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Virginia Woolf: Ein Leben
 
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Virginia Woolf: Ein Leben (Broschiert)

von Hermione Lee (Autor), Holger Fliessbach (Übersetzer)
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Produktinformation

  • Broschiert: 1152 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (1. Dezember 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596173744
  • ISBN-13: 978-3596173747
  • Originaltitel: Virginia Woolf
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14 x 5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 194.427 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Virginia Woolf war selbst eine leidenschaftliche Biographin. Immer auf der Suche nach Geschichten, wie das Leben sie erzählte. Doch was ihre eigene Geschichte betraf, war sie stets bemüht, das Eigentliche auch in ihren literarischen Werken zu verschleiern, die zu große Öffentlichkeit, beziehungsweise das Öffentlichsein zu vermeiden.

Hermoine Lee, Professorin für englische Literatur, hat nun mit ihrer monumentalen Biographie Virginia Woolf einen Kraftakt vollbracht und hinter allen Schleiern unnd Verstecken eine außerordentliche Persönlichkeit entdeckt.

Die Autorin begleitet Virginia Woolf von Kindheit an, durch die Häuser, in denen sie lebte und betrachtet genau die Menschen, die Virginia nahe standen. Früh verstarb Virginias Mutter und typisch für die ausgehende Viktorianische Ära wuchs sie unter patriarchalischer Dominanz zu einer jungen Frau heran. Sie mußte die Autorität des Vaters ertragen, ebenso wie die sexuellen Übergriffe ihres Stiefbruders.

Doch trotz allem entwickelte sie sich zu einer starken, modernen und emanzipierten Frau, ausgestattet mit einer ungeheueren literarischen Energie, die nur durch ihre tragische "Geisteskrankheit" gebremst wurde. Seit dem Tod ihrer Mutter erlitt sie immer wieder Anfälle: Sie war depressiv, manchmal manisch, hörte Stimmen. Die Angst vor diesen Anfällen sollte sie schließlich im Alter von 41 Jahren in den Selbstmord treiben.

Virginia Woolf beeindruckt durch das enorme Wissen der Autorin. Mit wissenschaftlicher Akribie und literarischem Sachverstand verbindet Hermoine Lee das Leben, Freunde und Verwandte der Autorin mit den symbolischen Stellen in Virgina Woolfs Literatur, belegt Gedanken, Thesen und Anekdoten mit unzähligen Briefen und Tagebuch-Auszügen.

Verwandte und Freunde der Autorin werden mit ebenso großer Sorgfalt dargestellt und die Beziehungen etwa zu ihrer Schwester Vanessa, ihrem Mann Leonard oder zu der homosexuellen Vita Sackville-West ausführlich beleuchtet.

Viele Mythen wurden um Virginia Woolf aufgebaut. Doch so eine Persönlichkeit läßt sich nicht in bestimmte Kategorien einordnen. Hermoine Lee hat dies in ihrem Buch hervorragend umgesetzt. Sie läßt ihrer Hauptfigur Platz, versucht nicht, sie in Schubladen zu stecken und räumt mit diversen Klischees auf. Auf diesem Weg gelingt ihr eine exakte, wie auch adäquate und schriftstellerisch glänzende Darstellung dieser facettenreichen Persönlichkeit. --Susanne Sohlau -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Neue Zürcher Zeitung

Das «verdammte egoistische Selbst»

Schriften von und über Virginia Woolf

Von Alexandra Lavizzari

Die ersten drei Bände von Virginia Woolfs Tagebüchern und Hermione Lees Biographie der grossen englischen Schriftstellerin liegen in deutscher Übersetzung vor: ein Anlass, um Woolfs Faszination für das «Ich» nachzuspüren.

Das Warten auf die ersten Kritiken ihrer Bücher gehörte für Virginia Woolf bekanntlich zu den qualvollsten Momenten ihres Schriftstellerlebens; ein schlechtes Urteil konnte sie auf Wochen lähmen, ein gutes wiederum in anhaltende euphorische Zustände versetzen. Als im Frühjahr 1937 ihr Roman «The Years» zwiespältige Reaktionen in England und Amerika auslöste, fühlte sich die Autorin in besonderem Mass zwischen extremen Gemütsschwankungen hin und her gerissen und vorerst unfähig, ihre Aufmerksamkeit anderem zu widmen als dem bald verletzten, bald geschmeichelten Ich. Nicht ohne Verwunderung stellte sie nach der Lektüre einer besonders vernichtenden Kritik im «Listener» schliesslich über sich selbst fest: «How I interest myself!» Tatsächlich lag in ihrer bangen Erwartung von Kritiken auch eine stark narzisstische Komponente, die sie mit zunehmendem Alter und entsprechend gesteigerter Introspektion zu akzeptieren lernte. An manchen Stellen ihrer Tagebücher ringt sie sich das Bekenntnis ab, dass sie es letztlich liebe, auf dem Umweg über ihr schriftstellerisches Werk Aspekte ihres Ichs in den Zeilen namhafter Literaturzeitschriften und Tageszeitungen gespiegelt zu sehen und zu denken, dass die Leser sich mit ihr beschäftigen.

Was aber, fragt sich Woolf in diesem Zusammenhang immer wieder, ist dieses self, das sie von anderen selves abgrenzt, und inwiefern lässt es sich mit dem Wort erfassen, als Teil der Wirklichkeit begreifen und festhalten?

NEGIERTE IDENTITÄT

Ihre lebenslange Beschäftigung mit dieser Frage hat Woolf vor allem in ihr Prosawerk einfliessen lassen. In «Jacob's Room» (1922) dekonstruiert sie die Identität der Titelfigur, indem sich diese mit den herkömmlichen Mitteln der Kunst nicht definieren lässt, sondern höchstens in dem ahnbar wird, was sich von ihr auf Umfeld und Mitmenschen widerspiegelt. Nicht von ungefähr heisst der Roman «Jacob's Room»; der Akzent ist auf das Zimmer verschoben, das Jacob bewohnt und das ihn gewissermassen definiert, auch wenn er sich – wie oft – nicht darin aufhält: «One fibre in the wicker arm chair creaks, though no one sits there» ist ein Leitmotiv, das Woolf in wörtlicher Wiederholung wie einen Bogen um Jacobs kurze Lebenszeit spannt. Weitere schriftstellerische Anläufe thematisieren das Scheitern dieser Suche, so etwa «The Waves» (1931), wo Woolf das Ich in sechs Stimmen aufsplittert und vor dem Hintergrund sich brechender Wellen in einer Art sinfonischem Chor sprechen lässt.

Der kühnste Vorstoss in Richtung der Idee, dass das eigene Selbst erst in der Aufhebung der Grenzen zu einem andern Selbst erfahren wird, gelingt der Autorin jedoch in der berühmten, tiefenpsychologisch vielfach analysierten Abendmahlszene von «To the Lighthouse» (1929); abgesehen von offensichtlichen christlichen Anklängen strebt diese Szene aus der Sicht von Mrs. Ramsay einem Moment zeitlos erlebter Erleuchtung zu, welche in der Einsicht gipfelt, dass es auf der Ebene der reinen Empfindung, die wiederum mit jener der Zeitlosigkeit identisch ist, keine Trennung des eigenen Ichs vom andern gibt und der Glaube an eine separate Individualität letztlich illusorisch ist. Mrs. Ramsay erlebt während des Ausschöpfens ihres «bœuf en daube» einen Augenblick der absoluten Kohärenz und Stabilität zwischen sich und den Tafelnden:

Here, she felt, putting the spoon down, was the still space that lies about the heart of things – It could not last she knew, but at the moment her eyes were so clear that they seemed to go round the table unveiling each of these people, and their thoughts and their feelings, without effort like a light stealing under water so that it ripples and the reeds in it and the minnows balancing themselves, and the sudden silent trout are all lit up hanging, trembling . . . And the whole is held together – It was as if she had antennae trembling out from her . . .

SICH SELBST AUF DER SPUR

Das Selbst, dieses «verdammte egoistische Selbst», narrt die Erzählerin ihr Leben lang. Neben ihren Werken sind es vor allem die Tagebücher, denen Woolf ihre Präokkupation mit dem Ich anvertraut; in ihnen ist nachzulesen, wie Woolf ihr Leben als sozialer Mensch gelebt und gleichzeitig durch das Festhalten möglichst vieler Fakten ein detailliertes Koordinatensystem für die punktuelle Definierung ihres Raum und Zeit sprengenden Bewusstseins geschaffen hat. Der Übergang vom banalen Alltag zum schwindelerregenden Höhenflug der Phantasie, vom Plauderton zur obsessiven Zergliederung ihrer inneren Befindlichkeit erweist sich dabei oft als so unvermittelt und brüsk, dass sich daraus der Mythos von der labilen und stark depressiven Schriftstellerin sehr plausibel ableiten lässt.

Doch Virginia Woolfs Tagebücher bezeugen, allein schon durch die Spannweite der angeschlagenen Themen und Reflexionen, dass die Verfasserin in erster Linie eine zähe Künstlerin gewesen ist; immer wieder spornt sie sich zum Schreiben an, ermahnt sich, hart und zielgerichtet an sich zu arbeiten, um zum eigenen Stil und zu den Themen zu finden, die sich, losgebunden von den obsolet gewordenen Konventionen der Edwardianischen Zeit, in die Richtung des modernen stream of consciousness bewegen – ohne sich von ihm vereinnahmen zu lassen. Woolf ist aber auch – und dies mit bewusstem Willen – eine unterhaltsame Chronistin ihrer Zeit gewesen, die in der Verschränkung von Geschichte und persönlicher Entwicklung das Kulturbewusstsein einer ganzen Generation veranschaulicht und fixiert hat.

Nach den Romanen und der Kurzprosa liegen nun in der von Klaus Reichert betreuten Fischer-Gesamtausgabe Virginia Woolfs erste Tagebücher erstmals auch in deutscher Übersetzung vor. Die vorliegenden Bände stützen sich auf die zwischen 1977 und 1980 von Anne Olivier Bell betreute Neuausgabe, die ihrerseits den ersten, 1972 von Leonard Woolf zugelassenen Teilabdruck abgelöst hat. Bell hat in zehnjähriger Forschungsarbeit die vierundzwanzig Bände von Woolfs Tagebüchern mit erklärenden Kommentaren und Fussnoten ergänzt, die einen wertvollen Beitrag für das Verständnis dieser nie für die Veröffentlichung gedachten Texte leisten. In der Übersetzung von Claudia Wenner (Band 2) und von Maria Bosse-Sporleder (Bände 1 und 3), deren exemplarisch schöne Übertragung von «The Waves» hier nochmals erwähnt werden darf, lesen sich Woolfs Eintragungen flüssig und frisch wie das Original.

Der erste Band deckt die Zeit der ersten experimentellen Kurzgeschichten und der Niederschrift des ersten, noch stark viktorianischen Mustern nachempfundenen Romans, «The Voyage Out», ab und dokumentiert die Entstehung und Entwicklung der Hogarth Press, eines verlegerischen Unternehmens, das Woolf durch praktische Arbeiten wie Setzen und Drucken zeitweise von der belastenden Selbstgrübelei abgelenkt hat. Begonnen am 1. Januar 1915 und bald wegen einer schweren Gemütsverwirrung für ein paar Wochen unterbrochen, begleitet sie das Tagebuch durch den Ersten Weltkrieg, ist Empfänger ihrer Gedanken über Leonard, mit dem sie seit vier Jahren verheiratet ist, über die Londoner Society, ihre Verwandten und Freunde.

In den folgenden Jahren verlagert sich Woolfs Interesse merklich auf die Methodik der literarischen Arbeit, auf die Kultivierung eines Zustands, in dem visionäres Schreiben im Tumult des gesellschaftlichen Lebens erst möglich wird:

Die Methode, um sich (sc. nach einem unerwünschten Unterbruch) ins Schreiben zurückzuschaukeln, geht folgendermassen. Als erstes sanfte Übungen an der frischen Luft. Als zweites die Lektüre guter Literatur. Man muss aus dem Leben heraustreten – man muss sich externalisieren; sich sehr, sehr sammeln, in einem einzigen Punkt, und darf sich nicht auf die verstreuten Teile seines Charakters stützen, man muss ganz im Kopf leben. Sidney kommt & ich bin Virginia; wenn ich schreibe, bin ich nur Empfindung. Manchmal bin ich gerne Virginia, aber nur wenn ich zerstreut, wechselhaft & gesellig bin. Nun, und solange wir hier sind (sc. in Asheham), möchte ich nur Empfindung sein.

Doch es sind auch ihre Reaktionen auf andere Schriftsteller nachzulesen, hier vor allem auf Joyce, dessen «Ulysses» Woolf mit Vorbehalten aufnimmt, und auf Katherine Mansfield, über deren Tod im Januar 1923 sie linde Schadenfreude empfindet, ist doch Mansfield die einzige Zeitgenossin, deren Schreibkunst in Woolf Neid erweckte. Einen wichtigen Teil des zweiten Bandes machen Woolfs Ideen und Skizzen für Essays und Kurzgeschichten aus sowie Notizen über den Fortschritt von «Jacob's Room» und «Mrs. Dalloway», welche die Genese dieser beiden innovativen Prosaarbeiten erhellen.

Im dritten Band (1925–30) intensiviert sich Woolfs Beschäftigung mit der eigenen Schriftstellerei, und entsprechend erobern die Suche nach dem Ich und die Frage nach dessen Erfahrbarkeit zunehmend das Terrain ihrer Alltagserlebnisse. Die emotionale Verstrickung mit Vita Sackville-West bildet den Hintergrund, vor dem sich die Konzipierung und Niederschrift der grossen Romane «To the Lighthouse» und «The Waves» sowie «Orlando», der als Scherz begonnenen Biographie der Freundin, abzeichnen, doch verschweigt Woolf hier grösstenteils die verwirrenden Gefühle, die sie den Briefen an Vita anvertraut. Hierin mag man vielleicht Scham oder den Willen zur Selbstzensur lesen, doch lässt die allgemeine Ausrichtung des Tagebuches auch den Schluss zu, dass Woolf von der Erforschung ihres kreativen Potentials so stark absorbiert war, dass die «wechselhafte und gesellige» Virginia – die Frau nämlich, die nicht gerade schrieb oder gedanklich mit dem Schreiben beschäftigt war – sie in jenen Jahren nicht annähernd so sehr interessieren konnte. Jede Begegnung, jede Begebenheit wird für sie zum Anlass, um auf jene Flüchtigkeit der Erfahrung des Andern zurückzukommen, die das Zentrum ihres Schreibens ist:

Gerade ist Eddy gegangen, & hinterlässt das übliche Gefühl: warum ist der Umgang mit Menschen nicht fester umrissen, greifbarer: warum behalte ich nicht eine kleine runde Substanz, erbsengross etwa, in der Hand; etwas, das ich in ein Kästchen legen & angucken kann? Es bleibt so wenig – seine Gegenwart war wohl nur ein Licht auf der Oberfläche meines Geistes – während das Wasser selbst weiterströmte, auf seine alte wilde Art – Gedanken über mein Schreiben. – Und was von Eddy bleibt, ist jetzt in gewisser Weise lebendiger, wenn auch transparenter, wo sich alles von ihm in meinem Geist zusammenfügt, alles, was ich von ihm haben konnte, & sich zu einer entsprechenden Landschaft formt; ein eigenes Kunstwerk formt.

BIOGRAPHIE – QUATSCH ODER KUNST?

Hermione Lee beginnt ihre Woolf-Biographie bezeichnenderweise mit der Frage nach dem Stellenwert des Tagebuchs im Leben der Schriftstellerin; als Barometer der Gefühle, Lagerhaus für Erinnerungen, schriftstellerisches Übungsgelände, Kommentar zur laufenden Arbeit und Sedativ bei Zuständen der Erregtheit definiert sie die «Diaries» und benutzt deren Zwiespalt – Tagebuch der Fakten versus Tagebuch der Seele – geschickt als Ausgangspunkt ihrer eigenen biographischen Arbeitsmethode.

Hermione Lee, die an der Universität von York englische Literatur lehrt, hat 1996 mit ihrer umfassenden Biographie von Virginia Woolf ein neues Standardwerk vorgelegt, das nicht nur von den Woolf-Forschern weltweit begrüsst wurde, sondern auch die Biographie als literarisches Genre in neue Bahnen lenken dürfte. Zugegebenermassen fürchtete sich Lee am Anfang ihres Unternehmens ein wenig vor der geradezu erdrückenden Fülle des Woolf-Materials und – fast noch mehr – vor Woolf selbst: «Von Biographen wird erwartet, dass sie den Gegenstand ihrer Untersuchung genausogut oder besser kennen als dieser sich selbst. Die Biographen wollen uns glauben machen, dass es möglich sei, ein Menschenleben zu beschreiben, zusammenzufassen, zwischen Buchdeckel zu packen und zu verkaufen. Virginia Woolf hingegen hat fast ihr ganzes Leben lang behauptet, dass die Idee einer Biographie Unsinn sei – ‹Quatsch›, wie sie gern sagte.»

Das Resultat von Lees fünfjähriger Forschungsarbeit ist nun in der sorgfältigen Übersetzung von Holger Fliessbach auch für deutschsprachige Leser zugänglich. Von Claudia Wenner seinerzeit eingehend an dieser Stelle gewürdigt (vgl. NZZ 14. 6. 97), besticht diese Vita durch die ausserordentlich raffinierte Gliederung in thematisch abgerundete Kapitel, die nicht zwingend nacheinander gelesen werden müssen. Jedes Kapitel ist einem Fragekomplex gewidmet, der sehr persönlicher Art sein kann – Missbrauch, «Wahnsinn», Ehe, Scheitern – oder aber literarische Probleme bzw. gesellschaftlich-historische Gegebenheiten ausleuchtet – Experimente, Krieg, Geld und Ruhm sind Stichworte dieser Art.

Zwar folgt Lee einem strikten linearen Ablauf mit den konventionellen biographischen Zäsuren (etwa dem Tod des Vaters 1904, der den Beginn von Woolfs Erwachsenenleben und die Entstehung von Bloomsbury markiert), doch schränkt sie die Beschreibung nie auf die Fakten ein, sondern wagt subjektive Interpretationen und zieht Sekundärliteratur bei, um gleichzeitig auch ein Stück Rezeptionsgeschichte aufzuarbeiten; dabei gilt ihr Augenmerk speziell den psychoanalytischen und feministischen Ansätzen, deren Theoretiker Woolf nicht selten als Galionsfigur ihrer jeweiligen Ansichten missbraucht haben. Lees unbelasteter Umgang mit Theorien – der nicht mit Unkenntnis gleichzusetzen ist, sondern im Gegenteil von einer Distanz wahrenden Weitsichtigkeit zeugt – macht einen grossen Teil des Reizes ihrer Biographie aus. Nicht zuletzt aber verfügt die Autorin über einen klaren und mitreissenden Stil, der die Lektüre von Woolfs Leben zu einem Vergnügen und intellektuellen Abenteuer macht. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .


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27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Auf dem Boden der Tatsachen, 11. Mai 2004
Von Ein Kunde
Diese Rezension stammt von: Virginia Woolf. Ein Leben (Gebundene Ausgabe)
Dies ist die ausführlichste, detaillierteste, einfühlsamste und daher beste Biographie Virginia Woolfs, die ich bis jetzt gelesen habe (die anderen wären, nicht weniger empfehlenswert, die von Nigel Nicolson und von Quentin Bell). Schon der Umfang dieses Buches ist beeindruckend, und wenn ein großer Teil davon von den Anmerkungen beansprucht wird, untermauert das lediglich die Qualität und das Ausmaß der Forschungsarbeit der Autorin; sie ist Professorin für englische Literatur in York. Die eigentliche Biographie ist nichtsdestotrotz erschöpfend und minutiös.-
Hermione Lee hat es wie kein anderer geschafft, alle erdenklichen Facetten des Lebens dieser einzigartigen Schriftstellerein zu durchleuchten. Wer Woolfs Bücher gelesen hat, wird ahnen, daß sich das bei einer derart komplexen Persönlichkeit - geprägt von gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen, einem in jungen Jahren noch fast viktorianisch einengenden und später erheblich von ihr mitgestalteten Umfeld; gekennzeichnet von geistiger Krankheit und einem manchmal fast erstickenden Drang zu schreiben - ein ziemliches Abenteuer war, aber die Biographin besteht alle Herausforderungen: anders als die anderen Biographen kommt sie nicht immer zu abschließenden, pauschalen Ergebnissen, speziell in Bezug auf den vieldiskutierten sexuellen Mißbrauch oder die Natur der Geisteskrankheit. Hermione Lees Schlußfolgerungen sind nachvollziehbar und stützen sich auf nachprüfbare Quellen; Spekulationen bleiben immer rational. Die Autorin nähert sich Virginia Woolf nicht allein über die Betrachtung der einzelnen Lebensphasen, sondern auch über prägende Persönlichkeiten, V. Woolfs Beziehungen zu ihnen, Wohnorte und Tätigkeiten neben oder vor der Schriftstellerei ... Diese "isolierten" Betrachtungen lassen einen die große Schriftstellerin aus ganz neuen - zumindest ging es mir so - Blickwinkeln sehen und besser kennenlernen. H. Lee zieht mit zahlreichen Zitaten aus Briefen und Prosa immer wieder Parallelen zum Leben und setzt Virginia Woolf damit ein nicht nur tiefgründiges, sondern auch liebevolles Denkmal. Diese Biographie ist ein lesenswertes Buch für jeden, der sich in Virginia Woolfs Büchern wohlfühlt; er wird dieses Buch möglicherweise ebensooft wieder in die Hand nehmen wie seine V.-Woolf-Lieblingsbücher und/oder noch besseren Zugang zu ihrem Werk finden. Schön im Übrigen auch die vielen Abbildungen. Ein beeindruckendes Buch!
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Empfehlenswert, 28. Dezember 2006
Von Bibliophilius - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)   
Hermione Lee zeichnet mit dieser Biografie ein ausführliches und einfühlsames Porträt
der großen englischen Schriftstellerin Virginia Woolfe.
Kurz vor der Jahrhundertwende in die spätviktorianisch Bildungsschicht der Londoner Gesellschaft hineingeboren, zählte sie als erste Frau zu den Vertretern der klassischen Moderne und entwickelte bahnbrechend die Erzähltechnik des inneren Monologs.
In ihrem gesamten Werk wird ihr Widerstand gegen die patriarchale britische Gesellschaft deutlich.
Sehr umfassend werden die Beziehungen zur Familie und dem Freundeskreis geschildert, Zusammenhänge in Ihren Werken erläutert und ihre labile psychische Verfassung beleuchtet.
Für all jene, die sich für das Werk dieser außergewöhnlichen Frau interessieren, ist diese Biografie eine interessante Bereicherung.
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28 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen " Worte sind wild, frei, unverantwortlich und nicht zu lehren., 22. Juni 2009
Natürlich kann man sie einfangen, einsortieren und sie in alphabetischer Reihenfolge in Wörterbücher stecken. Aber dort leben sie nicht." ( Zitat Virginia Woolf)

Hermione Lee hat eine sehr reflektierte, gut lesebare Biographie über Virginia Woolf ( 1882-1941) verfasst.
Ein Stück, dessen Titel ein Kinderlied variert "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" verhalf dieser Frau, deren Bücher und Verlagsarbeit nur einen kleinen Kreis berührt hatten, zu einem merkwürdigen Nachruhm.
Ihr Vater, Sir Lesie Stephen, war "ein entzückender, ein wenig erschreckender alter Herr", von dem sie stets mit viel Anerkennung sprach. Durch ihn kam sie zu einer humanistischen Auffassung, las Plato, Spinoza, Montaigne und Hume.
Von sehr gebrechlicher Gesundheit, konnte sie die Schule nicht besuchen unterhielt sich jedoch regelmäßig mit George Meredith und Thomas Hardy.
Stark beeinflusst durch den Ästethisismus um die Jahrhundertwende, von dem sie die Feinheit des Stils und die Kunst der Annäherung beibehalten hatte, veröffentlichte sie nach einigen Artikeln ihren ersten Roman " The Voyage out", 1915, in welchem die Unruhe über den Ablauf der Zeit zum Ausdruck kam.
Sie heiratete Leonhard Woolf und gründete mit ihrem Gatten einen Verlag, die "Hogarth Press", dessen erste Autoren T. S. Eliot und Katherine Mansfield waren. Obschon sie als Rednerin sehr beliebt war und als Verlegerin sehr erfolgreich, verlangsamte sie ihre literarische Produktion nicht.
In 26 jahren veröffentlichte sie neun Romane, dazu " A Writer`s Diary".
Sie gab allerdings die klassischen Erlebnisberichte auf und stellte sich bereits zuvor Fragen nach der Wirklichkeit der Welt. Alsbald stellte sie sich jedoch auch Fragen über die Identität ihres eigenen Ichs.
Beeinflusst wurde sie von Proust und Joyce wie man den Schilderungen entnehmen kann.
Sie versuchte fortan keine Struktur, keine künstlich romanhafte Logik mehr, sondern jenen Eindruck der Zerstückelung und der Zusammenhanglosigkeit wiederzugeben, den das Leben in " Montag und Dienstag" macht.
Sie wählte in der Folge der Augenblicke die Gegenwart, in der sich eine treibende Wirklichkeit kristallisierte.
Ihre Anstrengung galt nicht dem Aufbau des Romans, sondern seiner Bedeutung.
Wie Proust stellte sie sich den leidenschaftlichen Fragen über den Unterschied der Geschlechter. In "Orlano" schaffte sie eine Figur , die aufhört ein Mann zu sein, um eine Frau zu werden, ohne allerdings auf die ursprüngliche Männlichkeit zu verzichten.
Viginia war sehr mondän und eine vollendete Gastgeberin wie Lee deutlich macht. Die Verfasserin von " Years" verbarg so ihre Angst unter einer vollkommenen Höflichkeit. Sie blieb jedoch stets verletzbar.
Mitunter geriet dieser große Geist durcheinander, vertauschte das Licht gegen den Schatten und erbat die Hilfe der Psychiater.
Sie befürchtete ebenso die Wahnsinnanfälle, wie die weniger schmerzliche Rückkehr des Verstandes.
Es kam Krieg, die Einsamkeit wurde von dem Lärm der Angriffe der Luftwaffe gestört.
Ihr ganzes Leben lang war diese Frau für die Magie des Wassers empfänglich. Sie empfang hier eine geradezu selbstmörderische Zuneigung.
In den ersten Frühlingstagen des Jahres 1941 verließ Virginia , die Autorin von " The Wawes" ihr nettes Haus in Sussex.
Drei Tage später fand man ihre Leiche, die einmal gewünscht hatte" ins Wasser geworfen, von Wellen geschaukelt, hin und hergetrieben und fortgeschwemmt zu werden bis zu den Wurzeln der Erde..."



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5.0 von 5 Sternen Ich kann mich nur anschliessen. Ein wunderschönes Buch.
Virginia Woolfs Leben wird in diesem sehr guten Buch auf fassettenreiche und tiefgründige Weise dargestellt. Lesen Sie weiter...
Vor 15 Monaten von T. Schläger veröffentlicht

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