Einer der bekanntesten großen Werke von St-Exupéry, wenngleich auch sein am meisten kritisiertes Buch, das er 1928 geschrieben hatte. Es wurde als zu martialisch, zu brutal hingestellt und auch der Schluß der Geschichte ist schwer verdaulich. Die Geschichte erzählt St-Ex aus seinen eigenen Erfahrungen als Postflieger heraus, zu einer Zeit, als die technischen Möglichkeiten der Nachtflüge noch sehr risikobehaftet waren.
Die Hauptperson, der Postflieger Fabien, muss in einer Nacht während eines Gewitters über Argentinien in seiner Maschine um sein Leben kämpfen. Am Boden verfolgt Rivière, sein Vorgesetzter, der ihn letztendlich veranlasst hat, diesen riskanten Flug zu unternehmen, den Funkverkehr und wird sich seiner Verantwortung als Vorgesetzter bewusst. Auch Fabiens Frau verfolgt beunruhigt den Flug ihres Mannes. Die Situation für Fabien wird immer aussichtsloser, am Ende fliegt er mit einem fast leeren Benzintank über dem Unwetter, das den gesamten südamerikanischen Kontinent bedeckt. Irgendwann bricht der Funkkontakt zum Boden ab, und in der Zentrale kann Rivière nur noch berechnen, wann Fabien wohl abstürzen wird. Dieser Flug stellt das Weltbild Rivières, der bis dato an das Réglement", die strenge Einhaltung des Flugplans geglaubt hatte, in Frage. Das Schicksal Fabiens wird nicht weitererzählt, aber die Handlung lässt keinen Zweifel daran, dass Fabien sterben wird.
Das zentrale Thema des Buches ist die Frage, ob es eine Instanz(das Réglement", der Flugplan) gibt, die höher zu bewerten ist, als ein Menschenleben. Am deutlichsten werden diese Zweifel in der Person des Flugdirektors Rivière, der zunächst fest daran glaubt, dass Fabien unbedingt rechtzeitig ankommen muss, um die Pünktlichkeit des Anschlussfluges nicht zu gefährden und dann doch sein Weltbild zusammenbrechen sieht, als er merkt, dass er Fabien in den Tod geschickt hat:
Wir wollen nicht ewig leben, aber wir wollen nicht alles Tun und alle Dinge plötzlich jeden Sinn verlieren sehen. Dann zeigt sich die Leere, die uns umgibt.
Allgemein erfährt der Leser am meisten über das Innenleben Rivières, der in dieser Nacht immer wieder philosophische Überlegungen anstellt. Beispiele hierfür sind:
Es gibt keine Lösungen im Leben.
Es gibt Kräfte in Bewegung, die muss man schaffen, die Lösungen folgen nach."
Was geht so alles in der Menge an einem vorbei. So mancher vielleicht, der einem gar nicht auffällt und der dennoch Kunde trägt von Ungewöhnlichem. Und ohne es selbst zu wissen."
Im Gegensatz dazu erträgt Fabien, der Pilot, die Situation mit Ruhe, beinahe stoischer Gelassenheit und genießt sogar das Licht der Sterne, als er die dichte Wolkendecke durchbricht und, zwar dem Tode geweiht, aber dennoch vorläufig dem Sturm entkommen, über dem Unwetter fliegt. Er behält stets die Fassung und erträgt sein Schicksal mit Würde, er entspricht also unserer Vorstellung von einem Helden.
Eins meiner Lieblingsbücher. Der dramatische Kampf mit den Elementen, die Kollision zwischen der Welt des Kampfes und der trockenen Verwaltung, fasziniert die Leser bis heute!