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Der Hauptschwerpunkt von Graus Forschungsarbeit (und das merkt man ihr mit einem fast neunzig Seiten starken Anhang noch ein wenig an) liegt darin, die ästhetische Konzeption virtueller Bildräume mit ihren Brüchen und durch verschiedene Epochen westlicher Kunstgeschichte zu verfolgen: vom Fresko zum Tafelbild, von der trompe-l’oeil-Illusionsmalerei über die Theaterbühne zu Film und Fernsehen wird der Leser zur Kernidee der Virtuellen Realität geführt: der Verbindung und Verschmelzung von Mensch und Bild; und wenn sie virtuos umgesetzt wird, dann sei sie sinnlich überwältigend und täuschend echt.
Mit der virtuellen Sinnlichkeit erfährt auch der Text Dynamik: engagiert, mit repräsentativem Bildmaterial und ausführlichen Informationen führt der Autor in den virtuellen Bildraum; jetzt wird Kunstgeschichte zur Mediengeschichte, hier erfährt der vorher gewissenhaft reflektierte Kunst- und Bildbegriff seine Metamorphose zur Interaktion, zur Polysensualität. Angeregt erlebt der Leser mit der äußerst detaillierten Analyse der virtuellen Installation „The home of the Brain“ (Fleischmann/Strauss) einen Zugang in den immateriellen Bildraum. „Ich bin dort, wo ich nicht bin und erfahre sinnliche Gewissheit wieder besseres Wissen.“ Inmitten der Sehnsucht des VR-Kunstrezipienten, in die multiplen Hyper-Welten abzutauchen („There is no difference between dream and reality.“ Marvin Minsky), hält uns Tobias Grau neutral wegweisend die Daten-Fakten unseres irreal realen Bildirrtums vor.
Neue Medien machen alte nicht obsolet, sie weisen ihnen andere Systemplätze zu. Kunst ist weder analog noch digital fähig, die Wirklichkeit vollständig zu reproduzieren, denn es gibt keinen deutungsfreien Zugriff auf die Wirklichkeit. Also: Es lebe die Interpretation auch im Cyberspace. Nichts ist wirklich.
Klar, kritisch engagiert und überaus präzise stellt Graus Buch ein Handbuch über die historische Entwicklung der Illusionsräume in der Bildenden Kunst dar; kompatibel als Nachschlagewerk - mit brillanten Analysen aus dem aktuellen Bereich der Virtuellen Realität - wird es zudem durch ein gut gegliedertes und differenziertes Inhaltsverzeichnis.
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