Aus der Amazon.de-Redaktion
Miles Vorkosigan ist ein kleiner, verwachsener Gnom, und wenn er auf seiner Heimatwelt Barrayar über die Straße geht, dann flüstern die Leute angeekelt: "Mutant!". Doch Miles, dessen Mutter sich in
Barrayar nur mit größter Entschlossenheit gegen die Abtreibung des missgebildeten Kindes wehren konnte, hat das Herz eines Helden. Mit Intelligenz und Leidenschaft erkämpft er sich als behinderter Teenager in
Der Kadett die ersehnte Aufnahme in die Militärakademie. Er wird Admiral einer selbst ernannten Söldnerflotte, Mitglied des barrayanischen Geheimdienstes, erobert die Herzen hinreißender Frauen, übersteht die Auseinandersetzung mit einem geklonten Bruder und schließlich sogar den eigenen Tod.
Doch all das hinterlässt Spuren. In Viren des Vergessens, dem inzwischen zehnten Band des Barrayar-Zyklus wird Miles von krampfartigen Anfällen geplagt, Nachwirkungen seiner Wiedererweckung aus der Kältekammer. Er verheimlicht seine Krankheit, während eines Kampfeinsatzes kommt es zu einem schrecklichen Unfall und zur schmachvollen Entlassung. Gerade 30 geworden, sitzt der Energie geladene Zwerg im verlassenen Haus seiner Eltern, arbeitslos und zur Untätigkeit verdammt. Zeit zum Nachdenken: Wer bin ich, was treibt mich an? Doch Miles wäre nicht Miles, wenn er sich lange aus dem Schicksal seines Planeten heraushalten könnte. Als der Chef des Geheimdienstes sein Gedächtnis verliert, erwacht Miles aus seinen Depressionen.
Verglichen mit dem furiosen Tempo der vorangegangen Bände ist Viren des Vergessens über weite Strecken ein ruhiger, bei allem Humor fast melancholischer Roman, der dennoch auf keiner Seite langweilig wird. Zu sehr geht das Schicksal des liebenswerten Helden nahe, der auf unvergleichliche Weise unsere größten Ängste und Sehnsüchte in sich vereint. Für Neueinsteiger in die Weltraum-Saga ist Scherben der Ehre oder Der Kadett die bessere Wahl; auf alle anderen wartet ein herzerwärmender Leseschmaus. --Birgit Will