Man muss den (Unter)-Titel des Buches schon genau lesen: 'Neue Technologien', dann wird man eher nicht enttäuscht. Wer dagegen hofft, in einem - wie der Titel verspricht - 'Crashkurs' mit dem neuen 'Visual Basic 2008' vertraut gemacht zu werden, wird das Buch schnell beiseite legen. Denn Löffelmann hält sich nicht lange mit neuen oder verbesserten Entwicklungswerkzeugen auf, die VB 2008 bietet, sondern ist ein echter Quellcode-Fan. Das gilt auch für seitenlange Listings von XAML-Code, der offenkundig händisch erzeugt wurde (da neue Hilfsmittel wie der Windows-Presentation-Foundadtion(WPF)-Designer als praktisch kaum brauchbar bezeichnet werden). Es stellt sich allerdings vor diesem Hintergrund die Frage, ob der Entwickler sich dann (wie Löffelmann) tatsächlich die umfangreiche Codierungsarbeit machen wird, die Microsoft sich mit seinem offenkundigen Schnellschuss erspart hat und bereit sein wird, seitenlange Deklarations-Listings einzutippen, die die angeblich schöneren (weil vektorbasierten) grafischen Oberflächen der neuen WPF generieren. In diesen und ähnlichen Quellcodes tobt sich das Buch dann aus. Die Beispiele sind allerdings zu speziell, um daraus allgemeinen Nutzen ziehen zu können. Entsprechend werden in den Erläuterungen dann langatmig etwa speichertechnische Hintergrund-Details erläutert, die z.B. darauf hinaus laufen, dass noch unter VB6 gültige Selbstverständlichkeiten wie das 'Redim preserve' von 'Arrays' unter VB2008 nicht oder nur sehr eingeschränkt funktionieren werden. Darauf, wie man solche ärgerlichen Einschränkungen mit VB2008 vermeidet, wird nicht eingegangen. Völlig unkritisch wird auch das eigentlich als Highlight für Visual Studio 2008 angekündigte LINQ abgehandelt. LINQ ist eine in VB2008 integrierte SQL-ähnliche Abfragesprache, die den Vorteil bietet, dass man sich als Programmierer nicht mehr mit den zahllosen SQL-Dialekten und Imlementierungen herumärgern muss (wie z.B. bei alternativen Zugriffen auf MS-SQL-Server , Oracle oder XML). Was aber bei LINQ - zumindest so, wie der Autor es präsentiert - sofort auffällt, ist der Umstand, dass offenkundig alle LINQ-Abfragekommandos statisch fest im Quellcode 'verdrahtet' (sogar 'dimensioniert'/deklariert) sein müssen. Jede Änderung/Erweiterung der angesprochenen Datenbanken würde somit Quellcodeänderungen, Neukompilierungen und Neu-Auslieferungen des Projektes implizieren. Die Möglichkeit, wie eigentlich sinnvollerweise zu erwarten gewesen wäre, dass LINQ Abfragen etwa in Form von zur Laufzeit anpassbaren Zeichenketten übernimmt und diese dann interpretiert und ausführt, wird jedenfalls weder demonstriert noch überhaupt diskutiert. Falls das tatsächlch ein Manko von LINQ sein sollte, kann man diese 'neue Technologie' eigentlich sofort vergessen (oder auf eine neuen Version warten). Falls der Autor diese Möglichkeit nur nicht vorgestellt hat, liefe das darauf hinaus, dass dem Leser die interessantesten Möglichkeiten von VB2008 vorenthalten werden ... Wie dem auch sei: wer bereit ist, sich auf die quellcode-orientierte (und mitunter weitschweifige und mit allerlei dem weiteren Familien- und Bekanntenkreis zuzurechenden Ministories gewürzte) Darstellung des Autors einzulassen, sich mit einigen 'technischen' Hintergründen zur Funktionsweise von VB2008 zufrieden gibt und auf praxisorientierte Tipps für den produktiven Einsatz der Neuerungen verzichten kann, wird von dem Buch nicht enttäuscht. Wer allerdings rasch mit VB2008 arbeiten und damit Funktionalitäten realisieren möchte, die mit den Vorgängerversionen nicht oder noch nicht richtig möglich waren, sollte nach einem anderen praxisorientierteren Buch Ausschau halten - wenn sowieso nach Lektüre nicht die Skepsis überwiegt, ob VB2008 tatsächlich das halten wird, was die Microsoft-Werbung suggeriert !