krallen für die bösewichte, liebe für unseren Herrn!
nach einem big band album 2003, einem swing album 2006 und einem christ-rock Album 2010 veröffentlicht Nina Hagen heute, 11 jahre nach "Return of the Mother", ihr neues rock/punk album.
man ahnt es schon, stimmlich reicht Nina an ihre 70er,80er und 90er lieder nicht mehr heran, extravagante sangeskunst in kopfstimme wie "Naturträne"~1979 oder "Gloria Hallelujah" 1995 findet man auf "Volksbeat" nicht.
auch instrumental gibt es kaum spielereien, kein zweites "Schüttel Mich" oder "Stacheldraht in deiner Hose", nein musikalisch hat alles hand und fuß, keine pumpenden 4/4 beats wie etwa beim Zarah Leander remake "Yes Sir" welches auf "Return of the Mother" zu finden ist".
was aber nicht heißen soll dass es bei "Volksbeat" keine experimente gibt!
remakes gibt es wieder mehr als nur eines:
"Killer", in den 90ern von Seal gesungen,
"Why should the devil have all the good music" geschrieben von Larry Norman
oder auch "Jesus is a friend of mine" von Salvatore Polichetti.
ich mag ehrlichgesagt weder remakes noch christ-rock-themen lieder.
obwohl ich selbst an gott glaube finde ich Ninas musikalisches zelebieren und die große medienwirksame tauferei übertrieben, das hatten wir ja alles mit dem hinduismus schon einmal.
den grund warum meine persönlich empfundene bewertung trotz der remakes und Jesuslieder 4sternig ausfällt findet man eigentlich in jedem song: humor!
wenn ich "Jesus ist ein freund von mir" mit mäßiger euphorie lausche muss ich dennoch grinsen wenn Nina ihren gelinde gesagt verwunderlichen religionswechsel von 2009/10 folgendermaßen im text verarbeitet:
"Jesus ist ein freund von mir,
ich bin ihm mal entwischt,
in indien rumjezischt,
ein guru mich jetrickst
und ick vor ihm jeknickst,
doch Jesus ließ nich locker,
der Guru viel vom hocker,
det ich mich taufen lies,
das fand der Guru fieß...".
alles sehr locker und lustig verpackt aber doch ehrlich empfunden und das kaufe ich Nina Hagen, vielmehr als vielen anderen künstlern auch ab.
in talkrunden mag sie vielleicht nicht die diplomatie in person sein, das liegt wohl an ihrer emotionalität wenn es um menschenrechte, natur- oder tierschutz geht- themen für die sie sich seit jahrzehnten einsetzt.
hier und heute auf platte hören wir Nina aber in ihrem element und diesmal bekommen vor allem unsere regierungen und sonstige welt-gegen-die-wand-fahrer auf den deckel!
ich finde Nina hat es auf volksbeat geschafft die balance zu halten zwischen ernsthaftigkeit und craziness, sowohl textlich als auch musikalisch.
von geradlinigem punk/rock "Bitten der Kinder..." über rock`n roll "Ick lass mir doch vom Teufel nich..." bis zum famosen rock-musical-experiment "Das 5.Gebot", bekommt man auf der scheibe eine menge abwechselung geboten.
bei letzterem lied beweist Nina dass sie nicht nur singen kann sondern als professionelle synchronsprecherin auch eine sehr ausdrucksstarke sprache hat.
nach 11 jahren sind endlich (wenn auch mit recht wenig text)wieder ein paar echte kracher dabei: neben dem "5.Gebot" das mitreißende "Ich bin", "Wir sind das Volk", "Soma Koma", "Menschen sind kompatibel" und "Ermutigung" und alles auf deutsch!
NINA ROCKT WIEDER! :)