Vier Sterne und nicht fünf, weil einige Sätze zu sehr nach wissenschaftliche Arbeit riechen: Sie sind sehr lang und verschachtelt, das macht das Lesen manchmal unnötig schwer und anstrengend.
Aber sonst ist es super: Jemand studiert extra Ökotrophologie (wie die Autorin), um sich als Expertin besser für den Veganismus einsetzen zu können, das ist doch phantastisch!
Schön finde ich die Reflektion der Anschauungen der VeganerInnen: Da viele das Ideal der "natürlichen" veganen Ernährung haben, können sie sich nicht rational Überlegen, dass B12 supplementiert werden muß und lehnen es deshalb ab. Ich bin auch vegan, aber als Naturwissenschaftlerin kann ich doch sehen, dass die Menschen in ihrer Entwicklung ab und zu Fleisch gegessen haben und ihren Bedarf dadurch gedeckt haben. B12 ist das einzige Vitamin, das nicht in fleischloser Nahrung vorkommt, das aber vom Körper gespeichert werden kann - weil wir eben nicht jeden Tag Fleisch essen oder gegessen haben. Ist doch toll, dass sich unsere Art so angepasst hat und wir nicht unseren Kot essen müssen!
Wer also kein Fleisch ißt, sollte B12 anders zuführen, dabei reichen ungewaschenes Gemüse und andere Quellen nicht aus, es sollte schon irgendwo zugesetzt sein oder selbst zugegeben werden können. Hierzu liefert das Buch alle nötigen Infos, die ich sehr praktisch finde. Auch über alle Probleme der Vitaminkombination findet man hier Infos.
Auch befragte die Autorin viele VeganerInnen nach ihrem Informationsstand und ob sie wann B12 zuführen würden, wenn sie das nicht schon tun. Leider hängen viele dem Ideal der natürlichen Ernährung nach und lehnen die Supplementierung ab. Ich selbst habe Veg1 genommen, seit ich vegan lebe, da ich in dieser Zeit mein Kind stillte und ich nicht das Gefühl hatte, ausreichend informiert gewesen zu sein. So wollte ich auf der sicheren Seite sein und vertraute der Vegan Society als kompetente Experten, die dieses Mittel für Vegane zusammengestellt hat. Ich bin nun froh, das so gemacht zu haben. Ich erinnere mich daran, auch mal kribbelnde Fingerspitzen gehabt zu haben - ein mögliches Zeichen des B12-Mangels. Ich habe die Tabletten nicht regelmäßtig genug genommen und habe zudem alles B12 an mein Kind abgegeben, durch die Muttermilch.
Rezensionen wie die "B12-Mangel gibt es nicht" regen mich eher an, solch ein Buch zu lesen, als darauf zu vertrauen...