Ein absolutes Muss für all diejenigen, die ihre Begeisterung für die anglo-indische Literatur bereits entdeckt haben mit Geschichten wie "Die Melancholie der Ankunft" von Jhumpa Lahiri, "Das Blaue Tuch" von Raj Kamal Jha und "Fasting, Feasting" von Anita Desai, aber auch ein Chance für solche, die es wagen sich das erste Mal darauf einzulassen. Eine Chance deshalb, weil Manil Suri, der 1959 in Indien geboren wurde und heute Professor für Mathematik in den USA ist, es vermag durch seinen insider-outsider Status auf ganz unaufdringliche Art zwischen den Kulturen zu vermitteln. In seinem Debütroman"Vishnus Tod" präsentiert er uns das Mietshaus seiner Kindheit in Bombay als Mikrokosmos der indischen Gesellschaft. Zentrale Gestalt, an der alle Handlungsfäden zusammenlaufen, ist der todkranke Gott Vishnu, der sich auf dem Treppenabsatz des Mietshauses als Faktotum verdingt. Im Laufe des Romans steigt er auf der Treppe nach oben, was die verschiedenen Seinsstufen der hinduistischen Glaubenslehre symbolisiert. Er trifft auf die unterschiedlichsten Bewohner des Mietshauses: auf die untentwegt zankenden Familien Pathak und Asrani, das junge Liebespaar Salim und Kavita und den Muslim Mr. Jalal, der auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist. Aber es sind nicht nur die auf faszinierende Weise miteinander verwobenen Geschichten, die den Reiz dieses Debütromans ausmachen, sondern auch eine völlig neue Welt der Gerüche und Farben.