Man ist es von anderen Vis-à-Vis-Reiseführern gewohnt, dass diese zwar sehr übersichtlich gegliedert sind und mit vielen Illustrationen und Grafiken visuell ansprechen, man dafür aber äußerst knappe Hintergrundinformationen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten in Kauf nehmen muss. Wenn man mehr wissen will, ist immer eine weitere Quelle zu Rate zu ziehen.
Der Lissabon-Führer kommt im Vergleich zu anderen Büchern aus dieser Reihe allerdings etwas zu schmalbrüstig daher. Was in diesem Fall gänzlich fehlt ist Lissabon im Überblick", eine Kurzübersicht über die Hauptattraktionen. Auch die Beschreibung einzelner Sehenswürdigkeiten fällt zum Teil sehr karg aus. Besonders schmerzlich ist es, wenn man im großartigen Mosteiro dos Jerónimos steht und ausser einer schönen Risszeichnung so gut wie keine Information erhält. Da greift man doch lieber zum Baedecker oder mischt sich unauffällig unter eine Reisegruppe.
Der Fahrt mit der nostalgischen Tram Nr. 28 ist nur ein kurzer Absatz im Kapitel "Öffentliche Verkehrsmittel" gewidmet. Die Erkundung Lissabons mit dieser Kultlinie wäre ein eigenes Kapitel wert gewesen. Der Endpunkt im Westen, der Cemitério des Prazeres, mit seinen monumentalen Gräbern eine richtige Stadt der Toten und eine Hauptsehenswürdigkeit, wird hier nur als Haltestelle erwähnt.
Außerdem werden lediglich zwei Spaziergänge beschrieben. Bei dem Gang von der Basilica da Estrela zur Avenida kann man sich bei der Schilderung kaum vorstellen, dass die Autorin jemals physisch diesen Weg gegangen wäre.
Obwohl es sich beim rezensierten Expemplar um die Neuausgabe 2008/2009 handelt, kann man fast alles vergessen, was unter "Öffentliche Verkehrsmittel" steht. Die für Metro, Bus und Straßenbahn übliche 7-Colinas-Karte, die man am Automaten immer wieder aufladen kann, ist mit keinem Wort erwähnt.
Schade, es gibt andere Vis-à-Vis-Führer, denen man vier Sterne geben kann. Dieser ist leider nur die Hälfte wert.