Volksmusik ist tot! Hoch lebe Volksmusik!
Totgesagte leben bekanntlich länger, aber (und hier verlassen wir den Sumpf der Volksweisheiten) offenbar auch besser.
Rainald Grebe & die Kapelle der Versöhnung, ihres Zeichens ganz sicher keine Vertreter der Moikschen Volksmusikrichtung, zeigen mit ihrer zweiten gemeinsamen CD, dass am Lagerfeuer des Grauens gut Singen, Feiern, Lachen und Weinen ist. Ganz nebenbei definiert der Liedermacher mit nicht zu leugnender Vorliebe für Regionalhymnen den Begriff, der dieser Platte den Namen gab, neu und treffend. Volksmusik im Sinne Grebes ist eben nicht geschunkelte Seeligkeit mit der Konsistenz von Sülze mit Stückchen, sondern Lieder, die Stück für Stück abbilden, wie wir Volk halt sind. In dem Wiedererkennen des Selbst und der Anderen kann man sich - mehr oder weniger wahlweise - vor Lachen wälzen oder aber am Kloß im Hals würgen. Wer darauf abfährt, dem sei diese Platte dringend ans Herz gelegt.
Große Lieder, wie Massenkompatibel, Dreißigjährige Pärchen oder Butzi Butzi bilden den opulenten Rahmen für sechs Gedankensplitter, die dem Hörer mittig um die Ohren gehauen werden. Besonders erquicklich ist die Entscheidung der Macher, einen Teil der Stücke im Live-Spiel zu präsentieren. Denn: Live sind und bleiben Rainald Grebe, Martin Brauer & Marcus Baumgart unschlagbar! Aus diesem Grund zum Schluss ein ernst gemeinter Warnhinweis: ACHTUNG! ACHTUNG! Auf den geneigten Hörer kommen Folgekosten in Form von Ticketpreisen zu. Wer die CD hört und mag, will mehr und zwar live!