Eigentlich ist diese Aufnahme eine Überraschung für mich. Zwar war mir Vadim Repin ein Begriff, aber dass mich seine Interpretationen zweier der meist (ein-)gespielten Violinkonzerte so fesseln würden, hätte ich nicht erwartet.
Es beginnt beim Ton. Andere Rezensenten erinnert er an den Oistrakhs. Das würde ich vielleicht nicht unterschreiben, aber zumindest hat Repins Tongebung viel Wärme und eine ungeheure Substanz, ist "rund", ganz anders als z. B. Gidon Kremers oder Thomas Zehetmairs Klang, die mich auf ihre eigene Art und anders fesseln. Hinzu kommen wirklich frappierende technische Fähigkeiten, die es Repin erlauben, auch bei schnellen Tempi noch zu gestalten. Weder muss er das Tempo bei diffizilen Passagen zurück nehmen, wie es so manche(r) Kollege/in von ihm beispielsweise im Finale des Tschaikowskij-Konzerts wie ich meine nicht nur aus Gründen der Interpretation tut, noch gehen Details verloren, nehmen Sie die unangenehmen und sonst manchmal nur schlecht hörbaren Doppelgriffschlüsse des repetierten Motivs im Finale des Konzerts. Beeindruckend ist überhaupt die Gestaltungsfähigkeit des zum Zeitpunkt der Aufnahmen gerade einmal Mitte Zwanzigjährigen.
Repin und Krivine gehen das Tschaikowskij-Konzert zügig an, angenehm frisch, ohne dem Werk dadurch Pathos zu nehmen. Auch sie kosten an den gewohnten Stellen ihre Rubati aus, aber sie finden wieder ins Tempo zurück. Im Finale reißen sie zumindest mich wirklich mit, wie mir das bei kaum einer anderen Einspielung geht, Oistrakh, Kremer und Milstein inbegriffen.
Das Sibelius-Konzert kenne ich auch in vielen anderen spannenden Aufnahmen, neben Heifetz favorisiere ich das Gespann Tetzlaff/Dausgaard. Repin/Krivine können sich meines Erachtens nicht deutlich absetzen, aber auch hier besticht die Klangschönheit von Repins Ton, der übrigens auch nicht einem übertriebenen Vibrato hausieren geht, auch hier stößt er nie an die Grenzen seiner technischen Reserven, unglaublich präzise und voll zum Beispiel die künstlichen Flageoletts im Finale.
Zum Gelingen trägt ganz wesentlich eine sehr profilierte, differenzierte, geradezu liebevolle Orchesterführung des inzwischen mit seinem Originalklang-Ensemble La Chambre Philharmonique bekannten Emmanuel Krivine bei, der das blendend aufgestellte London Symphony Orchestra präsent und auf den Punkt begleiten lässt. Wunderschön nur als kleines Beispiel das in anderen Aufnahmen oft unterbelichtete Viola-Solo im Kopfsatz des Sibelius-Konzerts. Allenthalben Präzision, voller Klang und perfekte Abstimmung.
All das kann man dank einer ausgezeichneten Klangtechnik (Erato-Aufnahmen aus den 1990er Jahren) in wunderbarer räumlicher Staffelung, sehr guter Differenzierbarkeit, Transparenz und warmer, voller Stereophonie genießen. Das Beiheft hätte noch ein paar Informationen zu den Interpreten bereit halten können, aber man kann ja nicht alles haben.
Insgesamt aus meiner Sicht eine Spitzen-Einspielung, für mich eine echte Bereicherung.