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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Armenischer Alltag, grausam, authentisch und humorvoll, 11. April 2005
Es ist immer wieder beeindruckend, wenn Filme es schaffen, lustig und leicht zu sein und dennoch die Grausamkeit des Alltags nicht unter den Tisch kehren. Dem Film "Vodka Lemon" gelingt das vortrefflich. Dargestellt wird das Leben in einem Dorf, Rya Taza, östlich des BErges Aragaz, das von jesidischen Armeniern bewohnt wird, die - wie andere Armenier auch - von Geldsorgen geplagt werden und nach Mittel suchen zu überleben. Die Hauptperson, ein ehemaliger Soldat der Roten Armee, besucht jeden Tag das Grab seiner Gattin. Den Hausstand muss er nach und nach verkaufen, hofft aber auf Geld des Sohnes, der nach Frankreich ausgewandert ist. Seine Enkelin heiratet einen Armenier, der eine Stelle in Nowosibirsk hat und doch nicht den mit dem Vater vereinbarten Hochzeitspreis zahlt. Die Armut wird schonungslos gezeigt, von der Gelegenheitsprostitution einer jungen Klavierspielerin, die damit ihre Mutter unterstützen möchte, über kümmerlich bezahlte Arbeiten in einer Getränkebude, die Vodka Lemon verkauft, das nach Mandeln schmeckt, bis hin zum Anschreiben beim Busfahrer. Der Film stellt die Armut ohne Weichzeichner und ohne Sozialromantik dar. Und doch hat der Film Witz, wenn etwa ein alter Mann gezeigt wird, dessen Bett von einem UAS-Geländebus zu einer Beerdigung gezogen wird, bei der er Duduk, eine armenische Flöte, spielen soll. Die Kameraeinstellungen sind oft überraschend, die Bildsprache eindrücklich: Zwei Stühle im eisigen Nirgendwo, die geräumte, endlose Landstraße in Richtung Aparan, die nie fertiggebauten Häuser, deren Rohbau seit 1989 wieder verfällt. Man sieht nicht viel von Armenien, von der Landschaft oder den Städten - und doch etwas Typisches und ganz Anderes als erwartet. Viele Anspielungen kann man vielleicht nur erkennen, wenn man Armenien kennt, doch wem das Land fremd ist, wird das ohne Pathos dargestellte Leben dort ein Stück weit verstehen lernen. (Meine Rezension bezieht sich auf den Film, nicht auf die DVD.)
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