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Autor Oliver Uschmann lässt seine verschrobenen Bochumer Antihelden zum zweiten Mal von einer absurden Situation in die nächste stolpern. Langzeitstudent Hartmut kommt auf die Idee, arbeitslose Uni-Absolventen durch Dequalifikation für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Vom Künstler zum Anstreicher, Altphilologen auf den Bau und so weiter. Mit Jobgarantie! Bald wird Hartmut überrannt von Arbeitswilligen, denen der Intellekt abgewöhnt werden muss. Und nebenbei gilt es noch, das Haus vorm Bauamt zu beschützen, Hartmut gewinnt den Ingeborg-Bachmann-Preis, der ihm aber wieder aberkannt wird, als er weinend auf einem Pur-Konzert gesichtet wird, er erfindet das Shit-in als Spende ans Staatssäckel, klaut ein Auto und zieht eine Briefkastenfirma auf. Erzähler "ich" steht ihm kopfschüttelnd zur Seite und verliebt sich in Klientin Caterina. Satire - so wahr, dass es beim Lachen schmerzt. "Pure Vernunft darf niemals siegen" singen Tocotronic als Intro. Sie haben, wie immer, recht. (kab)
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Sollen Katzen Playstation spielen? Dürfen Malocher die Fünf Tibeter üben? Kann man Akademiker erfolgreich dequalifizieren? Hartmut und ich wollen es wissen. Bochums tiefsinnigste Männer-WG macht Byzantinisten zu Bauarbeitern, Ingenieure zu Instandsetzern und Skandinavistinnen zu Ikea-Sekretärinnen. Ganzheitlich. Mit Jobgarantie. Der unglaubliche Roman einer unglaublichen Wir-AG. Mit Haustier.
Über den Autor
Oliver Uschmann, geb. 1977 in Wesel, brach eine Buchhändlerlehre nach einem Tag ab und arbeitete als Packer und Berufsrevolutionär. In Bochum studierte er Germanistik, in Berlin die Wirklichkeit. Uschmann ist Träger des Förderpreises NRW 2008, Dozent für Literaturpraxis sowie Journalist für Magazine wie 'GEE', 'Visions' und 'Am Erker'. Seit 2005 entwirft er mit seiner Frau Sylvia Witt die 'Hui-Welt' um eine skurrile WG. Uschmanns Romane sind Bestseller.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Ich stehe bei den Veteranen vor der Theke und warte auf meine Pommes Spezial. Das Fett brutzelt, die Luft ist schwül. Es ist nicht gesund, wenn man in einem schiefen, schlecht sitzenden Haus gegenüber der besten Pommesbude Bochums wohnt. Aber es macht glücklich. Neben Tür und Zigarettenautomat steht ein kleiner Pulk von Menschen. Der Mann direkt neben mir, der mit seiner Bestellung dran wäre, blättert in einem Buch über Hegel. Was wollen??? , bellt ihn der kleine Jugoslawe mit dem Stiernacken an, und der Mann zuckt zusammen und steckt das Bändchen in die Tasche seines Jacketts. Ich suche Arbeit , sagt er und wird ein wenig rot. Arbeit? fragt der kleine Jugoslawe, und sein Kollege an der Wurst dreht sich um. Er hat noch weniger Haare im Nacken. Ja, Arbeit , sagt der Mann wie ein Kadett vor dem Brigadegeneral. Kellnern, Kochen, was Sie wollen. Nix Arbeit, nur Pommes! Nächster! , sagt der Jugoslawe. Männer, die den Krieg gesehen haben, sind erfrischend direkt. Noch jemand lieber Arbeit als Pommes? , lacht der Veteran und macht große Augen, als auch die restlichen Kunden die Bude verlassen. Sein Kollege reicht ihm die Pommesschalen, die ich bestellt habe. Er wickelt sie in das graue Papier ein und macht ein nachdenkliches Gesicht. Ich lasse mir Zeit, während ich die Straße überquere und betrachte unser Haus, wie es in seiner ganzen Pracht in der Frühlingsluft steht. Die Fassade ist immer noch schmutzig, und von außen bleibt es tapfer der Schandfleck des Viertels, aber von innen hat sich viel getan. Ich kaufe jetzt Pommes für drei. Susanne sitzt auf der Couch und hat den Fernseher eingeschaltet. Sie hat Motoröl an den Armen. Yannick hockt auf der Fensterbank, lässt ein Pfötchen herunterhängen und schaut in den Abend, das Köpfchen und die Ohren unmerklich bewegend, als verfolge er mit dem Blick eine Ameise zwischen den Pflasterritzen. Ich stelle die Tüte ab, und wir entfalten die stinkende Wonne. Susanne hat bis eben Motorräder repariert, ich habe noch blaue Flecken von den Paketen, die mir mein Kollege Martin heute vor die Brust geworfen hat. Er hat einfach zu viel Kraft. Einmal schleuderte mich eine Sendung quer durch den Anhänger. Wo ist Hartmut? , frage ich. Onlineberatung , sagt sie und nickt essend mit dem Kopf Richtung Westflügel, wo sie sich den Lagerraum neben Hartmuts Zimmer zu einem vollwertigen Appartement ausgebaut hat. Man erkennt ihn nicht wieder. Es ist, als betrete man ein anderes Haus. Auch die Scheune hat sie umgebaut. Eine riesige Werkbank unter den hohen, hellen Scheiben, einen alten amerikanischen Kühlschrank und Poster von männlichen Pin-ups. Rechts hat sie alte Couchen positioniert. Die Tischtennisplatte steht im hinteren Teil des Komplexes. Sie hat ihn neu ausgeleuchtet und zu einem kleinen Partyraum mit Bar und Theke ausgebaut."
Auszug aus "Voll beschäftigt" von Oliver Uschmann. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Ich stehe bei den Veteranen vor der Theke und warte auf meine Pommes Spezial. Das Fett brutzelt, die Luft ist schwül. Es ist nicht gesund, wenn man in einem schiefen, schlecht sitzenden Haus gegenüber der besten Pommesbude Bochums wohnt. Aber es macht glücklich. Neben Tür und Zigarettenautomat steht ein kleiner Pulk von Menschen. Der Mann direkt neben mir, der mit seiner Bestellung dran wäre, blättert in einem Buch über Hegel. Was wollen??? , bellt ihn der kleine Jugoslawe mit dem Stiernacken an, und der Mann zuckt zusammen und steckt das Bändchen in die Tasche seines Jacketts. Ich suche Arbeit , sagt er und wird ein wenig rot. Arbeit? fragt der kleine Jugoslawe, und sein Kollege an der Wurst dreht sich um. Er hat noch weniger Haare im Nacken. Ja, Arbeit , sagt der Mann wie ein Kadett vor dem Brigadegeneral. Kellnern, Kochen, was Sie wollen. Nix Arbeit, nur Pommes! Nächster! , sagt der Jugoslawe. Männer, die den Krieg gesehen haben, sind erfrischend direkt. Noch jemand lieber Arbeit als Pommes? , lacht der Veteran und macht große Augen, als auch die restlichen Kunden die Bude verlassen. Sein Kollege reicht ihm die Pommesschalen, die ich bestellt habe. Er wickelt sie in das graue Papier ein und macht ein nachdenkliches Gesicht. Ich lasse mir Zeit, während ich die Straße überquere und betrachte unser Haus, wie es in seiner ganzen Pracht in der Frühlingsluft steht. Die Fassade ist immer noch schmutzig, und von außen bleibt es tapfer der Schandfleck des Viertels, aber von innen hat sich viel getan. Ich kaufe jetzt Pommes für drei. Susanne sitzt auf der Couch und hat den Fernseher eingeschaltet. Sie hat Motoröl an den Armen. Yannick hockt auf der Fensterbank, lässt ein Pfötchen herunterhängen und schaut in den Abend, das Köpfchen und die Ohren unmerklich bewegend, als verfolge er mit dem Blick eine Ameise zwischen den Pflasterritzen. Ich stelle die Tüte ab, und wir entfalten die stinkende Wonne. Susanne hat bis eben Motorräder repariert, ich habe noch blaue Flecken von den Paketen, die mir mein Kollege Martin heute vor die Brust geworfen hat. Er hat einfach zu viel Kraft. Einmal schleuderte mich eine Sendung quer durch den Anhänger. Wo ist Hartmut? , frage ich. Onlineberatung , sagt sie und nickt essend mit dem Kopf Richtung Westflügel, wo sie sich den Lagerraum neben Hartmuts Zimmer zu einem vollwertigen Appartement ausgebaut hat. Man erkennt ihn nicht wieder. Es ist, als betrete man ein anderes Haus. Auch die Scheune hat sie umgebaut. Eine riesige Werkbank unter den hohen, hellen Scheiben, einen alten amerikanischen Kühlschrank und Poster von männlichen Pin-ups. Rechts hat sie alte Couchen positioniert. Die Tischtennisplatte steht im hinteren Teil des Komplexes. Sie hat ihn neu ausgeleuchtet und zu einem kleinen Partyraum mit Bar und Theke ausgebaut.