Der Name Nils Heinrich grub sich immer tiefer in mein Gedächtnis, je mehr seiner äußerst witzigen Beiträge ich in der Titanic-Rubrik "Vom Fachmann für Kenner" las. Dann erblickte ich auf der Straße ein Plakat für seinen Bühnenauftritt "Die Abgründe des Nils", verpasste aber leider den Termin. Dafür legte ich mir nun sein Buch "Vitamine sind die Guten" zu.
38 Geschichten auf 181 Seiten erzählen von Harz-Urlauben des im Harz aufgewachsenen Heinrich, von Massenhypnose auf einem Grönemeyer-Konzert, Lebensmittel-Sex mit einer Unbekannten aus dem Internet, den Niederungen des Kleinkunstgeschäfts und Interkulturellem bei Aufenthalten in Orten wie München. Vor allem beinhalten die Texte jede Menge Spleeniges eines Kopfes, dessen skurrile Beobachtungen die Lebenswirklichkeit zeichnen als das, was sie ist: nicht ernstzunehmen. Dennoch wird die Realität in all ihrer Absurdität grausam zuendegedacht.
Nils Heinrich schreibt pointiert, setzt seine dichten und fast durchwegs gelungenen Gags sehr gekonnt, überschreitet oft die Grenze zum Surrealen, ohne dass es affektiert oder affig würde. Freilich besitzt Heinrich in seiner direkten Ausdrucksweise nicht die überspitzte Distanziertheit einer Fanny Müller, nicht die Wucht eines Thomas Kapielski und Kunst eines Max Goldt, dennoch sind seine Geschichten schön komponiert, teils originell erzählt und vor allem überaus kurzweilig. Eine Zufallsauswahl an Seiten ergab die folgenden schönsten Sätze pro Seite: "Denn was da aus der Vorkriegskelle in die Tiefen des Tellers planschte, war trübes Wasser mit Mohrrübenscheiben drinnen." "Meine Oma, die ich noch nie gesehen habe und daher auch in Wirklichkeit für ein Gerücht hielt, welches mein Opa aus irgendwelchen Gründen in die Welt gesetzt hatte, muss die Stube betreten haben." "Ist einer leichtsinnig genug, sich mit dem Ansinnen 'Erholung' in den Park zu setzen, dann warten die Fatburn-Fundis den richtigen Augenblick ab, an dem die Runde vollkommen und am schönsten ist, und kommen in Legionsstärke um die Ecke gepeeßt, eingefärbt mit Farben, die jedes Auge beleidigen, aufgedruckt auf Sportstoffe aus der Weltraumforschung."
Wer mal ordentlich und niveauvoll ablachen will, sollte sich diesen erfreulichen Band aus dem Berliner Satyr-Verlag besorgen.