Kaum in Dresden angekommen, bemerkten wir, dass der mitgebrachte Reiseführer für eine ausführliche Stadtbesichtigung doch etwas knapp bemessen war. Im Direktvergleich an Ort und Stelle (in einer fachkundigen Buchhandlung neben der Kreuzkirche) machte der Vis-à-Vis-Reiseführer von Dorling Kindersley den besten Eindruck, vor allem aufgrund seines überzeugenden optisch orientierten Konzeptes. Besonders angetan haben es uns die räumlichen Zeichnungen, seien es die Ausschnitte aus dem Stadtplan oder Teile der Landschaft oder insbesondere die Raumschnitte in einzelne Gebäude mit vielen Hinweisen auf interessante Details. Das Informationsangebot ist so aufgebaut, dass praktische und kulturhistorische Infos zusammen erscheinen. Ein Beispiel: Die Frauenkirche ist ein Hauptanziehungspunkt und wird zunächst auf einer Doppelseite im Rahmen des Kapitels "Östliche Altstadt" vorgestellt. Im Mittelpunkt eine Zeichnung mit einer dreidimensionalen Ansicht mit Schnitt durch den Raum. In einem Absatz links werden die wichtigsten Daten genannt. Eine Infobox rechts oben zeigt an: Wo auf dem Stadtplan zu finden, welche Verkehrsmittel führen hin, Besuchertelefon, Öffnungszeiten, Turmöffnungszeiten, Gottesdienste, Website. Rund um die zentrale Zeichnung sind Detailfotos mit weiteren Infos angeordnet und eine "Nicht versäumen"-Box weist auf die wichtigsten Highlights hin. Wegen des außergewöhnlichen Ranges der Frauenkirche wird ihr auf der folgenden Doppelseite ein längerer Artikel mit weiteren Fotos gewidmet.
Nach diesem Prinzip ist der ganze Reiseführer sehr auf "leichte und intuitive Bedienung hin" ausgerichtet. Auf der bewegten Tour mit Tram und Bus ist diese Form des Reiseführers ideal, eignet sich auch zum kleinen Lesen zwischen zwei Stationen und ist dennoch ausführlich genug, um am Abend nochmal was nachzulesen. Vor allem bilde ich mir ein, dass ich mir durch die Verbindung von Bild und Text manches leichter merken kann.
So kamen wir durch Dresden und die Gegend drumherum ohne weitere Führer oder Karten. Auch im Zwinger konnten wir uns aufgrund einer guten Übersicht sicher bewegen, bis hin zum sofortigen Auffinden der interessantesten Bilder in der Gemäldegalerie. Auch auf den Kauf eines Posters des Fürstenzugs konnten wir verzichten: Ist im Reiseführer schon drin - inklusive Erläuterung.
Puristen werden sich vielleicht an mancher redundanten Information oder mehrfachen Bildern stören, aber ich halte das Konzept für überzeugend und unserem visuell orientierten Zeitalter angemessen. Von der Praktikabilität her: Das Format ist groß genug, um Bilder in ausreichender Qualität wiederzugeben und dennoch handlich genug, dass man gut damit herumlaufen kann. Die Bindung im Flexcover ist stabil und nicht zu schwer. Auch nach dem täglich Einsatz in der Stadt ist das Buch noch ansehbar. Die aufwändige Aufmachung rechtfertigt auch den relativ hohen Preis.