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Allerdings haben Slipknot (vor allem während der ersten Hälfte der Scheibe) immer noch die "Gabe", ordentlich zu nerven, wenn man der Musik nicht seine komplette Aufmerksamkeit widmet. Das ist andererseits aber auch ein Plus, denn die Sperrigkeit liegt vor allem an den zahlreichen Tempowechseln, deren technische Umsetzung überraschend filigran ist. Mudvayne und Meshuggah sind zwar nach wie vor die wohl besseren Songwriter -- Slipknot haben mit Vol. 3: The Subliminal Verses aber bewiesen, dass sie spätestens mit dem nächsten Album an deren Thron zumindest kratzen werden. --Boris Kaiser
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Denn nach dem aggressiven, wilden Major-Debüt „Slipknot" und dem brutal harten Zweitlingswerk „Iowa" war es sehr ungewiss, in welche Richtung sich der Stil der neun Jungs aus dem ländlichen Des Moines entwickeln würde. „Vol. 3 (The Subliminal Verses)" ist unterm Strich eine Mischung aus den ersten beiden Slipknot-Scheiben und dem Stone Sour Album von Frontmann Corey Taylor kombiniert mit einem „Faktor X". Dieser Faktor war Produzentenlegende Rick Rubin (arbeitete u.a. mit so unterschiedlichen Leuten wie den Beastie Boys, Tom Petty, Run-DMC, Slayer, LL Cool J und Rage Against the Machine), der die Band für die Zeit der Aufnahmen in sein angebliches „Spukhaus" nach Los Angeles eingeladen hatte. Glaubt man den Bandmitgliedern, kann man die Auswirkungen der alten Villa auf ihren Sound sogar auf der Platte hören: So sollen Instrumente blockiert oder an anderer Stelle einfach weitergespielt haben!
Nun aber genug der Mythen, wie sieht es denn mit der eigentlichen Musik aus? Die erste Single „Duality" sollte ja Dank umfassender Beschallung von Viva und MTV schon jeden Gehörgang erreicht haben. Für diejenigen von Euch, die den letzten Monat unter einem Hinkelstein verbracht haben: „Duality" ist ein hervorragend konstruierte, eingängige Radio-Single, die Corey's neuen, „erzählenden" Gesangsstil einführt und mit einem poppigen Refrain mit Ohrwurmcharakter à la „Wait And Bleed" zu begeistern weiß. Für Fans ebenfalls bekannt, da vorab schon auf der Roadrunner-Website zu bekommen: „Don't Get Close" (eine Hymne für den „typischen" Slipknot-Fan, die stark auf Verzerrereffekte setzt) sowie eine weitere „Ode an die Fans", „Pulse of the Maggots".
Dieser Knaller wird Makabererweise von Fliegersirenen eingeläutet bevor Corey eine Führergleiche „Volksansprache" an seine Fans, die „Maggots" (Maden) richtet. Slipknot haben ja in der Vergangenheit schon mit der Nazi-Thematik herumgespielt und auch auf diesem Song, der mit stampfendem Beat (= Marschgeräusch) und von Rammstein geborgten Jubelstürmen daherkommt, verfehlt sie ihre Schockwirkung nicht. Doch all das ist sowohl musikalisch als auch inhaltlich nur das Aufwärmprogramm für einen phänomenalen Dreiteiler bestehend aus „Vermillion Pt. 1 & 2" und „Nameless", der die kranke Liebesgeschichte eines Triebtäters erzählt.
„Vermillion" macht dabei den Anfang und kreiert mit unheimlichem Gesang und schauriger Instrumentation von Beginn an eine Gänsehautatmosphäre. Ein phänomenaler Gesangspart in der zweiten Hälfte des Songs sowie ein sehr gut funktionierendes Gitarrensolo (wann hatte man das schon mal bei Slipknot?) lassen alle Bandmitglieder ihre Stärken maximal einbringen und machen „Vermillion" zum vielleicht stärksten Slipknot-Song überhaupt. „Nameless" hingegen wird durch eine Stakkato-Gitarre und treibende Drums angetrieben und hier wird wohl jedem Hörer die Kinnlade runterklappen, wenn Corey vom härtesten Schreien plötzlich nahtlos in den sanftesten Refrain überhaupt übergeht! „Vermillion, Pt. 2" schließlich ist eine Akustikballade (!) mit Gitarre und Klavierbegleitung die von Corey und James Root teilweise zweistimmig gesungen wird und wenn man es nicht besser wüsste, auch glatt von den Eagles sein könnte!
Doch das ist noch nicht alles: So verwandelt sich „Circle" nach einem merkwürdigen Intro (ähnlich einem alten, rumspinnenden Kassettenrekorder) in eine weitere wunderschöne (!) Ballade mit Akustikgitarre in der Corey einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass er sich gesanglich nicht nur mehrere Stufen über jedem Metal-Sänger befindet, sondern sich sogar vor einem Paul McCartney nicht zu verstecken bräuchte! Sogar ein wenig Klavierspiel kommt gegen Ende hin vor (!!!), bevor eine Drum Machine einsetzt und der Song wieder verschroben endet. Slipknot gebührt auf jeden Fall maximaler Respekt, einen solchen Song mit aufs Album zu nehmen!
Zusammenfassend kann man mit Fug und Recht behaupten, dass sich Slipknot mit diesem Album auf dem absoluten Metal-Olymp festsetzen werden. Von der Technikseite betrachtet, verfügten alle 9 Mitgleider schon immer über herausragende Fähigkeiten (besonders hervorzuheben sind hier natürlich Corey als Sänger und Joey am Schlagzeug, die beide absolute Kapazitäten in ihrer Zunft darstellen). Den Gitarristen Mick Thompson und James Root wird allerdings erstmals durch eingestreute Soli mehr kreativer Freiraum gegeben und die breitere Facette von Brechern im alten Stil („Blister Exists", „Three Nil", „Welcome") bis hin zu den erwähnten Balladen sorgt dafür, dass es auf diesem Album in keiner Sekunde langweilig wird. Mit Slayer im Vorruhestand und Sepultura nur noch als blasser Schatten seiner selbst, steigt Slipknot zu Metallica als die einzigen verbliebenen Metal-Supergruppen auf.
Ich war mir sicher, dass das Album klasse wird, als ich nur die Demo "Don't Get Close" gehört hatte.
Slipknot schlagen eine neue Richtung ein, was soll daran auch falsch sein?
Warum sollten sie auch Iowa 2 rausbringen? Viele werden sich aufregen, dass es keine Brecher wie "People = Shit", "Disasterpiece" oder "The Heretic Anthem" mehr gibt, aber wieso auch, diese Jungs haben nur ein neues Album gemacht und werden ihre älteren Songs nach wie vor spielen.
Und mit "Three Nil", "The Blister Exists", "Welcome" oder auch "The Nameless" (ganz abgesehen von "Scream", dem japanischem Bonustrack)sind ziemlich harte Songs drauf. Die unterscheiden sich nur von denen auf Iowa, weil sie mehr Melodien bieten, was aber nicht heißt sie haben komplett an Härte verloren haben.
Und jetzt mal zum Tabu-Thema schlechthin: die Balladen("Circle" und "Vermilion Pt.2"). Ein Wort: gelungen. Das sind sie nämlich, ziemlich gelungen, sie passen toll auf das Album und Corey kann, für die die Stone Sour nicht kennen, zeigen wie gut er singen kann.
Aber auch die anderen Acht können jetzt beweisen, was sie an ihren Instrumenten drauf haben, wurde doch jedem von ihnen vorgeworfen, wie wenig Musikverständnis sie hätten.
Und das, verdammt noch mal, tun sie auf jedem einzelnem Song.
Einzige Songs die ich nicht nachvollziehen kann sind "Prelude 3.0" und "Danger-Keep Away". Aber selbst "The Virus Of Life" kommt in sehr guter "Tattered And Torn"-Manier (auch wenn nicht so hart) daher.
Dieses Album ist eines der Besten die meine Ohren je zu hören bekommen haben und das wird jeder bestätigen, der ein wahrer Slipknot-Fan ist.
Fazit: Kauft euch diese Scheibe, wenn euch die übrigen Sk-Platten gefielen, hört nicht auf die Möchtegern-Fans, die meinen Slipknot haben sich selbst verraten.
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