Worum geht es in "A Visit from the Goon Squad"? Schwer zu sagen, denn es ist kein Roman im klassischen Sinne. Es gibt keinen erkennbaren roten Faden, der sich durch die Handlung zieht, keine Chronologie der Ereignisse. Stattdessen erzählt jedes der Kapitel eine (mehr oder weniger) in sich abgeschlossene eigene Geschichte. Jede Erzählperspektive kommt nur ein einziges Mal vor, jede einzelne Figur tritt nur einmal in den Vordergrund. Danach taucht sie entweder gar nicht mehr auf oder nur als Nebenfigur am Rande. Wenn es Hauptfiguren gibt, dann sind es wohl der Musikproduzent Bennie Salazar und Sasha, seine kleptomanische Assistentin. Beide stehen zwar auch jeweils nur einmal im Mittelpunkt, aber alle anderen Erzähler sind auf irgendeine Weise mit ihnen verbunden, einige sehr eng, andere nur über mehrere Ecken.
Die Erzählweise hat mich anfangs ziemlich irritiert, und ich war mehr als einmal in Versuchung, das Buch wieder wegzulegen. Ich bin kein großer Fan von Kurzgeschichten, und genau daran haben mich die ersten Kapitel erinnert.
Im Nachhinein bin ich froh, dass ich durchgehalten und weitergelesen habe, denn irgendwann hatte ich mich an die Struktur gewöhnt und die Geschichten haben mich doch in ihren Bann gezogen. Das liegt wohl vor allem an Egans bemerkenswertem Talent, eine Figur in nur wenigen Seiten wirklich lebendig werden zu lassen. Obwohl man jeden der Charaktere nur kurz kennenlernt, bekommt man ein sehr rundes, ausgewogenes Bild von der Person.
Insgesamt ein Buch, das mich zu meiner eigenen Überraschung ziemlich beeindruckt hat. Es ist ungewöhnlich und exzellent geschrieben. Dass ich trotzdem "nur" vier Sterne vergebe, liegt einfach daran, dass ich bei den vielen gelungen beschriebenen Charakteren jeweils gern noch etwas länger geblieben wäre - sprich: etwas Roman-typischer wäre mir noch ein bisschen lieber gewesen. Trotzdem empfehlenswert für alle, die bereit sind, sich auf diese etwas ungewöhnliche Erzählweise einzulassen.