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Benjamin Lebert ist schon ein seltsamer Vogel (in diesem Falle der Titel gebende Rabe, als der er sich, wie er in einem Interview verriet, gerne sieht). Jemand, der mit der MTV-Glitzerwelt, dem herrschenden Sex- und Funterror und den flauen Beauty-Begriffen nichts am Hut hat. So einer muss doch krank sein. Stimmt. Krank vor Sehnsucht. In einer immer oberflächlicher werdenden Welt schürft Lebert nach wahrer Liebe und echten Gefühlen. Genau das macht diesen jungen Autor in guten Momenten kostbar, in weniger geglückten klingt Lebert altersungemäß altklug und weise raunend.
Die bulimische Schönheit Christine, der fette Jens und der schon bekannte Henry, beziehungsgestört bis ins Mark, leben als perfekt ausbalanciertes Dreigestirn in einem fragilen Verhältnis gegenseitiger tiefer Zuneigung. An dem chancenlos in Christine verknallten Jens kristallisiert sich sehr bald Leberts Thema heraus. Ist Jens so fett, weil er zu wenig Liebe bekommt, oder bekommt er zu wenig Liebe, weil er so fett ist? Und -- ist die Liebe selbst hoffnungslos überbewertet und nur Sinnbild eines schnöden Scheins? Das Verhältnis zwischen den dreien kollabiert, als Henry mit Christine schläft -- und beide prompt von Jens erwischt werden. Der ewig Verschmähte schlägt zurück, die Katastrophe nimmt ihren Verlauf.
Als hätte er der erzählerischen Kraft der Dreiecksgeschichte nicht ganz getraut, klebt Lebert seiner Parabel über das unauflösbare Mysterium Liebe ein thrillerhaft unglaubwürdig wirkendes Ende an. Wie sich erweist, trägt nämlich auch der schweigsame Paul ein fürchterliches Geheimnis mit sich herum. Nur -- "ich bin eben kein Erzähler wie du" -- Pauls an Henry gerichtete letzte Worte im Roman. Auch Benjamin Lebert ist es vielleicht noch nicht ganz. Aber er ist verdammt nahe dran. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Leider hochgejubelt,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Vogel ist ein Rabe. (Taschenbuch)
Benjamin Lebert besteht darauf, unglücklich und ohne Anschluss zu sein. Interviews im SPIEGEL, in der 'Weltwoche' und diversen anderen Magazinen erzählen zu achtzig Prozent vom Leiden des Autors an der Welt. Darüber will ich mich nicht mokieren. Was mich aber stört: Statt des Werkes wird der Autor diskutiert, anstelle einer literarischen Kritik wird z. B. Leberts Behinderung thematisiert. Dieser von den Medien gross aufgezogene Autoren-Kult verhindert aber eine kritische Auseinandersetzung mit dem zweiten, dem neuen Buch. Und dieses ist meiner Meinung nach sehr viel schwächer als "Crazy". Die Begegnung im Nachtzug ist keine überraschende Rahmenhandlung, die Figuren sind nicht eben plastisch gezeichnet, und ob all des Seelenschmerzes geht die Frage nach den Hintergründen vollends vergessen. Ja, es gibt den dicken Jens, ja, es gibt die magersüchtigen Mädels, aber das Ganze wirkt diffus, leblos, wie mit der Schere aus MAX ausgeschnitten und zusammengepappt. Vom "atemlos zum Schluss hinlaufenden Spannungsbogen", den die Feuilletonisten zu erkennen vermochen, habe ich nichts bemerkt, im Gegenteil; ich war froh, als das Buch endlich zu Ende war. Tipp: Den Raben schnell vergessen und dafür "Crazy" in guter Erinnerung behalten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Teils gelungen, teils misslungen, aber dennoch lesenswert,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Vogel ist ein Rabe: Roman (Taschenbuch)
Der introvertierte Student Paul landet während einer Zugfahrt nach Berlin im Abteil Henrys, der ihn sofort in ein Gespräch verwickelt. Sie erzählen sich von unerfüllter Liebe, Freundschaft und dem schrecklichen Gefühl, einsam zu sein...Manchmal ist Leberts zweiter Roman (naja, eigentlich ist es ja eher ne Novelle) brilliant, etwa wenn Henry über das Leben philosophiert und man diese wunderschönen, oft filigranen Bilder, die teils einen völlig neuen Blickwinkel auf die Welt ermöglichen, förmlich in sich aufsaugt. Manchmal ist er aber auch ziemlich daneben und fast schon enervierend, etwa Henrys bescheuerter Dauerdurchfall oder der abstruse Ausgang von Henrys Dreiecksgeschichte (war das Ganze dann doch bloß erfunden? Die leicht bittersüße Romanze hätte jedenfalls ein wuchtigeres - und glaubwürdigeres - Finale verdient als das fast an GZSZ erinnernde Groschenromanfinale). Die Schlußpointe des Romans mag nicht jedem gefallen, sie ist aber nichtsdestotrotz richtig überraschend und wirft ein völlig neues Licht auf einen der beiden (sag jetzt nicht wer, sonst ist die Überraschung dahin;)). Alles in allem ist "Der Vogel ist ein Rabe" eine größtenteils durchaus gelungene, relativ spannende Lektüre, die man mühelos in einem Rutsch durchlesen kann. Bestens geeignet auch für die nächste Zugfahrt;)) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Na ja...,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Vogel ist ein Rabe. (Taschenbuch)
Eines hat Benjamin Lebert geschafft: Er hat ein Buch geschrieben, der sich trefflich verfilmen lässt. Ob das Absicht war, wird sein Geheimnis bleiben. Anonsten stellt sich für mich die Frage, ob das Buch den Zusatz "Roman" tatsächlich verdient. Irgendwie erinnert mich das Ganze doch sehr an jene Kurzgeschichten, mit der der deutsche Gymnasiast im Englischunterricht der Mittel- und Oberstufe traktiert wird: Nur ein Haupthandlungsort, eine eigentlich alltägliche Begebenheit als Ausgangspunkt, ein überraschendes Ende und alles bequem in etwas mehr als einer Stunde zu lesen. Offen gesprochen: Die Geschichte ist zwar unterhaltsam und wird denjenigen gefallen, die "Crazy" gut fanden, hätte sich aber mühelos auf 30 bis 40 Seiten erzählen lassen. Und noch ein kleiner Tipp für alle Kauf- und Lesewilligen: Auf keinen Fall (wie ich es zu tun pflege) vor oder während des Lesens auf das Ende schielen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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