Dieser Film ist 17 Jahre alt und hat immer noch die volle Punktzahl verdient. Ben Stiller, der in einer Odyssee aus Erfolg und Mißerfolg als "Yuppie" Michael gegen seinen Erzrivalen, den Gelegenheitsmusiker Troy, schauspielerische Kontrapunkte setzt, hat eine herrlich unkonventionelle Regie geführt. Lelaina (Winona Ryder), die Protagonistin des Films, versucht, einen Videofilm über sich und ihre Freunde zu drehen (Michael gehört nicht dazu). Da wurde viel mit der Handkamera gearbeitet und viel geschnitten, und der Zuschauer verwandelt sich unter der Hand in einen teilnehmenden Beobachter, was sich vom Ergebnis her mit der Collage einer Freundschaft, die beim Schauen entsteht, ganz gut die Waage hält. Lelaina, Vickie, Troy und Sammy sind 23 bis 26 Jahre alt und leben in einer Zwei- Raum- Wohnung zusammen. So sehr sie sich auch unterscheiden, gehören sie doch alle derselben Generation an (Geburtsjahrgänge von 1965 bis 1980 etwa), eine Generation, die den naiven Glauben ihrer Eltern an Wachstum, Leistungserfolg und Sex nicht mit macht. Während Sammy, liberal bis in die Knochen, von Karrieren quatscht und faulenzt, widmen Lelaina, Vickie und Troy ihr Leben der Kunst und der Kultur. Troy, der sein Literaturstudium abgebrochen hat, ist alles andere als ein Karrierist. Vom Typ Schausteller mit sanguinischem Sitzfleisch (eine brilliante schauspielerische Leistung von Ethan Hawke!), hat er es gerade so zum Gelegenheitmusiker gebracht und der ist manchmal ganz schön beschränkt. Absolut witzig ist die Komödiantin Janeane Garofalo. Steht sie zurück oder ist sie schon eine Generation weiter? Unglaublich, was die super- dezentrierte und gescheite Lebenskünstlerin alles so bringt. Sie hat unvergessliche Erinnerungen an "My Sherona" von The Knack, ein Sommer- Hit, der im Radio dudelte, als sie 14 war, sie hat mit 66 verschiedenen Typen geschlafen, und sie ist dennoch geneigt, ihre beste Freundin Lelaina vor allzu heftigem Sex mit ihrem "Ersatz- Bruder" Troy zu warnen: "Sex ist die beste Methode, eine Freundschaft kaputt zu machen, glaub es mir." "REALITY BITES" zeigt Situationen, die voll aus dem Leben gegriffen sind und die kein Dokumentarfilm jemals so in Szene gesetzt hat, und wenn dann am Schluss die Romantikkomödie gesiegt hat und Winona Ryder mit Ethan Hawke nach ein paar wirklich rührigen Momenten ins Private entlassen werden, geschieht das nicht ohne einen Schuss Ironie, damit niemand beleidigt ist.