Von beiden hier eingespielten Violinkonzerten gibt es zusammen genommen vielleicht eine Handvoll Konkurrenzaufnahmen. Um beide Komponisten bemühte sich vor Jahren das Label CPO, beiden haftet der Ruch an, nationalsozialistischem Gedankengut gegenüber aufgeschlossen gewesen zu sein, was die Rezeption ihrer Werke verständlicherweise erheblich erschwert.
Das Violinkonzert von Pfitzner ist dabei ein typisches Beispiel des ausgeprägten Personalstils dieses Komponisten, sehr expressive, teils kühne Musik, der Komponist mutet der Solovioline wilde Sprünge, diffizile Doppelgriffpassagen und andere technische Schwierigkeiten zu, der Orchestersatz ist sehr differenziert, teils kammermusikalisch, teils extrem unübersichtlich, was abhängig von der Qualität des Orchesters und der Tontechnik schnell in ein akustisches Tohuwabohu münden kann. Die Spitzenaufnahme in interpretatorischer Hinsicht stammt aus den 1950er Jahren, als der geniale Gerhard Taschner das schwere Stück extrem virtuos und ausdrucksstark einspielte (
Violinkonzerte), die Aufnahme ist jedoch zumal in den Orchesterballungen wegen der schlechten technischen Qualität nur mäßig erfreulich.
Dieses Manko hat die vorliegende Einspielung nun gar nicht. Man hört alles ganz exzellent, die Aufnahme ist von einer starken Dynamik geprägt, und das WDR-Rundfunkorchester (nicht zu verwechseln mit dem WDR-Sinfonieorchester), das sich zumal im Aufnahmesektor nicht im Vorderfeld bewegt, spielt erstaunlich präzise und mitreißend, was nicht zuletzt am Dirigenten Marcus Bosch liegen dürfte, der jüngst mit seinem Aachener Orchester mit sinfonischen Großwerken z. B. von Bruckner auf sich aufmerksam machte. Der Solist Juraj Cizmarovic stammt aus der Slowakei und ist u. a. der Konzertmeister des WDR-RO. Sein Ton hat Kraft und Ausstrahlung, ja einen eigenen Schmelz. Die lyrischen Passagen liegen ihm ein wenig mehr als die expansiven, aber insgesamt hört sich das Ergebnis sehr erfreulich an. Einzig im letzten Satz des Pfitzner-Konzerts hätte ich mir mehr Risikofreude hinsichtlich Tempo und Dynamik erhofft. An die Taschner-Aufnahme reicht diese Produktion dann alles in allem leider nicht ganz heran.
Das Violinkonzert von Siegfried Wagner kannte ich vorher nicht. Es wirkt harmonisch und konzeptionell deutlich konservativer als das Werk Pfitzners, sehr lyrisch und gefällig, und wird von den Ausführenden sehr schön gespielt.
In Hinblick auf das Pfitzner-Konzert bleibt meine Hoffnung auf eine "perfekte" Einspielung mit dieser Aufnahme zwar unerfüllt, um eine erfreuliche Bereicherung des Repertoires handelt es sich bei dieser Produktion aber allemal.