Dies Buch war für mich eine Zufallsentdeckung in der Stadtbücherei und wurde zum besten und unterhaltendsten Roman, den ich in den letzten Monaten gelesen habe.
Nachdem ich die ersten paar Kapitel hinter mir hatte, in denen die Charaktere nacheinander kapitelweise vorgestellt werden, konnte ich schier nicht mehr aufhören zu lesen.
Es geht um ein paar Menschen, die mit einer vor etwa 2 Jahren nach einer Bootsfahrt Vermißten (Hanna) zu tun hatten und den vermutlichen Tod Hannas auf verschiedene Weise zu verarbeiten versuchen. Dabei ist das nicht das Hauptthema des Buches - eigentlich geht es um die Personen in ihrem Alltagsleben, mit ihren aktuellen Problemen, Entwicklungsschwierigkeiten etc.
Hannas Ex-Freund Gerard, der in den USA tätige Meeresforscher, leidet an einem unkooperativen Chef und an der Einsamkeit des introvertierten Naturwissenschaftlers in der Fremde und begegnet in Form seiner Vermieter einer ziemlich skurrilen polnischen Familie. Hannas Nichte Emma ist 14 Jahre alt, pubertierend und verliebt sich in Hannas Ex-Liebhaber Robin, dem Hanna so wenig aus dem Kopf geht, daß er sich schließlich entschließt, den Leichnam aus über 100m Tiefe bergen zu wollen. Dann gibt es noch Hannas Vater, der natürlich wiederum Verbindung zu seiner Enkelin Emma hat und außerdem gerade für einen Familienvater mit ziemlich abartigen Neigungen einen Anzug schneidert.
Auf verschiedenen mehr oder weniger verschlungenen Wegen laufen die Lebensläufe all dieser Menschen und einiger, nicht minder wichtiger Nebenfiguren, aufeinander zu. Besonders schön ist, daß an allen möglichen und unmöglichen Stellen einzelne von den zehntausend Plastikentchen auftauchen, die der Meeresforscher Gerard hat aussetzen lassen, um Meeresströmungen zu berechnen.
Dabei werden weder Katastrophen noch besonders übertriebene oder unglaubhafte Situationen hergestellt. Im Gegenteil, das Empfinden der Personen wird mit viel Zartheit, Einblick und klarem Blick auf den Lebensalltag beschrieben.
Ein großes Lesevergnügen, nur zu empfehlen!