Ich war eigentlich nie ein Fan von Ozzy Osbourne und habe von Black Sabbath für gewöhnlich die Alben mit Ronnie James Dio oder Ian Gillan vorgezogen. Nicht weil mich die musikalische Klasse der Band zwischen 1970 und 1978 nicht überzeugt hat, sondern weil ich Ozzys Stimme einfach nicht ertragen kann. Das ist aber Geschmackssache und soll den großartigen Songs keinen Abbruch tun.
Für gewöhnlich haben mich aus der Phase mit Ozzy, die ja von vielen als die einzig essentielle Bandphase angesehen wird, wohingegen man die Alben mit Dio oder Ian Gillan gerne mal ausklammert, nur einzelne Songs überzeugt, wie etwa "Sabbath Bloody Sabbath", "A National Acrobat", das sehr doomige War Pigs oder das wunderschöne "Spiral Architect".
Das vierte Album der Engländer, welches eigentlich "Snowblind" heißen sollte, ist das einzige unter denen mit Ozzy Osbourne am Mikrofon, welches mich durchgehend überzeugt, auch wenn ich mir dadurch vielleicht viele Feinde mache.
Erstmals experimentiert die Band hier mit Einflüssen des Progressive Rocks und verknüpft diese wunderbar mit ihren Blues/Hard Rock/Doom Metal Einflüssen. Vor allem der sehr schwerfällige, langsam und zähflüssig aus den Boxen groovende "Wheels Of Confusion" soll Zeuge für diese wundersame Symbiose sein. Die Zelebrierung der Langsamkeit und dessen Vermischung mit filigraner Virtuosität, wie man sie von konkurrierenden Bands wie Led Zeppelin oder Jethro Tull kennt, wird hier absolut formvollendet, ohne es auf die Spitze zu treiben, wie Jahre später auf der "Technical Ecstasy".
"Tomorrows Dream" ist da eine kleine Spur schneller, aber ebenfalls sehr groovy, vor allem aber sehr fett und wuchtig im Sound. Sehr angenehm sind die Harmonien zwischen Gesang und Gitarre beim Refrain "when sadness fills my days... it's time to tunr away"... Hier könnte Ozzys Stimme gar nicht besser klingen.
Die Ballade "Changes" dürfte vielen Leuten aus dem Radio bekannt sein, da Ozzy Osbourne diesen Song neu aufgenommen hat und ihn im Duett mit seiner talentfreien Tochter Kelly singt. Hier spielt übrigens, was im Booklet nicht erwähnt wird, Rick Wakeman von Yes das Keyboard, respektive das Piano. Diese Ballade lebt nur vom Klavier und von Ozzys Stimme, keine Gitarren, kein Bass, keine Drums.
FX ist ein sehr atmosphärisches Einsprengsel, eher ein kleines Experiment mit Gitarreneffekten, denn ein Song. Ich mag es und zappe auch nicht weiter, obwohl es doch etwas zu wenig ist für einen einzeln stehenden Titel. Als Intro für einen anderen Song wäre das besser gekommen. Echoes hier, Hall Effekte dort. Eigentlich klopft Tony Iommi nur auf seinem Tonabnehmer rum. Stimmungsvolle Instrumentals bekommt Iommi in Zukunft besser hin, wie etwa "E 5150" vom Album "Mob Rules" von 1981.
Supernaut ist einer der bekanntesten Sogs dieses Albums. Sehr lockere und flockige Percussion, ein sehr schnelles und unfassbar einprägsames Ohrwurm-Riff, viel Beckengezische und anpeitschender Rhythmus.
Snowblind dann geht wieder in die etwas düstere und stimmungsvollere Richtung. Langsames Riff, recht melancholisch und schleppend. Eigentlich der Titelsong dieses Albums, hätte sich die Plattenfirma nicht im letzten Augeblick anders entschieden. Der Text handelt mehr als offensichtlich vom Kokain-Konsum. Hier finden sich wundervolle Harmonien zu Hauf, dazu erstmals in der Bandgeschichte Streichersequenzen.
Cornucopia ist dann ein unfassbar brachialer Doom Hammer, sehr spröde und wuchtig im Sound, dass einem der Staub aus den Boxen gefegt wird - eine der Grundsteine für Stoner Rock im Stile von Kyuss, der Jahrzehnte später folgen sollte.
Laguna Sunrise ist dann wieder ein Instrumental, sehr melodisch und beinahe kitschig. Strandmusik zum Chillen, ausschließlich Akustikgitarre und etwas Keyboard.
Saint Vitus Dance geht dann wieder in die Richtung, die bereits mit "Supernaut" beschritten wurde, sehr treibende, leicht tänzelnde Rhythmen und eine recht einprägsame Melodie. Übrigens ist dieses Lied Namensgeber für die Band Saint Vitus - Black Sabbath'sche Stoner-Doom Epigonen und Kultband im Underground.
Under The Sun enthält dann nochmal zum Schluss den groben Doom Hammer und deutliche Remineszenzen an das Vorgängeralbum "MAster Of Reality" mit seinen Lava-Songs wie "Into The Void" und "Sweet Leaf". Sowohl hier als auch vorher bei Cornucopia werden langsame Riffs zelebriert und genüsslich gedehnt. Iommi spielt seine Gitarre härter, als es sonst jemand zu seiner Zeit getan hat. Er musste seine Gitarre tiefer stimmen, um eine niedrigere Saitenspannung hinzubekommen - ein Zugeständnis an seine fehlenden, durch einen Unfall abhanden gekommenen Fingerkuppen. Durch die tiefer gestimmten Gitarren klingt das Album ähnlich wie seine drei Vorgänger sehr düster und heavy, hat aber einen experimentelleren Appeal.
Diese Linie sollte auf dem Nachfolgealbum "Sabbath Bloody Sabbath" weiter geführt werden, allerdings gingen dort auch die doomigen Elemente etwas flöten zu Gunsten der Progressivität.
Alles in Allem ist Vol4 ein leicht unterbewertetes Album, zwischen den Klassikern "Paranoid" und "Sabbath Bloody Sabbath" oft übersehen.