In diesem Buch werden so viele Mythen, Halbwahrheiten und grob unsinnige sowie schlicht falsche Behauptungen dargeboten, daß es kaum zum Aushalten ist.
Daß manche von Thomas Klein dargelegten Tatsachen (z.B. bzgl. der Methoden zur Diagnose eines Vitamin-B12-Mangels) stimmen, heißt nicht, daß alles, was in diesem Buch steht, der Wahrheit entspricht oder objektiv ist.
Vitamin B12 kann NICHT aus dem Dickdarm resorbiert werden! Diese Behauptung wird zwar von Menschen, die sich vegetarischen oder veganen Kreisen zurechnen, begierig aufgenommen und weiter verbreitet, ist aber schon lange durch entsprechende Studien widerlegt und auch vollkommen unlogisch - bereits seit dem Mittelalter ist klar, daß die meisten Nährstoffe nicht über den Dickdarm resorbiert werden können.
Vitamin-B12-Mangel wird NICHT durch eine sogenannte natürliche Ernährung verhindert. Vegane Ernährung liefert dem Körper kein Vitamin B12, und er kann auch keines selbst herstellen.
Sogenannte FleischesserInnen sind keineswegs häufiger von Vitamin-B12-Mangel betroffen als VegetarierInnen (oder VeganerInnen). Der zumeist durch Resorptionsstörungen und nicht durch mangelhafte Aufnahme verursachte Vitamin-B12-Mangel von "FleischesserInnen" kommt selbstverständlich absolut gesehen häufiger vor als Vitamin-B12-Mangel von VegetarierInnen (da es nur wenige VegetarierInnen oder gar VeganerInnen gibt), aber niemals prozentual.
Durch derart rhetorisches Geschick dreht der Autor es so hin, als sei Vitamin-B12-Mangel das Resultat einer sogenannten unnatürlichen Lebensweise. Seine Aussagen sind ideologisch gefärbt und geprägt von einem (unter vielen VegetarierInnen und VeganerInnen bzw. Menschen, die damit sympathisieren) weit verbreiteten Wunsch, sich möglichst "natürlich" zu ernähren, was insbesondere (aber längst nicht nur) in Hinblick auf vegane Ernährung und Vitamin B12 als unsinnig und gefährlich bezeichnet werden muß.
Thomas Kleins Buch gehört zu jenen, die, anstatt Vitamin-B12-Mangel zu beheben und zur Klärung der komplzierten "B12-Situation" bei veganer/vegetarischer Ernährung beizutragen, die Gefahr eines Vitamin-B12-Mangels erhöhen, indem Menschen seinen Ausfühungen vertrauen und (noch mehr) danach streben, sich "natürlich" zu ernähren, anstatt sich um eine adäquate Vitamin-B12-Zufuhr zu kümmern.
Selbstverständlich findet solch ein Buch Fans unter NatürlichkeitsfanatikerInnen, es ist schließlich angenehm, die eigenen Thesen "wissenschaftlich" und "sachlich" bestätigt zu wissen.
Iris Berger
(Diplom-Oecotrophologin und langjährige Veganerin)