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Volkes Stimme: Skepsis und Führervertrauen im Nationalsozialismus
 
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Volkes Stimme: Skepsis und Führervertrauen im Nationalsozialismus [Broschiert]

Götz Aly
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Produktinformation

  • Broschiert: 224 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (1. November 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596168813
  • ISBN-13: 978-3596168811
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 126.322 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Was dachten die Leute eigentlich wirklich über den "Führer"? Wie zufrieden oder unzufrieden waren sie mit der Politik der Nazi-Regierung? Dies zu wissen wäre nicht nur aus heutiger Sicht ausgesprochen interessant, auch die Polit-Strategen der NSDAP waren an diesen Fragen außerordentlich interessiert. Und weil man damals noch nicht über das heute der Meinungsforschung zur Verfügung stehende demoskopische Instrumentarium verfügte, lauschten die Nazis unter anderem mithilfe von Spitzeln in die Bevölkerung hinein und "versuchten mit allerlei populistischen Maßnahmen die innenpolitische Betriebstemperatur warm zu halten". Im Nachhinein lässt sich die tatsächliche Stimmung in der Bevölkerung "historisch-demoskopisch", wie Götz Aly seinen Forschungsansatz nennt, anhand zahlreicher quantifizierbarer Fakten zumindest ausschnittsweise rekonstruieren.

Mit einer Reihe von je für sich und in der Gesamtschau gleichermaßen interessanten Einzelstudien geben Aly und seine Mitautoren tiefe Einblicke in die Befindlichkeit des deutschen Volkes zu bestimmten Phasen des Dritten Reichs: Da wäre zunächst die von Oliver Lorenz untersuchte "Adolf-Kurve", an der sich entlang der Häufigkeit, mit der Eltern ihre Söhne auf den Namen des Führers tauften, die an- und abschwellende Hoffnung, die man mit dem Nazi-Regime verband, recht gut ablesen lässt. Und dies erst recht, wenn man in die Untersuchung auch Namen wie Horst (nach dem "Liebling der Bewegung" Horst Wessel) oder Herman (nach dem sich volksnah gerierenden Hermann Göring) in die Betrachtung einbezieht. Tatsächlich steigt und fällt die Beliebtheit aller drei Namen während des zwölf Jahre währenden tausendjährigen Reichs in bemerkenswertem Gleichklang. Ähnliches gilt für das Aufkommen nordischer Namen, die gegen Ende des Krieges rasch wieder in dem Maße an Bedeutung verloren, wie man sich als Ausdruck der Ent-Täuschung wieder auf christliche Namen besann.

Ebenso wie Namensmoden Auskunft über die ideologische Nähe zum Nationalsozialismus geben können, geben die Sparquote und vor allem die bevorzugten Sparformen Hinweise auf das allgemeine Zukunftsvertrauen, wie Philipp Kratz in seinem Beitrag anschaulich macht. Auch die übrigen Untersuchungen liefern erhellende Einsichten in den Entwicklungsverlauf der allgemeinen Stimmung während der zwölfjährigen Nazi-Diktatur. -- Andreas Vierecke

Kurzbeschreibung

Über die positive bzw. negative Stimmung der Deutschen während des Zweiten Weltkrieges ist bislang nur spekuliert worden. Da für die fragliche Zeit keine demoskopischen Untersuchungen vorliegen, wird in dem Buch anhand konkreter Indikatoren historische Demoskopie betrieben mit dem Ziel, das Politbarometer für die Jahre 1939 bis 1945 zu rekonstruieren. Das geschieht mithilfe von Texten in Todesanzeigen für gefallene Soldaten: Wurde "der Führer" genannt oder hieß es darin nur "... gefallen für Volk und Vaterland"? Ferner wurde ermittelt, wie oft die Deutschen die Vornamen Adolf, Horst und Hermann vergaben. Als Indikator für Skepsis bzw. Führervertrauen eignet sich außerdem die Statistik der Kirchenaustritte. Die vom Volksgerichtshof gegen arische Deutsche verhängten Todesurteile stehen exemplarisch für das Anwachsen des inneren Terrors. Und schließlich wird die Entwicklung der materiellen Situation am Zuwachs von Spareinlangen gemessen, an den Neuabschlüssen von Lebensversicherungen und an der Verpfändung von Wertstücken in städtischen Pfandhäusern. Diese Indikatoren erlauben es, tiefenscharfe Aussagen über die mentale und ökonomische Stimmung der "Volksgenossen" zu erhalten.

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29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
Die Jahre zwischen 1933 und 1945 gehören zum besterforschtesten Zeitraum der deutschen Geschichte. Mittlerweile sind wir detailliert über des Führers Haustiere und Cousinen zweiten Grades informiert. Doch eine richtige Alltagsgeschichte des Dritten Reiches gibt es noch nicht, was auch nicht sonderlich verwundert. Meinungsforschungsinstitute sind ein Phänomen der Mediendemokratie und entstanden erst im Laufe der Bonner Republik. Anhand welcher Quellen soll der heutige Historiker also die allgemeine Stimmung der Bevölkerung während der Nazidiktatur rekonstruieren?

Götz Aly, der Outlaw unter Deutschlands Historikern, hat sich nun etwas ganz Witziges einfallen lassen. Mit seinen studentischen Hilfskräften wirft er unter anderem einen Blick auf die Entwicklung der Vornamen, der Kirchenaustritte oder der Sparquote, um somit ein Stimmungsbild der Bevölkerung zu zeichnen. Das ganze funktioniert so: Laut Statistik nahm die Anzahl deutscher Vornamen (Adolf, Hermann, zum Beispiel; die entsprechende Kurve ist daher auch sehr eloquent als "Adolf-Kurve" bezeichnet) von 1933 bis 1939 stetig zu, um dann wieder abzufallen. Ähnliches lässt sich bei den Kirchenaustritten und der Sparquote beobachten. Während bis 1939 die Anzahl der Kirchenaustritte stetig stieg, um dann wieder zurückzugehen, zeigt die Sparquote bis zum Kriegsausbruch einen Rückgang auf, um dann drastisch anzusteigen. Interpretation: Das Regime erfreute sich bis 1939 großer Beliebtheit, die dann aber mit fortschreitendem Kriegsverlauf stetig abnimmt.

"Volkes Stimme" wird wahrscheinlich heftig attackiert werden. Kann es denn überhaupt legitim sein, anhand von selektiv ausgewähltem Zahlenmaterial Aussagen über das Gesamtbefinden einer Bevölkerung zu treffen? Ist es dem Leser überhaupt zuzumuten, auf knapp 230 Seiten nahezu ebenso viele Statistiken und Tabellen abzudrucken? Mag sein, mag auch nicht sein, das interessiert mich recht wenig. Interessant ist diese rein quantitative Darstellung alltäglicher Phänomene auf jeden Fall. Und wofür Aly auf jeden Fall ein Lob verdient ist die Tatasche, dass er seine studentischen Mitarbeiter nicht nur im Vorwort erwähnt, sondern ihnen Autorenstatus einräumt und selber als Herausgeber (relativ) in den Hintergrund tritt. Ein Beispiel, das Schule machen sollte!

Fazit: Provokant, interessant, lesenswert!
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