Ein Pfarrerssohn aus Wuppertal schreibt über die Mühe des Klassik-Liebhabers, seine Passion vor seinen Mitmenschen zu verbergen. Er "outet" sich als Klassik-Hörer.
Wer seiner Generation entstammt und selbst am liebsten Klassik hört, weiß, dass Möller recht hat: Mochte man seinerzeit als Teenager Klassik und ließ sich dabei auch noch ertappen, so war man ein- für allemal "uncool" und gehörte nicht dazu.
Auf unterhaltsame Weise, mit viel Humor und Eigenironie, erzählt der Pfarrerssohn seinen Werdegang, sinniert darüber, wie er zum Klassikhörer berufen wurde, und erläutert, wie sich seine Leidenschaft allmählich ausdifferenzierte, auch hin zu Stockhausen und anderen Komponisten zeitgenössischer E-Musik - mit gelegentlichen Exkursen in die so genannte U-Musik, etwa jener von Nirvana, auf die er durch den "Hype" um Kurt Cobains Tod stieß. Erlebnisse in den Klassikabteilungen von Kaufhäusern, allmählich entstehende zwischenmenschliche Beziehungen zu den dortigen Verkäufern, Zufallsbekanntschaften mit anderen Klassikfreunden, aus denen sich viel lernen ließ, aber auch völlig unvorhergesehene Entdeckungen von Interpreten über CDs zeigen auf, wie spannend es sein kann, der verfemten Gemeinschaft der Klassikfans anzugehören. Eine Reihe von Fotos, die zumeist Komponisten zeigen, ergänzt den Text, der in Kapitel nach Lebensstationen eingeteilt ist.
Insgesamt wirkt das Buch informativ, unterhaltsam und durchaus reizvoll, aber immer wieder stören unnötige Längen und vollmundige Ankündigungen von Einschnitten, die dann doch irgendwie banal ausfallen. Viele Details aus dieser Autobiografie eines zwar alles andere als gewöhnlichen, jedoch auch nicht herausragenden Mannes hätte man besser zugunsten eines griffigeren Buchs mit mehr Biss weggekürzt. Die durchaus vorhandene, spannungsgeladene Kombination aus Witz und Information leidet an einer Art Verdünnungseffekt.
Insgesamt also gerade für Klassik-Liebende eine attraktive Lektüre, die allerdings passagenweise Durchhaltevermögen erfordert. Das Buch belohnt durch interessante Einblicke und die Vermittlung eines Gefühls von Solidarität, von Zugehörigkeit zu einem Geheimbund von Eingeweihten in eine geheimnisvolle, fremde Welt.