Ein literarisch-kulinarischer Streifzug durch die kubanische Küche
Während durch Tourismus, Musik und Film die Kultur Kubas immer mehr an Popularität gewinnt, blieb eine ihrer größten Kostbarkeiten bisher unentdeckt: die kubanische Küche. Die Literaturwissenschaftlerin Lázara Izquierdo hat diesen Schatz nun endlich für das deutschsprachige Publikum gehoben. Schon seit einigen Jahren sammelt die Kubanerin in ihrer Heimat traditionelle und zeitgenössische Rezepte und arbeitet sie literarisch und kulturgeschichtlich auf. Jetzt hat die leidenschaftliche Köchin mit Viva Cuba! ein kubanisches Kochbuch herausgebracht. Im Zentrum dieses Werkes steht eine solide recherchierte und sorgfältig dokumentierte Rezeptsammlung. Sie wird ergänzt durch Erzählungen, Anekdoten, humoristische Einlagen, Volksweisheiten, Mythen und Lieder, die alle mit der Küche Kubas in Verbindung stehen und das Buch selbst zum kulturellen Ereignis machen. Begonnen wird mit einer Einführung in die kulinarische Kultur der Insel, die als historisches und soziales "Gesamtmenü" präsentiert wird. Hatte doch schon der bekannte Gelehrte Fernando Ortíz das kubanische Volk mit seinem traditionellsten Gericht verglichen: dem Ajiaco, einem Eintopf, der im Laufe der Jahrhunderte durch die Zutaten vieler Kulturen bereichert wurde - und an Hand derer sich die kubanische Geschichte von Kolonialherrschaft und Versklavung, Befreiungskämpfen und Einwanderungen bis heute nachvollziehen lässt. Das Buch verrät, warum man auf Kuba sehr viel Reis isst, die Insulaner aber keinen Fisch mögen. Und das, obwohl Fidel Castro sogar bei einem Fernsehauftritt einen Fisch verzehrte, um vor laufenden Kameras zu zeigen, wie lecker dieses Gericht sein kann! Man erfährt, warum die Kubaner grüne Tomaten den roten vorziehen, aber das Backen von Süßem auf der „Zuckerinsel" keine Tradition besitzt. Statt dessen verfügt die kubanische Küche über ein reichhaltiges Dessertangebot, welches aber auf arabische Einflüsse zurückgeht. Natürlich fehlen Einführungen in kubanische „Grundnahrungsmittel" wie Kaffee und Rum ebenfalls nicht.
Stilsicher werden so in über 30 Rezepten die wichtigsten Vorspeisen, Hauptgerichte, Beilagen, Desserts und natürlich Cocktails der Karibikinsel vorgestellt. Die hochkarätigen Fotos zu fast jedem Gericht sind in ihrer Farbenpracht ebenfalls sehr appetitanregend und machen Lust darauf, „el sabor del Caribe" - den Geschmack der Karibik - in die eigene Küche zu holen. Die Rezepte sind problemlos nachzukochen und spiegeln die Vertrautheit der Autorin mit den hiesigen Kochgewohnheiten wider. Ein Glossar räumt auch letzte Fragen zu den karibischen Zutaten aus und empfiehlt bei Bedarf heimische Alternativen. Viva Cuba! lädt somit zu einer literarisch-kulinarischen Expedition ein, bei der Sie zu knusprig frittierten Bananen, mariniertem Fisch, einem Café criollo oder einem Mojito verführt werden - und sich nebenbei die Erzählungen, Mythen und Lieder der kubanischen Kultur auf der Zunge zergehen lassen können. Mit jedem dieser Rezepte nähern sie sich der karibischen Lebensart und lernen sie besser verstehen - und lieben. Auch deshalb ist es ein sehr kubanisches Buch!