Als ich das erste mal Hilary Hahns Einspielung der Bach Solo-Sonaten und später auch der Bachschen Violinkonzerte hörte war ich relativ überrascht. Dies war alles in höchstem Maße musikalisch ausgewogen, klangschön, ausdrucksstark, scharf an der Grenze zum musikalischen Perfektionismus...und dabei irgendwie gar nicht das was ich mir unter Bach vorstellte.
Ganz ähnlich ging es mir beim ersten hören mit dieser Mozart-Einspielung Hahns, ihrer ersten überhaupt obwohl sie Mozart schon seit ewigen Zeiten im Repertoire hat. Wer unter Mozarts Violinsonaten luftig-leichte Musik, spielerisch und ornamental versteht wird vergleichsweise enttäuscht sein. Hahns Mozart ist schwelgerisch, vollmundig, leidenschaftlich. Die Violinstimme, im Notensatz eigentlich nicht immer das wichtigste Element, steht in der Aufnahme absolut dominant im Vordergrund. Natalie Zhus Klavierspiel schmiegt sich daran an, gruppiert sich um die alles beherrschende Violinstimme ohne dabei an eigenem Profil zu verlieren. Und wie gewohnt produziert Hilary Hahn auf ihrem Instrument einen Klang der einem eigentlich nur noch die Tränen in die Augen treiben kann...nicht mal Anne-Sophie Mutter in ihren besten Jahren konnte ihrer Violine einen so vollen, farbenreichen, griffigen Klang abgewinnen wie Hahn es vermag.
Ein besonderer Hochgenuss auf der CD ist übrigens die melancholische, in manchem eher Mozart untypische e-moll-Sonate...sicherlich die berückenste Aufnahme dieses Stückes die ich jemals gehört habe.
Locker fünf Sterne für Hilary Hahn - und einen sechsten hätte sie auch verdient, wenn es den gäbe.