Das heisst, eigentlich müsste es "Vokabelbüffelmuffel" heissen ;-) Spass beiseite, Fakt ist: auch wenn ich Spass am Erlernen einer neuen Sprache habe, heisst das noch lange nicht, dass Auswendiglernen von Vokabeln ebenfalls Spass macht. Auf jeden Fall nicht mir. Somit habe ich mich nach "anderen" Ansätzen zum Lernen umgesehen, von denen es einige gibt. Gute Erfahrungen habe ich dabei z.B. mit
Michel Thomas gemacht, bei dem Schriftliches gleich ganz entfällt. Da ich darauf allerdings nicht vollkommen verzichten wollte, kam ich zu der Methode von
James Heisig. Wie vermutlich viele andere Leute war ich skeptisch, was das Lernen mit "Kopfkino" angeht. Aber warum auch immer: die Methode, bildunterstützt zu lernen und dadurch mehr in kürzerer Zeit zu behalten funktionierte jedenfalls - nicht perfekt, aber recht gut.
Mit Unterstützung durch das Internet (Livemocha, Japanespod und andere) und Michel Thomas lernte ich einiges, musste aber feststellen, dass der Aufbau eines Vokabelschatzes hier doch recht langsam vorangeht. Die Bereitstellung ist zwar -etwa mit Hilfe von Flashcards- selbst mobil auf einem Smartphone kein Problem mehr. Dennoch ist es öde, öde, öde hoch drei; und zwar hauptsächlich, weil es (zumindest mir) recht selten gelingt, einen Begriff schon beim ersten Lesen zu behalten. Die deshalb notwendigen Wiederholungen, bis der Begriff schliesslich ins Langzeitgedächtnis wandert, sind der Motivation nicht unbedingt förderlich (ich habe irgendwo gelesen, es wären 5 - darauf beruht auch das Flashcard-System).
Ein normales Wörterbuch besitze ich; aber auch Vokabeln, die ich mehrmals nachgeschlagen und verwendet habe, habe ich hinterher oft wieder vergessen. Somit wäre eine Methode, bei der die Vokabeln schneller permanent ins Gedächtnis gehen, wünschenswert. Das 'visuelle Wörterbuch' versucht sich an der Umsetzung einer solchen Methode. Der Aufbau ist dabei wie folgt:
- Das Buch ist in 12 verschiedene Bereiche gegliedert, z.B. Mensch, Einkauf, Arbeit.
- Auf jeder der 320 Seiten finden sich etwa ein Dutzend bebilderte Begriffe, sowie zusätzliche verwandte Begriffe und/oder Redewendungen ohne Bild.
- Alle Begriffe sind in Deutsch, Kanji/Kana und Romaji (Hepurn) bezeichnet.
- Am Ende findet sich dankenswerterweise ein Register ;-)
Das Buch verspricht über 12.000 Wörter und Redewendungen im Titel, aber (ohne genau nachzuzählen) denke ich, die Zahl ist deutlich niedriger. Dafür spricht auch, dass verwandte Bücher für andere Sprachen bei gleichem Umfang etwa 6.000 Wörter versprechen. Ich schätze, es sind etwa 25 pro Seite, somit dürfte eine Zahl von 8.000 insgesamt realistischer sein.
Inhaltlich ist es grundsätzlich in etwa das, was ich mir davon versprochen habe. Zwar kann man an Details durchaus herumkritteln. Warum wird der Bereich 'Das Haus' erst mit 'katei' und dann mit 'juukato' übersetzt (ich hätte 'uchi' oder 'ie' gewählt)? Warum hat dieses Haus weder Keller noch Garage? Und wozu ist die Übersetzung des Aufbaus der Atmosphäre nützlich? Doch von solchen Kleinigkeiten abgesehen ist das Buch ein nützlicher Begleiter, in dem man dank des übersichtliche Aufbaus und des Registers normalerweise alles in angemessener Zeit findet. Das Register listet übrigens alle Begriffe in deutsch und romaji. Auch die Benutzerhinweise sind auf deutsch und japanisch.
Systematisch hätte ich mir lediglich gewünscht, dass die von Japanern so gern abgekürzten Formen von Fremdwörtern mit eingetragen worden wären, also etwa 'dejikan' statt 'dejitaru kamera' (Digitalkamera). Aber ein wirkliches KO-Kriterium ist auch das sicher nicht. Bleibt noch die Sache mit dem Lernen der Vokabeln. Ob oder wie gut es funktioniert, muss jeder für sich selbst herausfinden. Mir zumindest hat es das Lernen erleichtert; Wunder habe ich allerdings auch weder erwartet noch bekommen. Die Sammlung von Begriffen nach Sachgebieten ist hier recht nützlich, denn im Japanischen sind derarige Begriffe oft zusammengesetzt (z.B. Zug/Sha: densha, ressha, kikansha...), was mit Bildunterstützung ebenfalls hilfreich ist. Dieser Punkt gilt natürlich nicht für japanisierte Fremdworte.
Fazit: das Verhältnis zwischen Preis und Leistung stimmt für mich; das Buch bietet ziemlich viel für einen Betrag, der deutlich unter dem vom
Mini-Langenscheidt liegt. So ein normales Wörterbuch kann es nicht ersetzen, aber zum Lernen von Vokabeln ist es dafür ungleich nützlicher - wenn man mit der Methode etwas anfangen kann. Bei mir ist die Erfolgsquote jedenfalls recht hoch, ich bin zufrieden. Für die übertriebene Anzahl von Wörtern im Titel, die manchmal nicht ohne weiteres nachvollziehbaren Übersetzungen und die nicht allzu hohe Anzahl von Redewendungen ziehe ich einen halben Stern ab. Dennoch ein klarer Kauf.