Kontrast haben nach längerer Veröffentlichungspause ein neues Album am Start - und legen gleich ordentliches Tempo vor. Der Opener "80er Jahre" ist ein nahezu perfekter Popsong, der dank lustiger Lyrics und flotter Instrumentierung Ohrwurmqualität entfaltet und mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Mit "Durchbruch" legen Kontrast eine ironische Abrechnung mit dem Future Pop vor, während "Lichtbildkunst" an Welle:Erdball anknüpft. Diese drei Songs repräsentieren das ganze Spektrum von Kontrast: tolle Melodien, bissige Texte und eine gewisse Lässigkeit, die anderen Genregrößen ebenfalls gut zu Gesicht stehen würde.
Anschließend lässt die Qualität etwas nach, sofern man mit dem gedrosselten Tempo nicht viel anfangen kann. Textlich dominiert nun die Seriosität, auch wenn ich kaum glauben kann, dass "Kosmonautenmelodie" tatsächlich ernst gemeint sein kann. Der Titeltrack und das darauf folgende "Deutsches Land" weisen einen stark politischen Einschlag auf - speziell letzterer Song kritisiert die immer populärere Haltung vieler Deutscher, Hitler sei wie ein Außerirdischer eingeflogen und hätte den unschuldigen Charakter eines ganzen Volkes verdorben. Das ist natürlich Blödsinn und Kontrast prangern dieses naive, geschichtsvergessene Weltbild auch deutlich an.
Die restlichen Songs plätschern ein wenig vor sich hin, evtl. hätte die Tracklist ausgewogener gestaltet werden können. Drei megastarke Songs zu Beginn, Nachdenkliches in der Mitte und Experimentelles zum Schluss - ein "Kontrast", der so manchen Hörer das letzte Albumdrittel madig machen könnte.
Dennoch: Für alle Freunde der synthetischen Popmusik ist die CD ein Pflichtkauf, zumal man eine kostenlose Bonus-EP auf der bandeigenen Website ergänzend runterladen kann. Alleine die drei Auftaktkracher rechtfertigen bereits den Kauf. Daumen hoch!