Michel Houellebecq wurde 1958 in La Reunion (Afrika) geboren und verbrachte seine Jugend in Algerien, in Obhut seiner Großmutter. Bald zog er nach Frankreich, studierte auf der technischen Hochschule, wurde Landwirtschaftsingenieur und arbeitete einige Jahre im Landwirtschaftsministerium beziehungsweise als Informatiker. Seine erste Ehe, aus der der Sohn Ètienne (geboren 1981) hervorging, wurde nach kurzer Zeit geschieden. Er lernte dann seine zweite Frau Marie-Pierre-Gauthier kennen. Heute lebt er alleine abwechselnd in Irland und Südspanien.
Michel Houellebecq wird heute als Provokateur im Sinne Celine "Die Reise ans Ende der Nacht" betrachtet. Er wendet sich in seine Romane gegen die narzisstische westliche Konsumgesellschaft und beschreibt die heutige frustrierte sexuelle Welt. Sein Denken weist eine Nähe zu den französischen Moralisten La Rochfoucauld und Chamfort auf.
2010 erhielt er den Prix Goncourt für sein neuestes Werk "La carte et le territoire", das am 16.3.2011 in Deutsch unter dem Titel "Karte und Gebiet" erscheinen wird.
Houellebecq hat bereits vier Romane veröffentlicht: "Ausweistung der Kampfzonen" (2000); "Elementarteilchen" (2001); "Plattform" (2001) und "Die Möglichkeit einer Insel" (2005).
Bernard-Henri-Lèvy, geboren 1948 in Algerien, begann als französischer Journalist, studierte Philosophie und gilt heute als einer der größten politischen Intellektuellen Frankreichs. Ein Jahr lang bereiste er die USA, um die Kultur dort kennen zu lernen und darüber zu schreiben. Von Francois Mitterand (Regierungszeit 1981-1995) wurde er zum Vorsitzenden der staatlichen Filmkommission ernannt. Seit 1993 ist er in dritter Ehe verheiratet. Eine Tochter aus erster Ehe ist selbst Schriftstellerin. Lèvy wird oft mit Sartre verglichen, über den er 2002 ein Buch schrieb "Sartre. Der Philosoph des 20. Jahrhunderts". Ein weiteres Buch, das sehr kritisch betrachtet wird, ist das bereits 1984 erschienene "Das Testament Gottes".
Zwei der meist umstrittendsten politische Intellektuelle Frankreichs haben beschlossen, gemeinsam ein Buch - bestehend aus Briefwechsel des Jahres 2008 - zu veröffentlichen.
Sie schreiben sich abwechselnd Briefe, in denen sie ihre Gedanken über sich selbst, die Welt, die Kultur, die Gesellschaft, Gott und über Literatur und Film ausführlich niederlegen.
Auch persönliche Kindheitserinnerungen kommen zum Tragen, und man erfährt näheres über das Verhältnis von Michel Houellebecq mit seiner Mutter Lucie Ceccaldi, die vor kurzem ein Buch geschrieben hat. In den Briefen stehen soziale Fragen neben dem eigenen Schicksal der Autoren als Außenseiter der Gesellschaft.
Mir hat das Buch insofern gut gefallen, als dass die neuesten Gedanken zu unserer Welt und Umwelt zur Sprache gebracht werden. Die Intellektualität und Wichtigtuerei wirkte sich auf mich ganz und gar nicht störend aus, im Gegenteil, ich finde es gut, dass es noch Menschen gibt, die ihr Dasein "dandyhaft" gestalten, das hat etwas Aristokratisches und Sublimes an sich, im Gegensatz zu den heute häufig vorkommenden Massenschriftstellern, die Themen ohne Tiefgang und ohne eigenen Gedanken behandeln und nur eine mittelmäßige Literatur produzieren. Ich finde außerdem nicht, wie viele Kritiker oder Rezensenten behaupten, dass Houellebecq und Levy besonders eitel schreiben. Dieses Buch ist ein Dialog zwischen zwei Menschen die ähnliche Themen in ihren Gedanken behandeln und die ein ähnliches Leben als politische umstrittene Intellektuelle führen. "Volksfeinde" sei all jenen empfohlen, die mehr über das Leben und Denken dieser zwei Autoren erfahren möchten.
Einige der besten Sätze des Buches:
Niemand gibt einen Pfifferling auf sein theoretisches Überleben im Gedächtnis der Menschheit (nicht einmal ich, der ich Bücher schreibe)
Natürlich will ich als Autor überdauern; andererseits habe ich aber auch nicht gelogen, denn diesem Überdauern würde ich jederzeit ein echtes, körperliches überleben, so körperlich wie nur irgend möglich, vorziehen.
Ich möchte Ihnen ganz einfach sagen, dass wir heute in unseren postmodernen Kulturen zu dieser Prähistorischen Urzeit der Menschheit zurückgekehrt sind.
Die Trennung zwischen öffentlichem Bereich und Privatleben, zwischen Mensch und Werk? Das alles ist viel zu kompliziert geworden, mit derlei Skrupeln belastet man sich heute nicht mehr.
Ich glaube, dass intuitive Momente einfach Momente einer unvorhersehbaren extremen Spannung des Verstandes sind, in denen die Gedankengänge unglaublich schnell ablaufen, ohne dass etwas davon (weder Beweisführungen noch Prämissen) ins Bewusstsein gelangt.
Ein Satz von Schopenhauer: "Man erinnert sich an sein eigenes Leben kaum besser als an einen Roman, den man irgendwo gelesen hat."
(Michel Houellebecq)
Erstens hat die Meute Angst.
Das vergisst man allzu leicht, wenn man sieht, wie wütend, wie wild, wie hungrig und tatendurstig sie ist.
Und ich glaube, dass sie stimmt. Ich glaube, dass die Menschen nicht so böse wären, wenn sie nicht in erster Linie von einer tief verwurzelten, unstillbaren, animalischen Angst beseelt wären.
Aber dessen ungeachtet glaube ich, dass man immer richtig liegt, wenn man denkt, dass die Bösen in erster Linie verängstigt sind. Richtig liegt man allein schon deshalb, weil es schlicht zutrifft: Sie fürchten das Leben, den Tod, ihre Geister, ihre Phantasmen, das in ihnen getötete Kind, dessen Leichnam sie noch in sich tragen, die Gemeinheit der anderen, ihre Einsamkeit, ihr Begehren, ihr Nicht-Begehren, ihre verborgenen Schwächen, die kein Buch je ergründet hat, ihren Anteil am Wahnsinn oder ihren Konformismus, ihre hoffnungslose Mittelmäßigkeit und ihre zerstörten Ambitionen, den Krieg aller gegen alle oder die ewige Ruhe, von der sie wissen, dass sie am Ende dazu verdammt sein werden.
Zweitens ist die Meute schwach.
Vor allem deshalb, weil sie beseelt ist von Neid, Hohn, Ressentiment, Hass, Unterlegenheitsgefühl, von Boshaftigkeit, Grausamkeit, Schadenfreude, Verachtung, von allem, was Spinoza las trübsinnige Leidenschaften bezeichnet, denen er zugleich letztgültig attestiert, dass sie einem keine Stärke, sondern Schwäche verleihen; dass sie kein Hinweis auf Macht, sondern auf Machtlosigkeit sind; dass sie das Ich schwächen; dass sie seine Handlungsfähigkeit einschränken; dass sie ihm einen niedrigeren Grad der Vollkommenheit und eine Kampflust zweiter Ordnung verleihen.
Die Freude macht klug und stark; die Boshaftigkeit ist ein Gift, und dieses Gift tötet über kurz oder lang.
Und drittens ist die Meute dumm.
Ich erinnere Sie daran, dass es einmal mehr Baudelaire war, der dieses Programm am besten beschrieben hat, als er die zwei Rechte benannte, die er in die Liste der Menschenrechte aufgenommen wissen wollte - das Recht, sich zu widersprechen, und das Recht, fortzugehen
... die Surrealisten sagten, "einen gewissen Punkt im Geist gibt, von dem aus das Leben und der Tod, das Reale und das Imaginäre, die Vergangenheit und die Zukunft, das Vermittelbare und das Unvermittelbare, das Oben und das Unten nicht mehr als Widerspruch wahrgenommen werden".
(Bernard-Henri-Lèvy)