außerhalb der USA zuzurufen: Wir sind nicht so! Wir sind mehrheitlich keine stumpfsinnigen, kaltherzigen, schießwütigen Cowboys denen alle Anderen egal sind. Nach dem außenpolitischen Eskapaden der letzten Monate ist man als Europäer nach der Lektüre des Buches von unglaublicher Freude und Dankbarkeit erfüllt. Dankbarkeit darüber, daß die Amerikaner die man persönlich kennen und schätzen gelernt hat keine Dissidenten waren sondern der Normalfall. Die Mehrheit!
Fazit: Moore hat ein Werk geschaffen, das neben ernsten politischen Anliegen auch den Unterhaltungswert nicht zu kurz kommen läßt. Diese beißende Satire strapaziert regelmäßig die Bauchmuskeln und läßt den Leser noch Tage später immer wieder über die politischen Aspekte nachdenken. Einfach großartig, ein Meisterwerk!