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Mit der rasanten Entwicklung des Internets und der Erschwinglichkeit breitbandiger Internet-Anschlüsse für den Heimanwender rückt die Idee des virtuellen Lernens bzw. der virtuellen Universität wieder stärker in den Vordergrund. Prof. Schulmeister (Universität Hamburg) zeigt in seinem Buch wie aktuell dieses Thema wirklich ist, ob z.B. die alte Alma Mater im Jahre 2005 fast verschwunden sein wird, und welche Vorteile oder auch Nachteile gegenüber den klassischen Lerngruppen oder Fernuniversitäten vorhanden sind.
Seine Hauptzielgruppe ordnet der Autor im Bereich der Hochschuldidaktik an. Zunächst gibt Schulmeister einen Überblick, wie sich verschiedene Organisationen (UNESCO, Bundesministerium für Bildung und Forschung, u.a.) eine Reform der Hochschulen hinsichtlich zunehmender Virtualisierung vorstellen. Mit Hilfe von Prognosen, Zukunftsszenarien und Umfrageergebnissen zeigt der Autor deutlich, dass von der technologischen Machbarkeit bis zur didaktisch vertretbaren und gesellschaftlich akzeptierten Anwendung ein (zeitlich) langer Weg beschritten werden muss. Schulmeister verfällt nicht dem technologischen Euphorismus, sondern vertritt durch das ganze Buch eine realistische Sichtweise. Schon bei den klassischen Universitäten sind Bewertungen (die sogenannten Hochschulrankings) kritisch zu betrachten, ein Bewertungsstandard für virtuelle Universitäten ist praktisch (noch) nicht vorhanden. Durch verschiedene Standardisierungsansätze und Bewertungsmöglichkeiten bzw. -ansätze gibt Schulmeister dem virtuellen Lerner ein Werkzeug, um zwischen verschiedenen "virtuellen Lernprojekten" einigermaßen faktenbasiert entscheiden zu können. Dem zukünftigen virtuellen Dozenten sei unbedingt die Lektüre des achten Kapitels empfohlen, das sich durch die "8 Imperative des virtuellen Lernens" auszeichnet.
Der größte Teil des Buches widmet sich der Darstellung der verschiedenen Erscheinungsformen des virtuellen Lernens. Der Autor hat dazu umfangreiche Recherchen im nationalen wie internationalen Bereich durchgeführt und erläutert ausgewählte Beispiele ausführlicher. Durch die Angabe der entsprechenden Internet-Adressen ist es für den Leser sehr einfach, sich selbst weiter zu informieren. Der große Umfang an Material führt allerdings auch leicht dazu, dass der Leser den Überblick verliert. Hier wäre eine Typisierung der virtuellen Unis auf die vorgestellten Projekte hilfreich gewesen.
Zum Abschluss des Buches, nach zahlreichen Beispielen, stellt Schulmeister in zwei Kapiteln noch einmal ganz klar und deutlich den aktuellen Stand zum Thema virtuelles Lernen und virtuelle Universitäten dar, welche Entwicklungsmöglichkeiten vorhanden sind und was gegebenenfalls dafür getan werden muss. Im Anhang finden sich ausführliche Kursangebote verschiedener virtueller Universitäten, eine umfangreiche Literaturliste und mehrere Indizes - nach Autoren, Organisationen, Sachwort, u.a. geordnet.
Das Buch ist gut strukturiert, wenn auch einige Kapitel mit zu vielen Beispielen ausgestattet wurden. Nach der Erläuterung der wichtigsten Beispiele hätte eine Tabelle oder Liste mit Internet-Adressen für weitere Projekte genügt. Die sehr gute Literaturrecherche wird durch zahlreiche Zitate oder Tabellen aus der Originalliteratur ergänzt. Allerdings entsteht dadurch ein Mix aus deutschen und englischen Textstellen, der das Lesen erschwert - eine Übersetzung der Zitate wäre nicht sinnentfremdend gewesen. Positiv ist zu vermerken, dass wichtige Informationen als Randnotizen herausgestellt werden. Durch die Verwendung von "Screenshots" bei der Erläuterung bestimmter Software oder Internet-Seiten bekommt der Leser auch ohne eigene (Internet-)Recherche einen guten Eindruck vom jeweiligen Projekt.
Alles in allem bietet das Buch einen sehr guten Überblick über den aktuellen Stand des Themas virtuelles Lernen und virtuelle Universitäten. Die Einschätzung von Technik, Gesellschaft und (Hochschul-)Politik ist realistisch und wird durch verschiedenen Erhebungen untermauert. Darauf aufbauend werden ebenfalls vorsichtige Prognosen erstellt, die (vom heutigen Standpunkt aus) zuzutreffen scheinen.
Rezensent: Dr. Udo Seidel
Kurzbeschreibung
Ein hochaktuelles Buch zu einem Thema, dessen Stellenwert in der heutigen Gesellschaft täglich zunimmt. Hier werden hochschulpolitische Forderungen und Prognosen zur zukünftigen Marktentwicklung der virtuellen Universität zusammengebracht und mit empirischen Beschreibungen des aktuellen Medieneinsatzes konfrontiert. Damit soll dazu beigetragen werden, Trends zu identifizieren, Stärken und Schwächen der Trends aufzuzeigen und der Diskussion von Strategien für das eigene Engagement einen Raum zu geben. Themen sind dabei: nationale und internationale Trends; Theorien zur Typologie und Klassifikation des virtuellen Lernens; Theorien zur Medienwirkung (Interaktivität etc.); Konzepte und Modelle von Online-Seminaren; Ansätze zur Standardisierung und zum Benchmarking.